Die Medien sind Spielball im Kampf um Deutungshoheit. Wadah Khanfar

Arm dran, aber noch sexy

Die Geschichte von Greuther Fürth ist schnell zusammengefasst und sie kennt fast jeder: der Zweitligist, der partout nicht aufsteigen kann. Eine Legende, die dem Verein gut tut.

Fußball hat eine Gabe. Fußball liefert den Menschen Assoziationen. Bestimmte Begrifflichkeiten, bestimmte Städte sind so fest verankert. Kaiserslautern zum Beispiel, kennt man nur durch den Fußballclub. Rote Teufel, Fritz Walter, Betzenberg. Noch Fragen? Knapp 100.000 Menschen leben hier. Ungefähr so viele wie in Witten, Ratingen oder Hanau. Und ehrlich gesagt, wer kennt schon Witten, Ratingen oder Hanau?

Eine weitere Assoziationskette: Fürth. Fußball. Verein. Greuther Fürth. Und dann war da doch noch was. Da gibt’s eine Geschichte. Hat man schon oft gehört.

Greuther Fürth – der Verein, der nicht aufsteigen kann

Greuther Fürth ist der Verein, der nicht aufsteigen kann. Die ewig Fünften. Das Leverkusen der Zweiten Liga. In den vergangenen elf Jahren schrammte Fürth neunmal knapp an einem Aufstieg vorbei. Siebenmal wurden sie Fünfter. Und immer nach dem gleichen Prinzip: Bis kurz vor Schluss das Köpfchen Richtung Oberhaus gestreckt, doch mit dem Schlusspfiff wurde der Deckel zugeklappt.

Auch 2011/2012 sind sich die Weiß-Grünen treu. Greuther Fürth spielt einen schönen Ball. Fans und auch die neutralen Beobachter sind wie immer entzückt. Erfrischend offensiv und stürmisch, manchmal unorganisiert und in den Leistungen etwas schwankend. Das Team von Trainer Mike Büskens hat das beste Torverhältnis der Liga, es schießt im Schnitt mehr als zwei Tore pro Spiel. Der Tabellenplatz: Dritter, magisch-verflucht. Bliebe es so, würde Fürth im Sommer in der Relegation auf den 16. der Bundesliga treffen.

In diesem Jahr, da sind sich die Kleeblättler (kommt vom Vereinssymbol) einig, soll das Glück endlich mal auf ihrer Seite haften bleiben. Kein tragischer Saisonabschluss, kein finales Scheitern. Und es gibt kaum Fußball-Fans, ausgenommen die des Konkurrenten Nürnberg, die es den tapferen Unaufsteigbaren nicht gönnen, die Legende zu zerstören. Und dann?

Der Mythos der Unaufsteigbaren würde verloren gehen

Angenommen, Greuther Fürth würde im Mai tatsächlich den lang ersehnten Aufstieg feiern. Die Wahrscheinlichkeit wäre nicht zu gering, dass sie nach einem Jahr wieder runter müssten. Siehe Aachen, siehe St. Pauli und siehe Augsburg. Ab sofort wären die Fürther nicht mehr die sympathischen Unaufsteigbaren. Mit dem Aufsteiger-Abstieg hätten sie bewiesen, dass sie nichts in der höchsten Klasse verloren haben. Und der Klub wäre ein grauer Zweitligist, einer von vielen, der um überregionales Interesse betteln muss.

Noch kann in Fürth jeder stolz und frech behaupten, dass man die Bundesliga aufmischen würde. Dass man dort hingehöre, dass man es einfach mal verdient habe. Und alle nicken, eine Gegenargumentation ist ja auch zwecklos. Fürth ist etwas arm dran, aber sexy. Vielleicht wäre es besser, wenn es beim Status quo bleibt.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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