Babbel bockt

von Lukas Hermsmeier4.12.2011Gesellschaft & Kultur

Der Hauptstadt-Club prosperiert und ist spielerisch auf der Höhe – doch Wolken ziehen auf am Himmel. Das Horrorszenario: Trainer Babbel verlässt die Alte Dame. Doch Reisende sollte man besser nicht aufhalten.

Seit wenigen Tagen steht der neue Senat in Berlin. Der Regierende Bürgermeister wurde ein zweites Mal wiedergewählt. Nur logisch, dass die Hauptstadt über nichts anderes spricht als … Moment mal … Markus Babbel? Und was ist mit Klaus Wowereit, Wowi dem Dritten? Einfach so vom Spielfeld verdrängt. Berlin hat ganz andere Sorgen: denn der Babbel weigert sich, seinen Vertrag bei der Hertha zu verlängern. Selten war ein Arbeitsauftrag im deutschen Profi-Fußball so klar definiert wie beim Berliner Sport Club im Sommer 2010. Mit Markus Babbel als neuem Trainer MUSS Hertha in die 1. Liga (da wo sie hingehören) aufsteigen, so die katastrophale Vorsaison vergessen machen. Gelingt das, verlängert sich der Vertrag automatisch. Und wenn nicht, ist er weg. Mission Aufstieg hieß es damals. Die Mission wurde erfüllt.

Babbel bockt

Anderthalb Jahre später, im Dezember 2011, steht Hertha auf einem gesicherten Mittelfeldplatz in der 1. Liga (da wo sie hingehören). Über 50.000 Zuschauer strömen jedes zweite Wochenende ins Olympiastadion, der Verein ist auf dem finanziellen Weg der Besserung. Ja, die Stadt und ihr Klub sind eine fast verschworene Einheit. Doch Hertha kummert, ersäuft fast im Selbstmitleid. Ihr erfolgreicher Anführer, der Retter und Aufsteiger Babbel macht Sorgen. Im kommenden Sommer läuft sein Kontrakt aus, Hertha will verlängern, der 39-jährige Trainer bockt und blockt. Seit Wochen, fast Monaten versuchen die Berliner ihren Coach mit allen Kräften zum Bleiben zu bewegen. Anfang November dann verkündete der Bayer Babbel, dass er schon bald ein Machtwort sprechen würde. „Ich werde in der Länderspielpause entscheiden.“ Und was war? Nichts war. Auch bei der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche verzichtete der Ex-Nationalspieler darauf, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Er machte nach einer Stunde den Abgang, ohne ein einziges Wort zu den Fans gesprochen zu haben. Jetzt steht fest: Spätestens zum Rückrundenauftakt, am 21. Januar 2012, gibt es eine Entscheidung. Das hat Manager Michael Preetz Anhängern und Medien versprochen. Immer mehr Berliner befürchten, dass Babbel die Fliege macht. Und der Trainer, was sagt der überhaupt zum Wirbel um seine Person? „Ich verstehe nicht, dass daraus so eine große Geschichte gemacht wird.“ Lüge. Natürlich versteht er das. Markus Babbel hat schon längst eine Entscheidung getroffen. Er will im Sommer weg. Sonst hätte er sich doch schon längst pro Berlin entschieden. Die Frage ist nur: Wer will ihn? Offenbar gab es noch kein Angebot, das attraktiver als das Berliner zu sein scheint. Sobald das kommt, wird der ehemalige Verteidiger seinen Abschied verkünden. Nach der Mission Aufstieg jetzt die Mission Abschied.

Am Ende ginge es auch ohne ihn

Hertha, das war für den gebürtigen Münchner nie eine Liebe. Vielmehr ein Karrieresprungbrett. Beim VfB Stuttgart, wo er sich vom Spieler zum Co-Trainer und schließlich zum zwischenzeitlichen Fan-Hero hocharbeitete, deutete Babbel sein Trainer-Talent an. Bei den Blau-Weißen unterstrich er es. Jetzt, so meint der Europameister von 1996, muss eben der nächste Schritt kommen. Dass sich Babbel sogar ein Hertha-Tattoo stechen ließ, lag mehr daran, dass er ein freudtrunkenes Versprechen einlösen musste. Und Versprechen, die hält man. Doch seine Liebe, das ist München. Hier feierte er seine größten Erfolge, hier wohnen seine Frau und die Kinder. Doch was passiert, wenn bis Ende Januar kein Angebot aus Wolfsburg, Salzburg oder eben München (vielleicht ja 1860?) eintrudelt? Wenn Hertha Babbel zu einer Entscheidung zwingen muss? Sollte der Coach wegen fehlender Alternativen verlängern, ist das Unglück beschrien. Ein frustrierter Mann, der sich zu mehr berufen fühlt, auf der Trainerbank – das kann nicht gut gehen. Wie war das noch, Reisenden sollte man keine Steine in den Weg legen. Hertha ohne Babbel – für die meisten Fans ein Horrorszenario. Dabei hat Uns-Markus selbst vor wenigen Tagen verkündet (und sich damit auch ein wenig verraten): „Wenn ich am Ende sagen sollte: das war’s – dann geht es hier auch ohne mich weiter.“ Recht hat er.

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