Entwicklungsmeister

Lukas Hermsmeier9.10.2011Gesellschaft & Kultur

Wir sind wieder wer. Seit der WM 2010 hat Jogi Löw seine Truppe konstant weiterentwickelt. 17 Spiele hat die deutsche Nationalmannschaft seitdem bestritten – und nur eines verloren. Bei der EM 2012 wird die Revanche gegen die Spanier gelingen.

Deutschland hatte keine Chance an diesem 7. Juli 2010. Von der ersten bis zur letzten Minute unterlegen. So furios Özil, Khedira und Schweinsteiger zuvor auch aufspielten, gegen Xavi, Iniesta und Pedro sahen sie aus wie schüchterne Balljungen. Das Halbfinale der Weltmeisterschaft in Südafrika. Spanien, Puyol, 0:1 und tschüss! Was ist seitdem passiert? Die deutsche Nationalmannschaft hat 17 Spiele bestritten. Sie hat nur eins davon verloren. Mannschaften wie Brasilien, Uruguay und jetzt am Wochenende die Türkei besiegt. Spieler wie Hummels, Götze, Höwedes und Schürrle dazugewonnen. Seit der WM konnte wohl kein Team international so viel Dominanz ausstrahlen wie das DFB-Team. Die EM-Qualifikation wurde nebenbei durchlaufen, bislang ohne Punktverlust.

Immer diese Spanier …

Ach, die Spanier. Wären da nicht diese Spanier. Ein Gedanke an das rot-gelbe Ensemble von Superstars – und das deutsche Selbstbewusstsein ist hinüber. England? Argentinien? Italien? Brasilien? Nein, Spanien ist der deutsche Fußball-Albtraum. Angefangen mit dem verlorenen EM-Endspiel 2008, besiegelt durch die Halbfinal-Schlappe 2010. So gut wir auch spielen, der Welt- und Europameister ist und bleibt unerreichbare Übermacht. Ich glaube, bei der EM 2012 in Polen ist es so weit. Deutschland wird Spanien schlagen. Schauen wir uns den Kader der Seleccíon an. Geprägt von den Profis der zwei überragenden Teams Real und Barcelona. Eine beneidenswerte Truppe, aus der Trainer Vicente del Bosque da fischen kann. Sein Top-Stürmer Fernando Torres schwächelt ein bisschen, was aber offensichtlich wenig ausmacht: In der EM-Quali ist man bislang ebenfalls ungeschlagen. Xavi (31 Jahre), Iniesta (27), Casillas (30), Puyol (33), Xabi Alonso (29) – allesamt weltklasse, ohne Frage. Doch jetzt kommt das große Aber: Diese Spieler haben sich seit dem 7. Juli 2010 nicht verbessert, zum Teil geschuldet ihres Alters. Die spanische Nationalmannschaft hat sich nicht weiterentwickelt. Die deutsche schon.

Frisch, aber besser als je zuvor

Thomas Müller, der gerade erst 22 Jahre alt ist, Mario Gomez, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger werden die EM im kommenden Jahr stärker beginnen, als sie die WM im vergangenen Jahr verlassen haben. Bei den überragenden Bayern Stammspieler, noch eingespielter und mit zwei zusätzlichen Profi-Jahren Erfahrung im Gepäck. Manuel Neuer, Jérôme Boateng und Mesut Özil haben durch ihre Wechsel endgültig den Talent-Status hinter sich gelassen, ein gewaltiger Schritt. Bundestrainer Joachim Löw arbeitet seit Jahren mit einem jungen Team. Auch 2012 wird Deutschland eine der jugendlichsten Mannschaften haben. Was nicht zuletzt an Mario Götze liegt, dem 19-jährigen Ausnahme-Techniker aus Dortmund. Löws Mannen sind frisch geblieben, aber besser geworden. Mano Menezes, Cheftrainer der brasilianischen Nationalelf, hat erst vor wenigen Wochen erklärt, dass Deutschland die kompletteste Mannschaft der Welt besitze. Die spanische Tageszeitung „Marca“ schreibt nach dem 3:1-Sieg gegen die Türkei: „Die Deutschen sind wie sie sind: Sie schlafen nie, sind immer hartnäckig.“ Und ausgerechnet die Engländer, die sich naturgemäß weigern, der DFB-Elf nicht nur Willensstärke, sondern auch Talent einzugestehen, liefern die knappe und passende Zusammenfassung: „Deutschland entwickelt sich einfach immer weiter“, schreibt „The Guardian“. Schluss also mit der Spanien-Demut!

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Ausschluss von Stephan Brandner ist ein klares Signal gegen Hetze und Hass

Stephan Brandner von der AfD hat Menschen ausgegrenzt und Hass geschürt. Nun muss er seinen Posten aufgeben - die Abgeordneten des Rechtsausschusses haben ihren Vorsitzenden abgewählt. Einen vergleichbaren Fall hatte es bislang in der Geschichte des Bundestages noch nicht gegeben.

Der Erfolg der AfD liegt in der Austauschbarkeit der Altparteien

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution wurde in Thüringen gewählt. Zum dritten Mal in diesem Jahr kann die AFD zum Entsetzen von Medien und Politik einen Wahlerfolg in „Dunkeldeutschland“ (Gauck) feiern. Die linke Mehrheit ist gebrochen, die SPD liegt bei 8,2 %, die AfD macht als zweite Kraf

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie und soll also am liebsten aus den Medien verbannt werden. Zu groß scheint die Angst, als Gaukler entlarvt zu werden.

Wir müssen wieder miteinander streiten lernen

Es hat lange gedauert, aber nun haben auch die liberalen Blätter endlich erkannt, dass etwas schief gelaufen ist mit dem „Haltung zeigen“. Als ich es wagte, ein Buch mit dem Titel „Wir können nicht allen helfen“ zu veröffentlichen, begrüßte mich die Kreuzberger Grünen-Abgeordnete auf d

Wir müssen den Rechtsstaat vor seiner Opferung auf dem Altar der Hypermoral bewahren

Die Geschichte lehrt, wie man sie fälscht, ist mein Lieblingsbonmot des polnischen Satirikers Stanisław Jerzy Lec, das ein Dilemma auf den Punkt bringt. Geschichte wird immer wieder umgeschrieben, so wie es den jeweiligen Inhabern der Deutungshoheit gefällt. Wir erleben gerade in diesen Tagen wie

Nächstenliebe geht anders!

Nächstenliebe geht anders! Alle EU-Abgeordneten von CDU/CSU haben gegen eine Resolution zur Beendigung des Sterbens im Mittelmeer gestimmt. Mit Rechtspopulisten und -extremen haben sie diesen Aufruf zur Menschenrettung mit einer neuen europäischen Seenotrettung und für die Entkriminalisierung der

Mobile Sliding Menu