Überhitzt

Lukas Hermsmeier17.05.2012Gesellschaft & Kultur

Düsseldorf gegen Hertha – ein denkwürdiges Spiel und die Folgen. Anstatt richtige Konsequenzen zu ziehen, werden Fans wie so oft nur kriminalisiert.

Freunde, Freunde, Freunde, jetzt beruhigen wir uns mal wieder! Ja, die Ereignisse von Düsseldorf schreien nach Konsequenzen. Denn Spieler, Fans, Funktionäre haben Fehler gemacht, die bestraft werden müssen. Ein Wiederholungsspiel? Eine Liga-Aufstockung? Ein neues Gewalt-Konzept? Ich kann nur den Kopf schütteln. Wann wird das Thema „Fans“ endlich angemessen differenziert betrachtet? Mal ganz nüchtern – was ist gestern geschehen: Während des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC zündeten Fans aus der Hauptstadt Bengalos, das Spiel wurde für fünf Minuten unterbrochen. In der Nachspielzeit dann, die der Schiedsrichter dementsprechend auf sieben Minuten ansetzte, stürmten Düsseldorfer Fans im Rausch des Aufstiegs den Rasen – noch bevor das Spiel abgepfiffen wurde. Die Spieler mussten 21 Minuten in die Stadionkatakomben, ehe die restliche Nachspielzeit nachgeholt wurde. 2:2 – Hertha runter, Fortuna hoch. Mal etwas emotionaler: So etwas gab es im deutschen Fußball noch nie! Ärgerlich, ohne Frage. Und jetzt?

Leichtsinn, aber keine Gewalt

„Einige wenige Personen zerstören den Sport“ und „Menschen, die so etwas tun, sind keine Fans“ – Sätze, die in solchen Situationen immer gerne bemüht werden. Doppel-Bullshit! Natürlich waren das Fans, die da auf das Spielfeld liefen. Freudtrunkene, zum Teil dumme und leichtsinnige Fans eben, die sich etwas Rasen oder Tornetz mitnehmen, die Spieler umarmen, den Aufstieg ihres Teams feiern wollten. Und es waren auch nicht einige wenige, sondern Hunderte, die wirklich alles, aber keine Gewaltbereitschaft ausstrahlten. Manche werden einen Pfiff des Schiedsrichters falsch interpretiert haben, andere konnten es schlichtweg nicht abwarten. Wenige machten den Anfang, liefen los, der Rest folgte. Darunter Familienväter, Kinder, Frauen – und bestimmt keine gewaltbereiten Randalierer oder gar Hooligans. Wenn DFB-Präsident Wolfgang Niersbach jetzt also „neue Wege gegen Gewalt“ fordert, ist das auf einer großen Hilflosigkeit beruhender Aktionismus. In Zukunft muss sichergestellt werden, dass Fans den Rasen erst betreten dürfen, wenn die Meisterschaft oder der Aufstieg besiegelt ist und nicht zwei Minuten vorher. Und wenn der DFB Bengalos verbietet, muss er dieses Verbot eben durch stärkere Kontrollen durchsetzen. Doch nicht jeder Fan, der ein Feuer in der Hand hält, ist ein Unmensch. Eine Über-Kriminalisierung bringt gar nichts.

Herthas Heuchelei

Sie wollten schon immer mal wissen, wie Todesangst aussieht? Schauen Sie sich die Bilder aus dem Spielertunnel an. Da stürmen die Hertha-Profis Lell und Niemeyer auf Schiedsrichter Stark zu, schreien ihn an, fletschen die Zähne. „Du feiges Schwein“, schreit einer. Und Kapitän Kobiashvili soll sogar versucht haben, den Unparteiischen zu schlagen. So benehmen sich also Menschen, die um ihr Leben fürchten. Das erklärte der Klub-Anwalt Christoph Schickhardt zumindest vor laufenden Kameras. Peinlich. Die Berliner haben nun Einspruch gegen die Wertung eingelegt. Noch peinlicher. Sie sollten sich besser den Gefallen tun und den Abstieg, auf den sie eine ganze Saison hingearbeitet haben, akzeptieren.

Kein Wiederholungsspiel!

Warum sollte diese Begegnung erneut ausgetragen werden? Es gab weder zu wenig Spielzeit, noch hat der Schiedsrichter entscheidende Fehler gemacht. In den zwei Situationen, in denen die Fans überdrehten, wurde regelkonform unterbrochen. Fortuna Düsseldorf hat in zwei Spielen Hertha BSC geschlagen und sich den Aufstieg verdient. Und eine Aufstockung der Ersten Liga auf 19 Vereine ist völlig unrealistisch. Die Konsequenzen müssen anders ausfallen: Wenn Berliner Spieler den Schiedsrichter beleidigt und geschlagen haben, gehören sie gesperrt. Auch Fortuna-Kicker Andreas Lambertz, der nach dem Schlusspfiff selbst ein Bengalo in der Hand hielt, muss bestraft werden. Genauso wie die Düsseldorfer Funktionäre, die offenbar nicht genug Ordner parat hatten oder sie falsch einteilten und die Berliner Fans, die auf dem Weg in die Heimat im Zug randalierten.

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