Zweifelhafte Hilfe

von Lukas Hermsmeier29.01.2012Gesellschaft & Kultur

Der Traditionsverein 1860 München ist in der Krise – und daran auch selbst schuld. Denn die Rettung durch Investor Ismaik verschleiert nur die wahren Probleme des Vereins.

Manchmal muss erst ein Unfall geschehen, damit die Leute gewarnt sind. Der TSV 1860 München ist kurz vor dem Aufprall. Erst heftig geschlittert, dann mit einem riskanten Manöver das Lenkrad herumgerissen und schließlich auf der Gegenspur gelandet. Hasan Ismaik hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie sein Engagement beim Zweitligisten aus München zu bewerten sei. Bei der Präsentation im vergangenen Sommer sprach der jordanische Investor von „einem Mittel, um die Geschäfte in Deutschland und Europa zu forcieren“. Und ab sofort war dieser Verein eine Puppe: spielen, ausprobieren, zappeln lassen. Ja, der 35-jährige Multimillionär rettete den verschuldeten Klub auch vor einem Zwangsabstieg. Doch wie viel war diese scheinbare Rettung wert?

Mitleid darf man nicht haben

In dieser Woche hat das Chaos in München eine neue Dimension erreicht. Die Fans sind entsetzt, die Verantwortlichen verzweifelt. Denn Ismaik hat jetzt angekündigt, solange kein Geld mehr bereitstellen zu wollen, bis Präsident Dieter Schneider zurückgetreten ist. Erpressung könnte man das auch nennen. Sich darüber jetzt zu empören, ist brutal naiv. Über 20 Millionen Euro hat der Immobilienkaufmann in den klammen Klub investiert. Gewiss nicht nur aus Spaß. Hasan Ismaik hat sich sein Recht auf Einfluss erkauft. Der Meister von 1966 hat das zugelassen. Mitleid darf man also nicht haben Was wäre die Alternative gewesen? Ein Neuanfang im Amateurbereich? Auch wenn es arg romantisch klingt, vielleicht wäre das die ehrliche Entscheidung gewesen. Es ist doch die allergrausamste Version, die sich aktuell abspielt. Ein reicher Mann aus Arabien, mit keinerlei Verbindung zum Fußball, noch weniger Identifikation mit München, einzig Leidenschaft für Geschäfte, hat das Sagen bei einem Verein, der seit 151 Jahren besteht, sich Traditionsklub nennen darf, noch bis 2004 im Oberhaus eine Rolle spielte. Fast zynisch liest sich das, was Ismaiks Vertrauter Hamadi Iraki jetzt in einem Interview von sich gab: Der Aufstieg in die erste Liga 2014 bleibe das Ziel. Ein Satz, der gnadenlos aufzeigt, wie weit diese Investoren in Gedanken vom Verein entfernt sind. Selbst die verträumtesten Fans dürften momentan damit zufrieden sein, wenn ihr Verein überhaupt in der zweiten Liga bleibt. Gerade erst hat Mittelfeldspieler Stefan Aigner seinen Abschied wegen der Mobbing-Versuche gegen Präsident Schneider angekündigt.

Der Fehler liegt beim Verein

Und noch mal: Der Fehler liegt nicht beim Investor. Der Fehler liegt beim Verein. 1860 München ist eben die perfekte Warnung dafür, wie sich der deutsche Profi-Fußball nicht entwickeln darf. Achtung, englische Verhältnisse! Ist ein Klub erfolglos, hat er sich dazu stark verschuldet, dann muss er die Konsequenzen tragen. Abstieg, Ausverkauf, Neuanfang, Aufstieg. Der Zyklus der Bundesliga. Die Münchener tragen derzeit eine andere Art von Konsequenzen. Sie sind wesentlich unerträglicher.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu