Ich bin ein Berliner! John F. Kennedy

Magier a.D.

Erst war er Retter der Hoffnungslosen, dann Anführer der Jungen Wilden, später Meistermacher. 15 Jahre lang war die Bundesliga in Felix-Magath-Hand. Und heute, was ist geblieben?

Es klingt wie ein schlechter Witz. Im Sommer entscheidet sich Felix Magath, Trainer und Manager in Personalunion, für einen Umbruch beim VfL Wolfsburg. Er holt stolze zwölf Spieler, schleudert 22 Millionen Euro dafür heraus. Unter anderem für Überflieger wie Hasan Salihamidzic (34), Thomas Hitzlsperger (29) und Sotirios Kyrgiakos (31). Böse Zungen behaupten, die Resterampe war danach leer. Und nach zwölf Spieltagen, die Wölfe stehen mit nur 13 Punkten auf einem enttäuschenden Platz 13, stellt sich Magath vor die Mikrofone und sagt: „Man muss überlegen, ob der eine oder andere genügend Qualität und Einstellung mitbringt, um unsere Ziele, die wir haben, tatsächlich umsetzen zu können.“ Als wäre er gänzlich unbeteiligt, als wären es gar nicht seine Entscheidungen gewesen.

Und die angezählten Profis? Die beklagen sich gegenüber den Journalisten, natürlich ohne genannt werden zu wollen, über falsche Taktik, kontraproduktive Trainingsmethoden, fehlenden Zusammenhalt. Früher – und selten war dieser Satz so berechtigt – hätte es das nicht gegeben. Spieler, die es wagen, den gefürchteten Quälix infrage zu stellen. Denn früher konnte man gegen Magath haben was man wollte – er war erfolgreich. Nichts ist geblieben. Magath, der Magier a.D.

Feuerwehrmann und Meistermacher

Acht Vereine in 15 Jahren, fast die halbe Liga hat er durch. Nein, Konstanz war nie Magaths Ding. War auch gar nicht gefragt. In Hamburg, Nürnberg, Bremen und Frankfurt wurde der Aschaffenburger geholt, um den scheinbar besiegelten Abstieg abzuwenden. Es gelang in allen vier Fällen. Der Feuerwehrmann war geboren. Dann kam Stuttgart, wo es Magath drei Jahre aushielt und den VfB 2003 in die Champions League führte. Die Jungen Wilden waren geboren. Bayern schnappte sich schließlich den Erfolgstrainer und in zwei Jahren holte er vier Titel. Und dann gewann Magath mit dem VfL Wolfsburg, einem bis dato gräulichen Mäuschen, 2009 phänomenal den Titel. Der Meistermacher war geboren. Schließlich der Wechsel nach Schalke, Platz zwei in der ersten Saison, beachtlich! Ein Ritt durch die Liga, von Erfolg zu Erfolg. Magath erarbeitete sich schnell großen Respekt – den er noch schneller wieder verlor.

Der Wolfsburger Autokonzern und Hauptsponsor VW hat bereits angekündigt, dass Magath in der Winterpause den Kader weiter aufhübschen darf. Sechs Spieler sollen verschwinden, bis zu fünf verpflichtet werden. Seit zwei Jahren das gleiche Spiel. Magath kauft und kauft und kauft, bis der Kader aufgebläht, das Platzen unumgänglich ist. Und nach einer Probezeit von wenigen Wochen, mal Monaten, entscheidet der Chef dann, wer von den unzähligen Transfers taugt und wer nicht. Dass es vielleicht auch andersrum – erst Leistung einschätzen, dann verpflichten – geht, hat sich bis zum unverbesserbaren Magath nicht herumgesprochen.

Magath darf alles. Doch kann er es noch?

Magath führt eine Personalpolitik, die des Namens nicht würdig ist. In den vergangenen vier Jahren gingen und kamen bei Wolfsburg und Schalke unter Magaths Diktatur insgesamt 179 Profis. Die Bilanz: 70 Millionen Euro minus. Eine Vorliebe hat der Mann, dessen Vater aus Puerto Rico kommt, für die Gescheiterten. Beispiele? Ali Karimi, Chris, Angelos Charisteas. Und Sotirios Kyrgiakos, den Magath im August zum VfL lockte – und jetzt vor wenigen Tagen aus dem Kader strich. Der 32-Jährige wird wohl kein Spiel mehr für den Werksverein absolvieren. Eine Geschichte mit Symbolcharakter. Eine Geschichte von vielen.

Das Problem ist, dass Magath darf. Wie schon in Stuttgart und auf Schalke, ist er auch in Wolfsburg Trainer und Manager zugleich. Über Magath nur die Sonne, so das Motto. Natürlich, mit dieser Doppelfunktion war er bei den vorherigen Stationen erfolgreich, jeweils drei Mal wurde er Deutscher Meister und Trainer des Jahres. Doch das war mal. Spätestens seit seinem kurios-peinlichen Blitz-Wechsel im März, als er nur zwei Tage nach seiner Entlassung auf Schalke in Wolfsburg anheuerte, hat Magath verloren. Vor allem an Respekt und Ausstrahlung. Die Teams des Quälix bestechen nicht mal mehr durch ihre Fitness. Magath ist nur noch eine Karikatur seiner selbst. Der Mythos ist aus.

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