Ich bin schon froh, wenn wir die Eröffnungsfeier nicht verlieren. Günther Beckstein

Zündstoff

Augen zu, Ohren zu, Machtwort drauf. So versucht der DFB die Diskussion um Pyrotechnik zu beenden. Das ist gefährlich naiv – und zum Scheitern verurteilt.

Ultras. Ein lateinisches Wort, es bedeutet „darüber hinaus“. So nennen sich die jungen Kerle, die ganz vorne im Gästeblock stehen. Ihr Einsatz geht über das Normale hinaus. Sie schreien am lautesten, gestikulieren am wildesten. Meist schwarz angezogen, oder den Oberkörper frei, reisen sie zu jedem Auswärtsspiel mit, geben oft ihr ganzes Geld dafür aus. Ultras sind ungemein stolz. Auf ihren Klub, die Gesänge, die Tradition. Sie sind der Verein, daran glauben sie. Und dass der Fußball ihnen gehört, nicht Funktionären oder Investoren.

Leuchtraketen auf den Rängen

Um sie geht es, wenn dieser Tage über Pyrotechnik im Stadion diskutiert wird. Das Pokalspiel zwischen Dortmund und Dresden vor zwei Wochen, als aus dem Gästeblock Leuchtraketen, Böller und Feuerzeuge flogen und Dresden-Anhänger sich mit der Polizei prügelten, war der Auslöser. Die Partie wurde beinahe abgebrochen. Der Aufschrei war groß – und das zu Recht. Was für eine Phrase, aber: Randale hat mit Sport nichts zu tun.

Doch Ultras wollen Pyrotechnik. Der DFB nicht, das steht fest. Seit dem eskalierten Pokalspiel sind die Fronten verhärteter denn je. Mit einer Presserklärung hat der DFB jetzt versucht, den Streit zu ersticken. Darin heißt es: „Die Verwendung von Pyrotechnik ist ausgeschlossen. Die Diskussion damit beendet.“ Für die Herren vom Deutschen Fußball Verbund vielleicht. Für die stolzen Ultras nicht. Sie werden sich wehren, sie werden umso mehr fackeln, wenn sie sich vom DFB nicht ernst genommen fühlen. Die Funktionäre um Präsident Theo Zwanziger dürfen die Ultras nicht wie Gegner behandeln.

„Pyrotechnik legalisieren!“ heißt eine Initiative, der sich über 50 Ultra-Gruppierungen aus ganz Deutschland angeschlossen haben. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben sie: „Wir lieben die Pyrotechnik. Und: Wir werden sie uns nicht nehmen lassen.“ Kompromissbereitschaft hört sich anders an. Eine Haltung, die der DFB kennen muss. In der Erklärung steht auch: „Schluss mit Böllern, Kanonenschlägen und sonstigen Knallkörpern.“ Sie wollen „nur“ Bengalische Feuer und niemanden verletzen. Klingt gut. Doch auch die Ultras Dynamo aus Dresden stehen offiziell hinter diesem Versprechen. In Dortmund, als sie sich wie Tiere benahmen, war die Erklärung wohl kurzzeitig vergessen worden. Diese zwei Auszüge zeigen, wie unausgegoren die Idee der Initiative ist. Die Ultras reden sich ihre Welt friedlich, sie ist es nicht immer.

Reden und respektieren

Am 14. November gibt es im Berliner Bundesinnenministerium einen Runden Tisch. Eine „Task Force Sicherheit“ soll gegründet werden. Auch in Zukunft werden stolze, kompromisslose und machtvolle Ultras dem DFB gegenüberstehen. Diese jungen Kerle werden weiter die Stimmung im Stadion anheizen – im positiven wie im negativen Sinne. Der DFB muss mit ihnen reden und vor allem: sie respektieren – ob er will oder nicht.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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