Revolution Song

von Louisa Löwenstein24.03.2011Gesellschaft & Kultur

Heute wird getwittert, früher wurde darüber gesungen. In Zeiten wie diesen, würde man meinen – würde unsere Kolumnistin sich zumindest wünschen – habe die Musikwelt ein wenig mehr zu bieten als “Barbra Streisand”.

Es ist keine bahnbrechende Erkenntnis mehr, dass sich fast jedermanns Leben mittlerweile online abspielt. Gewiss zählen in diese Rechnungen nie die Milliarden von Menschen, die tägliche Mahlzeiten und sanitäre Einrichtungen einem Twitteraccount vorziehen würden, wüssten sie denn was ein solcher ist. Dennoch unser Leben hier, offensichtlich das jedes Menschen, der diese Zeilen liest, spielt sich in dem Gerät vor Ihrer Nase ab. Meine wenigen gallischen Freunde, die sich nach wie vor gegen Facebook sträuben, fangen bereits an, über gesellschaftliche Isolation zu klagen und wäre Jesus damals in der Wüste an einem Internetcafé vorbeigekommen, wäre er vielleicht genauso schwach gewesen wie all jene, die gelobten, auf Facebook zu fasten und jetzt schon wieder fröhlich Belanglosigkeiten mit der Welt teilen. Nebst dieser, zugegeben dominierenden, Belanglosigkeiten liegt die Welt aber auch in Freud, Leid, Hoffnung, Zerstörung und Revolution im Netz offen. Selten, in meinem kognitiven Leben noch nie, waren diese Begriffe so gesammelt präsent wie gerade eben. Facebook und Twitter sollen Katalysatoren der Bewegungen in der orientalischen Welt gewesen sein und ob Fukushima, Flugverbotszone oder Atomenergie und jetzt auch noch Knut (??), der Status updated sich minütlich. Etwas, was sich kaum noch mit politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen und Problemen zu beschäftigen scheint, ist die Musik.

„Don’t you know they’re talking about a revolution“, it sounds like a twitter

Noch bevor sich Japan vor mehr als einem halben Jahrhundert von den Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima erholte, bevor etwas später weltweit die ersten Kernkraftwerke in Betrieb genommen wurden, und weit bevor sich Gaddafi zum libyschen Herrscher putschte, war die Popkultur bereits Spiegel der damaligen Zeit. Speziell in den USA füllten politische Lieder die Radiostationen. In den 30er-, 40er- und 50er-Jahren durften Schwarze zwar keinen Drink in einem Club nehmen, in dem sie zuvor aufgetreten waren, Künstler wie Ella Fitzgerald und Chet Baker wurden aber dennoch in allen Staaten gerne gehört. Weniger beliebt unter Weißen waren jedoch Songs wie Josh Whites (ironisch, ich weiß) Uncle Sam Says. Mit seinem Titel Trouble und dessen Zeile “Well, I always been in trouble, ‘cause I’m a black-skinned man” verursachte White solche Wellen der Weißen Empörung, dass sie selbst an Präsident Roosevelts Schreibtisch schwappten.

Dylan der Prophet

Die Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre rief neben Otis Redding, Aretha Franklin und James Brown auch Bob Dylan auf den Plan, denn “the times, they are A-Changin’“. Prophetische Fähigkeiten wurden Dylan später angedichtet, als sich herausstellte, dass er “A Hard Rain’s Gonna Fall(Link)”:http://www.youtube.com/watch?v=l_ZnmPf4GdQ bereits einen Monat vor der Kubakrise geschrieben hatte. Mit der US-Intervention in Vietnam wurden schließlich über mehrere Jahre und Jahrzehnte Hunderte von Musikern inspiriert. Bad Moon Rising von Creedence Clearwater Revival, Eve Of Destruction von Barry McGuire, Saigon Bride von Joan Baez, Volunteers von Jefferson Airplane und Big Time In The Jungle von Old Crow Medicine Show sind nur ein Bruchteil. Bob Marley packte schließlich all die Themen dieser Generation mit dem Redemtion Song in ein Lied.

Freiheit

Nachdem die Flut der politisch-gesellschaftskritischen Songs in den 50ern bis 70ern ihren Höhepunkt erreicht hatte, glätteten sich die Wogen in den 80er- und 90er-Jahren ein wenig und kritische Lieder, wie beispielsweise die Hymnen feministischer Bewegungen, verschwanden aus den Charts hin in den Alternativ- und Punksektor. Die Wende brachte in Deutschland neben der lang ersehnten Einigung einen Schwung kaum zu ertragender Mauerfalllieder in die Charts. Westernhagens „Freiheit“, Nenas „Wunder geschehen“ und last but not worst „Wind Of Change“ von den Scorpions, die sich bis heute ausschließlich dadurch hervortun, in Lederkluft auf jeder Bambiverleihung präsent zu sein. Wenn ich heute Radio höre, laufen entweder unglaubliche Nachrichten oder Lena Meyer-Landrut, ich weiß nicht, auf was ich eher verzichten mag. Aus dem Stand fällt mir tatsächlich im Moment an aktuellen politischen Liedern nur ein einziges ein, Xavier Rudd mit Messages. Vielleicht poste ich das morgen auf Facebook.

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