Das System Leverkusen

von Lukas Hermsmeier27.11.2011Gesellschaft & Kultur

Der Werksclub macht vor, wie’s läuft. Am Rhein wird langfristig und geduldig geplant. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern der Strategie. Der Erfolg gibt den Planern recht.

Man kann es nicht oft genug sagen: Bayer 04 Leverkusen steht im Achtelfinale der Champions League. Mal eben so Chelsea und Valencia beiseitegeschoben. Eine vielleicht etwas zu wenig gewürdigte Leistung. Dieser Erfolg tut der Bundesliga gut – und er zeigt, dass das System, das die Leverkusener seit Jahren fahren, Vorbildcharakter hat. Denn in dieser Woche gab es noch eine Meldung, mit der Bayer in den Nachrichten stand. Der Nürnberger Verteidiger Philipp Wollscheid, ein 22-jähriger 1,94-Meter-Schlaks, wechselt im kommenden Sommer für rund fünf (!) Millionen Euro Ablöse an den Rhein. Es kommt nicht oft vor, dass bereits mitten in der Hinrunde Transfers für die kommende Spielzeit ausgemacht werden. Wollscheid hat einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Wie so häufig in den vergangenen Jahren, ist Bayer Leverkusen früh dran und hat lang geplant. Eine Erfolgsgeschichte.

Die Geduld zahlt sich aus

Als Rainer Calmund, König der Leidenschaft und Vereins-Legende, 2004 vom Technokraten Wolfgang Holzhäuser als Manager abgelöst wurde, glaubten nicht wenige Fans, dass die große Zeit (ja, das war sie, trotz der vielen Zweitplatzierungen) nun ein jähes Ende haben würde. Und wirklich falsch lagen die Anhänger damals auf den ersten Blick nicht. Während Bayer zwischen 1997 und 2002 fast immer um die Meisterschaft spielte, ging es in den Jahren danach nur um den Uefa Cup. Ein Jahr später wurde Rudi Völler als Sportdirektor mit ins Leverkusener Boot geholt, die Fans schöpften Mut. Doch Geduld war gefragt. Die sich jetzt immer mehr auszahlt. Es gibt kaum Vereine in der Bundesliga, die so klug wirtschaften wie der Werksklub. Die Anhänger können sich glücklich schätzen, ein Blick nach Hamburg oder Schalke oder Wolfsburg reicht. Bayer Leverkusen, das ist die ausgesprochene Philosophie von Völler und Holzhäuser, verpflichtet junge, überwiegend deutsche Talente, stattet sie mit langen Kontrakten aus und gibt ihnen Zeit, sich zu entwickeln. Das hat mit Ömer Toprak, André Schürrle, Sidney Sam, Daniel Schwaab, Eren Derdiyok, Lars Bender und Stefan Reinartz mehr als vernünftig geklappt. Philipp Wollscheid ist der Nächste.

Geld allein reicht nicht

Natürlich, die Schimpfer sind schon aufgeschreckt, steckt dahinter ein großer Konzern, Bayer, der Jahr für Jahr Geld überweist. Mehr als bei anderen Vereinen. Doch während in Wolfsburg die VW-Millionen blind verballert werden, sind sie in Leverkusen gut aufgehoben. Geld macht eben keinen Erfolg. Sondern nur gut genutztes Geld. Leverkusen ist ein Vorbild für die Bundesliga. Wie viele Vereine krallen sich in Krisen-Phasen in aktionistischer Wut Spieler, werfen Scheine aus dem Fenster, sind dann schnell ungeduldig und landen mit dieser Hauruck-Philosophie Bauchplatscher? Sogar in Not, als Torwart René Adler ausfiel und seine Vertreter patzten, gelang der Schnellschuss. Mit Bernd Leno vom Konkurrenten VfB Stuttgart wurde ein Keeper verpflichtet, der in Sensationsgeschwindigkeit alle Erwartungen übertraf und den Bayer in jedem Fall halten sollte. Völler und Holzhäuser regieren mit ruhiger Hand, die Transferbilanz seit 2004 ist absolut ausgeglichen. Glück ist immer dabei. Nie kann man sicher sein, dass Spieler so einschlagen wie erhofft. Doch in der Summe muss kein Verein dieser Welt vom Glück abhängig sein. Er kann sich auf fähige Scouts und Manager verlassen – oder eben nicht.

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