Hauptrolle rückwärts

von Lukas Hermsmeier18.09.2011Gesellschaft & Kultur

Am Dienstag durfte er noch mal. Champions League, in der Startformation, bei seinem alten Verein Chelsea London. Von den Fans wurde er sogar gefeiert. War es das letzte große Spiel von Michael Ballack?

In wenigen Tagen, am 26. September, wird Michael Ballack 35 Jahre alt. Dieser 1,89-Meter-Mann aus Görlitz, mit den gegelten schwarzen Haaren, dem jugendlich-verschmitzten Lächeln, diesem auffällig aufrechten Gang, dem sächsischen Akzent: 35 Jahre, Capitano.

Ich möchte nicht über die Karriere sprechen, die so tragisch auf zweite Plätze beschränkt sein soll. Ballacks Laufbahn war eine große, auch wenn allgemein das Gegenteil behauptet wird. Vier deutsche Meisterschaften, drei Pokalsieger, viele Titel in England, drei Mal Spieler des Jahres. 99 Prozent aller Fußballer wünschen sich eine solche Fußballer-Biografie. Nein, WM und Champions League holte er nicht. Doch ich wage die Prognose, dass auch Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger das einmal von sich behaupten werden müssen.

Ballacks Karriere war eine große. Sie ist vorbei.

Von der Größe zur Bedeutungslosigkeit

Die zurückliegenden 16 Ballack-Monate im Zeitraffer. Sommer 2010: Bei Chelsea London nach vier Jahren nicht mehr gewollt, im letzten Spiel so rüde gefoult, dass er die WM absagen muss. Der Schritt zurück, abgeschoben nach Leverkusen, dort schnell wieder verletzt. Im Juni dieses Jahres gibt Bundestrainer Löw seinen Abschied bei der Nationalmannschaft bekannt. Der zwischenzeitliche Negativ-Höhepunkt. Ein Abschiedsspiel will er nicht, verständlich. Was bleibt, ist der beispiellose Fall in die Belanglosigkeit.

Von den ersten sechs Ligaspielen saß Ballack in dreien die kompletten 90 Minuten auf der Bank. Nach dem 4:1-Sieg in Augsburg sagte Leverkusens Trainer Robin Dutt: „Michael Ballack hat seine Situation viel mehr akzeptiert, als man gemeinhin glaubt. Er muss sich nach seiner Karriere nicht mehr in jedem Spiel beweisen. Das hat er nicht nötig.“ Wie sehr müssen solche Sätze schmerzen? Für jemanden, der sich selbst immer so wichtig nahm. Der große Ballack, der Deutschland 55 Mal als Kapitän anführte, der im Mutterland des Fußballs die deutsche Flagge hochhielt – nur noch einer von vielen. Höchstens.

Michael Ballack ging es immer sehr um sich selbst. Als egoistisch und arrogant wird er beschrieben. Seine fußballerischen Fähigkeiten waren beim DFB lange Zeit geschätzt, sein Charakter weniger. Brust und Ellbogen raus, auf dem Rasen und auch sonst.

Der richtige Moment ist schon passé

Den richtigen Moment zum Aufhören hat Ballack schon verpasst. Den allerfalschesten kann er noch vermeiden. „Michael Ballast“ schrieb die „Sport Bild“ vor zwei Wochen. Der Capitano muss sich das nicht mehr antun.

Wann Ergänzungsspieler Ballack seine Karriere beenden wird, weiß er noch nicht. Der Bundesliga, das sagt er, wird er nach dieser Saison wohl den Rücken kehren. „Ich werde weitermachen, solange ich mithalten kann und es Spaß macht. Ich will spielen“, sagt er trotzig. Vielleicht Dubai? USA? Russland? Bitte keine Verlängerung! Michael Ballack sollte seine Karriere so schnell es geht beenden. Es wird nichts Gutes mehr kommen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu