Schaaf statt Wolf

Lukas Hermsmeier21.10.2012Gesellschaft & Kultur

Thomas Schaaf tut Werder Bremen nicht mehr gut. Die goldenen Zeiten sind seit Jahren vorbei. Jetzt braucht der Verein neues Personal.

Beziehungen wie die zwischen Werder Bremen und Thomas Schaaf gibt es Tausende. Überall auf der Welt. Ein Paar, das mal glücklich war. Doch mit den Jahren ist die Leidenschaft verloren gegangen. Zusammen sind sie nur noch aus Gewohnheit, weil der Zeitpunkt verpasst wurde, sich zu trennen. Befriedigend ist das für keinen von beiden.

Zehn Punkte, 14:13 Tore, Platz neun. So sieht die magere Bilanz von Werder Bremen nach acht Spielen aus. Daran ändert auch der 4:0-Sieg gegen Gladbach nichts. Er ist vielmehr symptomatisch für das Auf und Ab der Hanseaten. Ein Verein abgetaucht in der Bedeutungslosigkeit, Mittelmaß – wenn überhaupt. Im Kalenderjahr 2012 ist Bremen sogar das schlechteste aller Teams. Alles nicht sonderlich bemerkenswert, schaut man sich die letzten zwei Spielzeiten an. Da trudelten die Hanseaten auf Platz 13 und neun ein. Man könnte fast meinen: Werder hat sich gefunden.

Werder war, was Dortmund heute ist

Oh wie böse, beinahe verletzend, muss das in den Ohren aller Werder-Anhänger klingen, liegt doch die glorreiche Zeit gar nicht allzu lang zurück. Nach der Meisterschaft 2004 konnte man den Titel zwar nicht mehr verteidigen, doch hinter dem FC Bayern München gab es in den folgenden Jahren keinen besseren Klub als Bremen. Ja, die Grün-Weißen waren so etwas wie ein Aushängeschild des deutschen Fußballs. Fünf Jahre hintereinander in der Champions League. Micoud, Ailton, Diego, was haben diese Kicker für Spaß gemacht. Werder war das, was heute Dortmund ist. Und Werder ist heute das, was Dortmund damals war: Ein Verein, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so gut zueinander passen wie CSU und Piratenpartei.

Meiner Meinung hätte man sich schon längst von Thomas Schaaf trennen müssen. Seit 1999 sitzt der kühle Blonde aus dem Norden schon auf der Trainerbank. Und weil es lange Zeit solch eine erfolgreiche Zusammenarbeit war, können sie sich in Bremen von Schaaf einfach nicht lösen. Denjenigen, der sie nach oben geführt hat, wollen sie nicht einfach so fallen lassen. Dabei ist der Lack ab, das Team entwickelt sich nicht mehr weiter. Stillstand gleich Rückschritt, wie wahr. Die Abwehr gehört zu den schlechtesten der Liga – seit Jahren – doch früher glich das wenigstens die starke Offensive aus. Schaaf kann, so scheint es, nur ein System: Volle Kraft voraus, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Verluste werden größer.

Und seine Führungsmethoden machen die komplexe Geschichte nicht einfacher. Der hochtalentierte Mittelfeldspieler Kevin de Bruyne sprach vor zwei Wochen etwas aus, was viele über den Coach denken, es aber lieber für sich behalten: „Der Trainer ist ganz okay, aber wir sprechen nicht. Ganz einfach: Er ist noch nie zu mir gekommen und ich auch nicht zu ihm“, sagte de Bruyne in einer belgischen Zeitung. Nach ähnlichen Vorfällen waren in der Vergangenheit die Werder-Spieler Pascal Testroet und Daniel Jensen suspendiert worden. Schaaf gilt als stur, unbelehrbar und das wohl nicht ganz zu Unrecht. Doch solche Kritik (er)trägt er stets mit einer stoischen Ruhe wie seinen Schnauzbart. Und auch Manager Klaus Allofs stützt seinen Kumpel unermüdlich. Keinen Satz hat Allofs wohl so oft wiederholt wie: „Es gibt keinen Besseren für Werder als Thomas Schaaf.“

Die Krise hält an

Wo wir beim nächsten Problem wären: Es gab eine Zeit, da war Allofs bekannt für seine Volltreffer auf dem Transfermarkt: Miroslav Klose, Mesut Özil, Valérien Ismaël – jeder Schuss ein Treffer. Kontinuität beweist Allofs noch immer – jeder Schuss daneben. Allein Carlos Alberto, Ekici, Wesley und Arnautovic haben rund 25 Millionen Euro gekostet. Sportlich gebracht haben sie nicht einen Cent. Und so beantworten sich zwei schwelende Vereins-Fragen fast von alleine: 1. Wo ist das Geld aus der Champions League geblieben? 2. Warum hat Werder seit Jahren nur schlechte Außenverteidiger? 1. Falsche Personalpolitik. 2. Falsche Personalpolitik.

Jetzt kann man Allofs zugutehalten, dass er kein von Aktionismus durchtriebener Unternehmer ist, der eine Institution wie Schaaf bei der ersten Krise abschießt. Nur: In Bremen hält die Krise etwas zu lang an. Der Verein braucht endlich neue Anreize, neue Personen.

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