Von den unzufriedensten Kunden kann man das meiste lernen. Bill Gates

Jubeln verboten

Fünf Tore, ein Platzverweis, Spannung bis zur letzten Sekunde. Mein Ausflug in die niedersächsische Landeshauptstadt hat sich gelohnt.

Das Match Hannover gegen Bremen war wohl das mit den meisten Emotionen an diesem Spieltag. Drei kleine, große Geschichten aus dem Stadion.

Sich darüber aufzuregen, dass Unternehmen viel Geld machen wollen, ist in etwa so, wie wenn man sich darüber empört, dass Verleger gern viele Zeitungen verkaufen wollen. Und doch verflog die Stadion-Euphorie für ein paar Minuten, als ich die AWD-Arena betrat, mir ein Bier kaufen wollte und mir dann mitgeteilt wurde, dass das nur mit Stadionkarte ginge. Ein Blick zur Verkaufsstadion: eine 30 Meter lange Schlange. Fanfreundlich soll das sein, weil es das Bargeld ersetzt. Fanfeindlich ist es, weil man so eine Karte nur mit einem Guthaben von 20 Euro bekommt. Für jemanden, der also einmal in zwei Jahren im Hannoveraner Stadion ist und nicht gleich fünf Bier trinkt, ist es ein Verlustgeschäft. Ganz zu schweigen von den drei Euro Pfand.

„Schlächter“, „Werwolf“, „Vampir“ – die Spitznamen von Fritz Haarmann klingen nach Boulevard in seiner Urform. Sie bleiben im Gedächtnis – genau wie seine Geschichte. Vor rund 100 Jahren tötete Haarmann in Hannover mindestens 24 Jungen. Am vorletzten Spieltag hielten 96-Fans eine circa drei mal drei Meter große Fahne mit dessen Konterfei im Fanblock hoch. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, bezeichnete die Fans zu Recht als Arschlöcher und war doch so klug, auf Dialog zu setzen. Also sprach er mit den Ultras, um danach zu verkünden, dass er davon ausgehe, dass die Fahne sichergestellt werde. Nichts da. Am Sonnabend konnten sie wieder Hunderttausende im Stadion und vor dem Fernseher begutachten. Ist es so schwer, eine riesige Fahne inklusive Halter, den man fast von der Haupttribüne erkennen kann, aus dem Stadion zu verbannen? Diese Leute haben eine Grenze überschritten, der Verein darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Als Dortmund-Anhänger vor vier Jahren ein Plakat mit dem Gesicht von Hoffenheim-Milliardär Dietmar Hopp und einem Fadenkreuz hochhielten, wurde schließlich auch der Täter festgenommen.

Ich glaube Szabolcs Huszti, dem kleinen Spielmacher von Hannover, dass er es nicht wusste. Wie kann man so etwas auch wissen? Dass man, wenn man ein tolles Tor schießt, auch noch in der letzten Minute zum Sieg, nicht zu den Fans auf den Zaun klettern und auch nicht sein Trikot ausziehen darf. Das gibt dann Gelb-Rot. Wird also genauso behandelt wie zwei harte Fouls. Schiedsrichter Aytekin sagte zu Huszti, dass es ihm leid tue. Die Regeln und so. Und tatsächlich hielt sich der Referee nur an das, was die Fifa vorgibt: Schwachsinn.

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