Ein Rückschlag ist niemals eine schlechte Sache. Richard Branson

Bankproblem

Otto Rehhagel ist der neue Trainer von Hertha BSC Berlin. Sein Ziel: Abstieg verhindern. Auch wenn ihm das wohl gelingen wird, zeigt die Verpflichtung, wie gravierend die Probleme bei den Berlinern tatsächlich sind.

„Zukunft bewegen“ steht auf den Bannern im Olympiastadion. Werbung der Deutschen Bahn, Hauptsponsor von Hertha BSC. Mit der Vereinspolitik ist dieser Claim offenbar nicht abgesprochen. Sie haben den 73-jährigen Otto Rehhagel aus der Rente geholt. Nach dem Motto: „Vergangenheit bewegen“.

So richtig enttäuscht war keiner der 74.244 Zuschauer im Olympiastadion am Sonnabend nach Schlusspfiff. Die rund 20.000 Dortmunder sowieso nicht, ihr Team hatte ja 1:0 gewonnen. Und die Berliner Fans, die konnten gegen den Deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer nichts anderes als eine Niederlage erwarten. Doch die Wahrheit lag an diesem Tag sowieso nicht auf, sondern neben dem Platz.

Das Problem sitzt auf der Bank

Wer wollte, konnte während dieses Bundesligaspiels perfekt studieren, warum Hertha schon wieder Richtung Zweite Liga schlittert. Ein Blick zur Trainerbank und Tribüne genügte. Auf der einen Seite: Jürgen Klopp, Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke – die Macher vom BVB – motivierend, kompetent, vorausschauend. Auf der anderen Seite: René Tretschok, Michael Preetz, Werner Gegenbauer – machtlos, unqualifiziert, berechnend. Und dass die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs jetzt Otto Rehhagel als Retter verpflichtet haben, spricht nicht dafür, dass sie einer grundsätzlichen Lösung nahe sind.

Zwölf Jahre ist es her, dass Otto Rehhagel zuletzt eine Bundesligamannschaft, damals Kaiserslautern, trainiert hat. In der Zwischenzeit leitete er die griechische Nationalmannschaft, wurde Europameister 2004: eine der irritierendsten Geschichten, seit es Fußball gibt. Jetzt Hertha, die alte Dame hat ihren alten Herren. Rehhagel will nur bis Saisonende in Berlin bleiben. Klassenerhalt schaffen, das nächste Denkmal setzen, als Held gehen – so der Plan. Wenn es nötig ist, mit Libero. Und der Plan wird wohl aufgehen. Aber auch nur, weil Teams wie Augsburg, Freiburg, Kaiserslautern und Köln noch schlechter sind.

Im Sommer stehen die Blau-Weißen dann wieder ohne Trainer da. Babbel, Skibbe, Tretschok, Rehhagel, Fragezeichen. Fünf Trainer in einem halben Jahr. Wofür das spricht? Dafür, dass Michael Preetz der schlechteste Manager der Liga ist. Alfred Draxler, stellvertretender Chefredakteur der „Bild“, forderte zuletzt in seiner Kolumne, dass nicht immer nur die Trainer, sondern vielmehr die Manager in Krisen zur Verantwortung gezogen werden sollten. „Beispiel Hertha BSC, wo Michael Preetz in unverantwortlicher Weise vor sich hinstümpern darf.“ Besser kann man es nicht beschreiben.

Die Stadt streckt Hertha die Arme aus

Die Voraussetzungen in Berlin sind im Vergleich zur Vergangenheit paradiesisch. Das Publikum ist begeisterungsfähig, nur fünf Vereine haben einen besseren Zuschauerschnitt. Die Jugendabteilung ist erfolgreich, in der A-Junioren-Bundesliga liegt Hertha auf Platz drei, in der B-Junioren-Bundesliga auf Platz eins. Die Stadt streckt Hertha die Arme aus. Hertha greift nicht zu. Preetz greift nicht zu. Der 44-jährige Ex-Stürmer hat eindrucksvoll gezeigt, dass er nicht weiß, wie Hertha anzupacken ist. Wie schmerzvoll muss es sein, den von ihm gefeuerten Trainer Lucien Favre in Gladbach von Sieg zu Sieg marschieren zu sehen? Preetz sollte dem Klub einen Gefallen tun. Mit Rehhagel im Sommer gehen – und damit „Zukunft bewegen“.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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