Hosen runter

von Lukas Hermsmeier6.05.2012Gesellschaft & Kultur

Köln weg, Hertha halbgerettet – der Rest war schon vor dem letzten Spieltag entschieden. Die Retrospektive fällt deshalb etwas egoistisch aus.

Seit vergangenem September kommentiere ich an dieser Stelle. Zum Abschluss der Saison gibt es nun einen Rückblick auf meine Voraussagen. Und ob das jetzt ausgesprochen selbstkritisch oder doch nur selbstverliebt ist? Bestimmt irgendetwas dazwischen.

18. September – Hauptrolle rückwärts

“„Michael Ballack sollte seine Karriere so schnell es geht beenden. Es wird nichts Gutes mehr kommen“(Link) e lautete die Kernaussage nach der Leverkusener Champions-League-Niederlage bei Chelsea London. Es war definitiv nicht Ballacks „letzter großer Auftritt“, wie ich vermutete, denn es folgten noch fünf Spiele in der Champions League. Doch der Bundesligaalltag holte den überselbstbewussten Ballack unsanft herunter. Er saß entweder auf der Bank und war enttäuscht oder lief über den Rasen und enttäuschte. Nebenrolle, höchstens, weshalb sein Abgang (vielleicht in die USA, vielleicht ins Karriereende) konsequent ist. Fazit: etwas überspitzt, aber im Kern richtig.

25. September – Kloppos Kater

Dortmund kämpfte zu Beginn der Post-Meistersaison – aber vor allem mit sich selbst(Link) . Und so prophezeiten viele Fans und Journalisten voller Genuss den Fall einer Einjahresfliege. Ich hielt dagegen: „Wenn der Kater erstmal vorbei ist, werden die Jungs von Jürgen Klopp gestärkt zurückkehren. Das heißt nicht, dass Dortmund in diesem Jahr Meister wird. Das heißt, dass Dortmund auf Jahre Spitzenteam bleiben wird.“ 81 Punkte, 80 Tore, Meister und im Pokalfinale. Noch Fragen? einFazit: Ein Stückchen Mut fehlt zum Volltreffer.

16. Oktober – Wie die Fische an Land

Der Hamburger SV war Tabellenletzter, Trainer Michael Oenning gerade gefeuert, als ich schrieb: „Ein Fass ohne Boden. In diesem Verein kann man nur verlieren. Und so wird es Fink ergehen.“(Link) v Keine Mega-Vision also. Doch Finks Verpflichtung rief bei vielen Anhängern Aufbruchstimmung hervor. Nach dem 34. Spieltag ist festzuhalten: Fink hat zwar das erreicht, wofür er geholt wurde: den Klassenerhalt. Doch es ist die schlechteste Saison aller Zeiten für die Hanseaten. Und von der gewünschten Ruhe im Verein ist man weit entfernt. Ob Fink mittelfristig verlieren oder gewinnen wird, ob er die kommende Runde übersteht, ob in diesem Klub je Ruhe eingekehrt, bleibt also offen. Fazit: noch falsch, vielleicht schon bald richtig.

19. Februar – Bankproblem

„Und dass die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs jetzt Otto Rehhagel als Retter verpflichtet haben, spricht nicht dafür, dass sie einer grundsätzlichen Lösung nahe sind“(Link) , lautete mein Urteil über das absurde Trainer-Karussell bei Hertha BSC. In den Relegationsspielen entscheidet sich noch, ob die Blau-Weißen in der Liga bleiben. Doch schon jetzt steht fest: Es ist ein echtes Wunder, dass der Klub diese Chance überhaupt noch hat, so erbärmlich waren die Auftritte in der Rückrunde. Der Otto-Effekt war verpufft, ehe er einsetzte. Es gibt nur noch einen Berliner, der Michael Preetz für einen guten Manager hält, das ist Präsident Werner Gegenbauer. Hertha braucht dringend, dringend ein Reset. Fazit: In Michael Preetz habe ich zielsicher den Hauptschuldigen gefunden.

12. April – Vom Elfmeter zum Nullpunkt

Unter dem Eindruck der verdienten 0:1-Niederlage gegen Dortmund riet ich dem FC Bayern vor ein paar Wochen zu einem Neuanfang im Sommer(Link) . Jetzt kann man die Situation unterschiedlich betrachten: a) rennt der Rekordmeister national seit zwei Jahren den Dortmundern hinterher. Anspruch und Wirklichkeit liegen hier weiter auseinander. Doch b) spielen die Bayern am kommenden Wochenende um den Pokalsieg, sieben Tage später um den Champions-League-Gewinn. Es könnte also noch eine Spielzeit mit zwei Titeln werden, nur Spinner fordern da einen Neuanfang. Deshalb empfehle ich den Bayern weiterhin, Spieler zu holen, die nicht nur in der Königsklasse Vollgas geben, sondern auch in Spielen gegen Mainz oder Freiburg. Fazit: ein wenig einseitig.

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