Kloppos Kater

Lukas Hermsmeier25.09.2011Gesellschaft & Kultur

Mit dem Sieg gegen Mainz hat Dortmund sich aus der Kurzkrise geschossen. Diejenigen, die Dortmund schon abgeschrieben hatten, werden eines besseren belehrt. Denn auch im Jahr 1 nach der Meisterschaft hat die Truppe alles, was ein Spitzenteam ausmacht.

Es kam, wie es kommen musste. Die Himmelsstürmer aus Dortmund, die mit den Superkräften, sind nach der Meisterschaft abgestürzt. Drei Siege in sieben Spielen, Platz acht, Mittelmaß. War ja klar! Doch wer glaubt, die Erfolgsgeschichte der Klopp’schen Borussia ist beendet, der irrt. So lang liegt das alles nicht zurück. Als die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp im Februar dieses Jahres die letzten Kritiker und Mahner verzauberte: 3:1 bei den Bayern, was für ein Sport-Fest. Mit 12 Punkten Vorsprung Tabellenführer, Dortmund unschlagbar. Und so ritten sie von Sieg zu Sieg, von Spektakel zu Spektakel, bis diesen begabten Jünglingen im Mai die Meisterschale nicht mehr zu entreißen war. Selten war ein Titel so verdient.

Neue Saison, neues Pech

Aaaaber, warnten die Schlauen schon früh, die Bewährungsprobe kommt erst noch. Euch tollen Dortmunder, sagten viele, wird das Lachen schon vergehen. Wenn die neue Saison kommt, die Champions-League-Belastung, unerwartete Verletzung, ja dann werden die Überflieger schnell auf dem ungemütlichen Boden der Tatsachen landen. Und dann verloren sie gegen Hoffenheim. Und dann auch noch gegen Hertha. Der schwächste Titelverteidiger seit 27 Jahren. Dortmund entzaubert. Ein Jahr wunderbar – und das war’s? So wie der VfB Stuttgart, der nur wenige Monate nach der Meisterschaft 2007 ins Mittelmaß versank – und dort bis heute klebt. So wie der VfL Wolfsburg, der seit seinem großen Triumph 2009 der Zweiten Liga entgegenstolpert. Nein, nein, Dortmund passiert das nicht, versprochen. Warum? Ganz einfach: Diese Mannschaft hat zu viel Substanz, dieser Trainer ist einfach zu gut. Und dieses Umfeld, zugegeben es war mal anders, ist zu gesund. Wenn es jemand schafft, eine hochbegabte, aber verunsicherte Mannschaft wieder zu motivieren, dann ist das Jürgen Klopp. Der bärtige Fußball-Psycho ist kein Träumer, er weiß, wo es klemmt. Und er versteht es, die Fehler ehrlich zu kommunizieren. Mit dieser unnachahmlichen Leidenschaft wird Klopp seinen Spielern vorleben, wie man sich Stück für Stück aus einer solchen Misere hochackert. Was es bedeutet, kämpfen zu müssen, hat der untalentierte, aber ruppige Abwehrspieler in 325 Zweitligaeinsätzen für Mainz gelernt. Nicht umsonst wird Klopp irgendwann mal Bundestrainer… Kevin Großkreutz, Mario Götze und Mats Hummels, keiner älter als 23 (!), sind noch nicht so karrieregestählt, um sich selbst aus dieser Krise zu ziehen. Dieses naive Selbstbewusstsein, was sie so stark machte, ist jetzt weg. Dafür werden sie mit einem durch Erfahrungen gestärkten Selbstbewusstsein zurückkehren.

Der Fussball-Traum kann weitergehen

Und dann wären da noch die 80 720 Verrückten, die jedes zweite Wochenende ins Dortmunder Stadion rennen. Zuverlässig dabei, ob es gegen den Abstieg geht oder Champions League ansteht. Auch ich war überrascht, wie wenig vom Traum-Fußball übrig ist. Kein treffsicherer Lucas Barrios, der ist verletzt. Kein dribbelnder König Götze, der sah Rot. Kein Lauf-Gott Shinji Kagawa, der hat noch mit seinem Fußbruch zu tun. Sie alle werden zurückkommen – so wie an diesem Wochenende gegen Mainz 05. Die Borussia war glückstrunken und hat jetzt einen ekelhaften Kater. Doch, wenn der Kater erstmal vorbei ist, werden die Jungs von Jürgen Klopp gestärkt zurückkehren. Das heißt nicht, dass Dortmund in diesem Jahr Meister wird. Das heißt, dass Dortmund auf Jahre ein Spitzenteam bleiben wird.

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