Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln. Christian Morgenstern

Abpfiff

Heute werden die letzten zwei Bundesligaspiele des Jahres angepfiffen – wo doch in anderen Ländern auch im Winter gespielt wird. Die deutsche Pause gibt jedoch Zeit zum Luftholen.

Ich bin froh, dass jetzt Winterpause ist. Mitte der Woche noch ein paar Pokalspiele, dann zieht sich der deutsche Fußball für einen Monat zurück. Und alle Jahre wieder wird eine Diskussion um die Sinnigkeit dieses Intervalls entstehen.

Flut von Spielen

Das klingt ja erst mal nicht so verkehrt: Am 26. Dezember – wenn zwei kitschige Weihnachtsfeiertage in Knochen und Magen stecken – ins Sofa fallen, Fernseher an und zack, Gladbach gegen Bayern. Oder am Silvesterabend, bevor die übermotivierte Feierei beginnt, noch ein bisschen Hamburg gegen Dortmund. So wie in England, da geht das doch auch! Der legendäre Boxing Day, ja den kennt jeder. Im Mutterland des Fußballs spielen sie durch. Kein Feiertag, kein Schnee kann sie aufhalten. Wie gesagt, ich bin froh, dass das bei uns anders läuft – auch auf die Gefahr hin, dass meine Leidenschaft für den Ballsport jetzt wohl angezweifelt wird.

Diese Flut an 90-Minütern. Angefangen vom Zweitliga-Spitzenspiel am Montag über die Champions League bis hin zu den Sonntagsbegegnungen. Sieben Tage, tausend Spiele, das ganze Jahr. Europa League, Serie A, DFB Pokal, WM, Afrika Cup, Ende offen. Dazu Spieltags-Analysen, Stammtische, Talk-Runden, Manager-Spiele, Tipprunden. Es bleibt kaum Zeit zum Abschalten, zum Luft holen. Weder für den Profi noch für den Fan. Muss man ja nicht alles schauen, lautet das Gegenargument. Muss man nicht, richtig. Will man aber. Mitfiebern, auf dem neuesten Stand sein, die Ergebnisse kennen, um mitzureden. Fußball ist Sucht und die Winterpause eine notwendige Entziehungskur.

Die Winterpause steht für Vorfreude

Körper und Geist profitieren davon, dass sich die Bundesliga diesen regelmäßigen Winterschlaf (noch) traut. Die Ruhepause gibt allen Beteiligten die Möglichkeit, zu regenerieren und zu resümieren. Und wenn die deutschen Teams in die K.o.-Runden der internationalen Wettbewerbe starten, spätestens zur EM im kommenden Sommer, wird sich das winterliche Innehalten als zusätzliche Frische bemerkbar machen. Jetzt kräftig durchatmen – diese Luft braucht man in einer Saison. Und noch sind wir von Schnee und Eis verschont geblieben. Aber diese Schlitter-Spiele mit rotem Ball – wer schaut da schon gerne zu?

Angenommen, die Bundesliga würde einfach durchspielen, angenommen, die Winterpause wäre abgeschafft, es würde eines der kostbarsten Güter überhaupt verloren gehen: die alljährliche Vorfreude auf den Fußball. Ob im Sommer oder im Winter, jeder Fan liebt doch jene Wochen vor dem ersten Anpfiff.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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