Jubeln verboten

Lukas Hermsmeier17.09.2012Gesellschaft & Kultur

Fünf Tore, ein Platzverweis, Spannung bis zur letzten Sekunde. Mein Ausflug in die niedersächsische Landeshauptstadt hat sich gelohnt.

Das Match Hannover gegen Bremen war wohl das mit den meisten Emotionen an diesem Spieltag. Drei kleine, große Geschichten aus dem Stadion. Sich darüber aufzuregen, dass Unternehmen viel Geld machen wollen, ist in etwa so, wie wenn man sich darüber empört, dass Verleger gern viele Zeitungen verkaufen wollen. Und doch verflog die Stadion-Euphorie für ein paar Minuten, als ich die AWD-Arena betrat, mir ein Bier kaufen wollte und mir dann mitgeteilt wurde, dass das nur mit Stadionkarte ginge. Ein Blick zur Verkaufsstadion: eine 30 Meter lange Schlange. Fanfreundlich soll das sein, weil es das Bargeld ersetzt. Fanfeindlich ist es, weil man so eine Karte nur mit einem Guthaben von 20 Euro bekommt. Für jemanden, der also einmal in zwei Jahren im Hannoveraner Stadion ist und nicht gleich fünf Bier trinkt, ist es ein Verlustgeschäft. Ganz zu schweigen von den drei Euro Pfand. „Schlächter“, „Werwolf“, „Vampir“ – die Spitznamen von Fritz Haarmann klingen nach Boulevard in seiner Urform. Sie bleiben im Gedächtnis – genau wie seine Geschichte. Vor rund 100 Jahren tötete Haarmann in Hannover mindestens 24 Jungen. Am vorletzten Spieltag hielten 96-Fans eine circa drei mal drei Meter große Fahne mit dessen Konterfei im Fanblock hoch. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, bezeichnete die Fans zu Recht als Arschlöcher und war doch so klug, auf Dialog zu setzen. Also sprach er mit den Ultras, um danach zu verkünden, dass er davon ausgehe, dass die Fahne sichergestellt werde. Nichts da. Am Sonnabend konnten sie wieder Hunderttausende im Stadion und vor dem Fernseher begutachten. Ist es so schwer, eine riesige Fahne inklusive Halter, den man fast von der Haupttribüne erkennen kann, aus dem Stadion zu verbannen? Diese Leute haben eine Grenze überschritten, der Verein darf sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Als Dortmund-Anhänger vor vier Jahren ein Plakat mit dem Gesicht von Hoffenheim-Milliardär Dietmar Hopp und einem Fadenkreuz hochhielten, wurde schließlich auch der Täter festgenommen. Ich glaube Szabolcs Huszti, dem kleinen Spielmacher von Hannover, dass er es nicht wusste. Wie kann man so etwas auch wissen? Dass man, “wenn man ein tolles Tor schießt”:http://www.youtube.com/watch?v=JojdjIPzS2k, auch noch in der letzten Minute zum Sieg, nicht zu den Fans auf den Zaun klettern und auch nicht sein Trikot ausziehen darf. Das gibt dann Gelb-Rot. Wird also genauso behandelt wie zwei harte Fouls. Schiedsrichter Aytekin sagte zu Huszti, dass es ihm leid tue. Die Regeln und so. Und tatsächlich hielt sich der Referee nur an das, was die Fifa vorgibt: Schwachsinn.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die AfD ist der Komplize für rechten Terror

Was in Hanau passiert ist, ist mehr als Totschlag. Wir müssen es aussprechen: Es ist Massenmord. Es ist ein gezielter Angriff gegen Ausländer, Fremde, Nichtdeutsche. Egal wie man es nennt: Es war rassistischer und rechter Terror. Vielleicht war es ein Einzeltäter, aber er wurde getragen von eine

Eine Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent ist erschreckend hoch

Die WHO errechnet bei Coronavirus-Erkrankten eine hohe Mortalitätsrate von 3,4 Prozent. Italien meldet sogar fast 5 Prozent. Rechnerisch würden damit Millionen Todesfälle drohen. Doch Experten warnen vor falschen Hochrechnungen. Die Daten erzählen nur die halbe Wahrheit.

Neue Migrationskrise geht auf Kosten der Gesundheit der Bundesbürger

Jens Spahn hat Angst. Man musste nur die Körpersprache des Gesundheitsministers beobachten, wie er bei Maischberger am Tresen saß, um zu wissen: dieser Mann, der sich bis vor kurzem noch für Kanzlermaterial hielt, ist hilflos angesichts der Krise, der er sich gegenüber sieht. Hilflos, und heillo

Jetzt kommt Merkels große Wirtschaftskrise

In der deutschen Wirtschaft geht mittlerweile die Angst um - die Angst vor einer großen Wirtschaftskrise. Diese Krise wird kommen, und es wird zu erheblichen Teilen Merkels Wirtschaftskrise sein. Alle Schuld daran auf den drohenden Ausbruch einer Corona-Epidemie zu schieben – wie man es im Berlin

Die Ramelow-Partei will die Reichen erschießen

An diesem Wochenende trafen sich die Funktionäre der LINKEN in Kassel zu einem Strategieseminar. Auf dem Programm stand der „sozial-ökologische Systemwechsel“. Wie dieser von statten gehen soll, führte eine Funktionärin aus, nachdem sie ihre Ausführungen mit dem Satz: „Nach einer Revoluti

Merkels Rede wurde dem Ernst der Lage nicht gerecht

Leider wurde diese Rede dem von ihr selbst beschworenen Ernst der Lage nicht gerecht. Sie sagte doch tatsächlich: „Deutschland hat ein exzellentes Gesundheitssystem.“ War sie in den letzten Wochen in Urlaub?

Mobile Sliding Menu