Die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ist ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie. Philipp Mißfelder

Champions auf Pump

Seit Jahren locken die großen europäischen Fußballvereine Neuzugänge mit absurden Gehältern, die Schulden wachsen in den Himmel. Jetzt sollen die Spieler für diese verfehlte Gehaltspolitik geradestehen.

An diesem Wochenende fand der 5. Spieltag der Bundesliga statt. Fünf Wochen, nachdem der 1. Spieltag ausgetragen wurde. Also alles nach Plan. So wie immer. Kennen wir auch gar nicht anders. Warum es trotzdem erwähnenswert ist? In Spanien und Italien beneidet man uns um diesen Umstand.

Diese allsommerliche Vorfreude auf den Ligastart, jeder Fan kennt, verflucht und liebt sie. Wie frustrierend muss es sein, wenn der lang ersehnte Termin plötzlich verschoben wird. So geschehen in Italien. Dort hätte die Saison der Serie A am 27. August beginnen sollen. Mit zwei Wochen Verspätung wurde erst jetzt der Betrieb aufgenommen. Und auch in Spanien waren sie nicht pünktlich.

Der Streit ums liebe Geld

Wie es dazu kam? Es ist die logische Folge einer skandalösen, vom europäischen Fußballverband UEFA seit Jahren geduldeten, Politik. In beiden Ländern stritten sich die jeweiligen Profiverbände mit den Spielergewerkschaften wochenlang. Die Vereine wollten die Gehälter der Spieler drosseln, diese wehrten sich. Und das völlig zu Recht. Welchem Arbeitnehmer kann man es verübeln, dass er die Summe Geld einfordert, die er in seinem Vertrag nachlesen kann? Das ist nicht gierig, sondern menschlich. Im italienischen Fußball kommt noch ein zweites Problem hinzu: Bislang durften Vereine unbeliebte Kicker gegen ihren Willen (!) an andere Klubs verkaufen oder vom Training ausschließen – in Deutschland unvorstellbar. Also kam es zum Streik.

Nein, die Schuld liegt nicht bei den Spielern, sondern bei Vereinen und Verbänden. Seit Jahren locken spanische, italienische und englische Klubs mit absurden Gehältern – und ignorieren dabei konsequent den Schuldenberg hinter ihrem Vereinsgelände. Warum auch nicht? Der europäische Fußballverband hat es bis heute nicht geschafft, diesem kranken System einen Riegel vorzuschieben.

Karl Hopfner, Finanzvorstand des FC Bayern München, hat gerade erst in einem Interview mit „Bild“ gesagt, dass man keine 80 Millionen für einen einzigen Spieler ausgeben könne, da man sonst nicht die Regeln des UEFA Financial Fairplay einhalten würden. Diese Regel besagt, dass die Vereine am Ende einer Saison eine ausgeglichene Bilanz haben müssen. Das funktioniert bislang ungefähr genau so gut wie mit dem Fairplay auf dem Rasen. Schön, wenn man sich dran hält. Muss aber ja nicht immer sein. UEFA-Präsident Michel Platini droht den verschuldeten Vereinen zwar mit Ausschluss. Taten sind den Worten aber nicht gefolgt.

Das System bleibt krank

Nicht falsch verstehen: Ich habe größten Respekt vor der Vereinspolitik des FC Bayern. Ich empfinde es nur als ungerecht, dass die Münchener damit – stellvertretend für die gesamte Bundesliga – alleine stehen. Natürlich, auch deutsche Vereine haben Schulden. Aber können Sie sich an einen Spielerstreik erinnern? An einen großen Verein, der Insolvenz anmelden musste?

In Italien haben sich Spielergewerkschaft und Verband jetzt geeinigt. Ein Kompromiss, der sich in der Beständigkeit an der Politik von Regierungschef Silvio Berlusconi orientiert. Es ist eine Übergangslösung, die spätestens im kommenden Sommer wieder in sich zusammenbricht. So lange Vereinsbosse Geld aus dem Fenster werfen, das sie nicht haben. Solange die UEFA genau dafür keine härten Strafen einführt. Solange bleibt dieses System krank. Ich bin froh, dass wir in der Bundesliga andere Verhältnisse haben.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lukas Hermsmeier: Mut im Bauch

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