Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie. Erich Kästner

Deutschlands Fußball lebt

Deutsche Teams haben in der vergangenen Woche international mehrere krachende Niederlagen erlebt. Trotzdem: Deutschlands Fußball lebt!

Es war die perfekte Woche für eine saftige Generalkritik. Der deutsche Fußball ist tot, jawohl! Die 1:7-Niederlage von Leverkusen in Barcelona eine Schande, jawohl! Und in der kommenden Woche könnten sich nach Dortmund und Leverkusen auch noch Bayern, Schalke und Hannover von der internationalen Bühne verabschieden. Mit Sicherheit keine perfekte Woche, um den deutschen Fußball zu verteidigen. Einen Versuch ist es trotzdem wert.

Die Bundesliga ist nicht die stärkste Liga Europas, wie einzelne Experten, zum Beispiel HSV-Manager Frank Arnesen oder Wolfsburg-Trainer Felix Magath, gerne erzählen. Doch so hoffnungslos unterlegen, wie wiederum Journalisten oft behaupten, ist die Liga gewiss nicht. Das ewige Gemurre ist vielmehr unerträglich.

Das Gemurre ist unerträglich

Die Stärke der Premiere League zum Beispiel wird wahnsinnig gerne verklärt. Kleiner Test: Wie viele englische Klubs werden das Viertelfinale der internationalen Wettbewerbe erreichen? Vermutlich nicht ein einziger! Chelsea (1:3 in Neapel), Manchester United (2:3 gegen Bilbao) und Manchester City (0:1 bei Sporting) haben allesamt ihre Hinspiele verloren. Arsenal ist sicher draußen. Wie oft haben englische Vereine die Champions League seit Einführung 1992 gewonnen? Siebenmal? Fünfmal? Nein, dreimal. Ein Titel mehr, als Deutschland vorzuweisen hat.

Die eigene Stärke mit der Schwäche anderer zu begründen, ist vielleicht nicht das stärkste Fundament, aber in diesem Fall das geeignete Mittel, um Verhältnisse geradezurücken. Ein Verein wie Chelsea London hat im zurückliegenden Jahrzehnt gefühlt zehnmal so viel Geld verballert wie der FC Bayern. Mit dem Ergebnis, den Finaleinzug in der Königsklasse 2008 als größten internationalen Erfolg feiern zu können. Auch Stadtrivale Arsenal hat das letzte Mal 1994 (Europapokal der Pokalsieger) auf europäischer Ebene etwas gerissen. Der FC Liverpool quält sich seit Jahren, die Qualifikation für die Europa League (zur Erinnerung: der „Cup der Verlierer“) zu meistern. Bleibt noch Manchester United, das seit Jahren in der ersten Reihe steht, aber wie schon angesprochen 2012 auch Probleme hat.

Der deutsche Fußball steht gut da

Und die Italiener? Mit Neapel und Milano stehen wohl zwei Klubs im Viertelfinale. Doch in der Uefa-Fünfjahres-Wertung hat Deutschland einen deutlichen Vorsprung. Selbst die spanische Primera Division steht nur knapp vor Deutschland. Ihre Stärke hat genau zwei Namen: Madrid und Barcelona.

Also. Der letzte deutsche Eurocup-Gewinn liegt etwas weit in der Vergangenheit. Aber dafür, dass in Italien, Spanien, England, sogar in Frankreich erheblich mehr Geld (vor allem durch Fernsehrechte) zur Verfügung steht, steht der deutsche Fußball gut da.

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von Lukas Hermsmeier
18.01.2013
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