Worte kann man löschen, aber die Fakten bleiben bestehen. Ai Weiwei

„Dieser Typ in orange. Krass nervig.“

Alleine über Fußball philosophieren macht keinen Spaß. Zum zweiten Mal bei der EM hat sich unser Fußball-Kolumnist Kollegen eingeladen, um mit ihnen die elf wichtigsten Fragen zum 2:1 der Deutschen gegen die Niederländer zu klären.

Hier finden Sie Hermsmeiers Stammtisch zum 1:0 der Deutschen gegen Portugal.

1. Wer war der wahre Gewinner des Spiels?
Lukas Hermsmeier: Auf WM-2010-Niveau ist Bastian Schweinsteiger noch nicht. Dass der Bayern-Leader trotz Fitness-Rückstand zwei so wichtige Torvorlagen gibt, spricht für seine wirkliche Klasse.
Sebastian Pfeffer: Joachim Löw. Weil er einen Hemd-Body trägt, der selbst bei ausgelassenem Jubel nie aus der Hose rutscht.
Thore Barfuss: Ganz klar: Arjen Robben. Musste keinen Elfmeter schießen.
Christoph Blumberg: Was kann man sagen außer wieder Gomez. Zwei Torschüsse, zwei Tore – top!

2. Und wer der wahre Verlierer?
LH: Lukas Podolski würde gegen Dänemark sein 100. Länderspiel machen. Verdient hätte er es nicht, so auffällig unauffällig agierte er gegen Holland. Reus und Götze tippeln an der Seitenlinie.
SP: Thore Barfuss, der hier bestimmt einen Robben-Witz macht.
TB: Thore Barfuss, weil er hier beim letzten Mal an Mario Gomez gezweifelt hat. Hat zur Strafe sein Mehmet-Scholl-Autogramm zerissen. Oder zumindest darüber nachgedacht.
CB: Robben. Von Badstuber blutig geschlagen und nichts hinbekommen.

3. Was war die Szene des Abends?
LH: 24. Minute. Gomez lauert, Gomez dreht sich, Gomez schießt – Goal! Genau der Stolper-Gomez, der immer nur gegen Mainz und Freiburg die Abstauber reinmacht…
SP: Mats Hummels, 53. Alleingang. Krönt er das mit dem verdienten Tor, geht er in die Geschichtsbücher ein.
TB: 83. Minute, der Mann des Spiels geht vom Platz. Aber Dirk Kuijt ist ja auch ganz okay.
CB: Wie Löw dem Balljungen den Ball aus der Hand schlägt und sich diebisch freut.

4. Wie viel Chelsea steckte in den Bayern-Köpfen?
LH: Chelsea? Ganz weit weg.
SP: Immer noch? Denkt euch neue Fragen aus!
TB: Entschuldigung, hat hier gerade jemand Schweinsteiger gesagt?
CB: Diese Frage ist wohl hinfällig …

5. Wer vom Gegner hat besonders genervt?
LH: Mark van Bommel fing schon an zu nerven, da war das Spiel noch gar nicht angepfiffen. Beim Handshake schaute er seinen ehemaligen Bayern-Kollegen nicht in die Augen. Kindergarten? Und während der Partie rempelte er gegen Özil mit dem Ellenbogen.
SP: Dieser Typ in orange. Krass nervig.
TB: Bert van Marwijk: grobe taktische Fehlentscheidung in der 83. Minute.
CB: Van Bommel und Nigel de Jong – Klopperpussies.

6. Und wie war der Schiedsrichter?
LH: Nebenrolle.
SP: Ich als ausgemachter Experte finde: Ganz ok.
TB: Wir sollten hier statt über den Schiedsrichter, mal über Béla Réthy sprechen: Müssen wir den wirklich noch so lange ertragen?
CB: Unauffällig. Für holländische Verhätnisse wenige Gekloppe – die Schubser gegen Özil mal außen vor. Das muss der aber auch verkraften. Wie Béla Réthy richtig erkannt hat, hat der bei Real physisch auch gut zugeleget.

7. Saß Gomez’ Frisur?
LH: Was wird sich Mario gefreut haben, dass er etwas früher den Platz verlassen durfte. So konnte er etwas Gel nachtragen, ein bisschen Parfum auflegen und im ZDF-Interview frisch wie eh und je wirken.
SP: Saß sein Schuss? Ja, verdammt. Luigi kann einpacken!
TB: Gomez hätte auch mit Scholls Frisur auflaufen können.
CB: Vorm Torjubel immer.

8. Wovor müssen wir jetzt Angst haben?
LH: Dass irgendein Fernseh-Experte wieder einen unserer Kicker nieder redet – und der sich das dann zu Herzen nimmt.
SP: Dass Lahm unter dem Gewicht des Pokals zusammenbricht.
TB: Ganz klar: Arjen Robben. Bis zum Finale Deutschland-Niederlande dürfte er sich auch endlich vom Chelsea-Trauma erholt haben. Ob das auch für Johannesburg 2010 gilt? Alternativ auch vor Thore Barfuss, der trotz des Ausscheidens der Niederländer weiter schlechte Robben-Witze macht.
CB: Vor Überheblichkeit.

9. Wen hätte Jogi doch mitnehmen sollen?
LH: Oliver Kahn. Dann würde er die Zuschauer im Usedom-Sommergarten nicht mit Sätzen wie „So ist eben Fußball“ penetrieren.
SP: Rudi Völler. Schön in der 92. Robben in die „Haare“ rotzen.
TB: Jens Todt. Hatte bei der EM 1996 die Nummer 23. Und war auch frisurentechnisch Wegbereiter für Mario G.
CB: Er hätte für Podolski und Müller Schürrle und Götze bringen können – die hat er ja dabei.

10. Was ist sonst so bei der EM passiert?
LH: Zwölf EM-Spiele sind absolviert. Und keines davon ging torlos aus. Herrlich!
SP: Ronaldo ist der zweitbeste Fußballer in Spanien.
TB: Zwei Europameister sind schon fast raus. Mal sehen, ob das in Gruppe C mit Spanien und Italien heute so weiter geht.
CB: Dänemark schießt gegen Portugal zwei Tore. Da müssen wir Sonntag aufpassen!

11. Und zu guter letzt: Die Chance auf den Pott?
LH: 100 Prozent. Wer gegen zwei Mit-Favoriten höchstens die Hälfte seines Potenzials ausschöpft und trotzdem gewinnt, ist eigentlich kaum zu stoppen.
SP: 90,5. Endlich.
TB: Sind gestiegen. Den Esprit von 2010 versprühen wir aber bisher nur ansatzweise.
CB: Schweinsteiger hat sich mit seinen zwei Vorlagen heute gut reingekickt, Lahm war deutlich stärker als im ersten Spiel, wie Hummels sicher und mit guten offensiven Akzenten. Boateng hat sich wieder zerrissen, Khedira war neben Gomez mein Man of the Match. Die Außen können mehr –hier sollt Jogi früher wechseln, trotzdem geht es ganz weit nach vorne!

Hier finden Sie Hermsmeiers Stammtisch zum 1:0 der Deutschen gegen Portugal.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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