Porno for Pyros

von Louisa Löwenstein3.03.2011Gesellschaft & Kultur

Interessant, wie Bands mit miserablen Namen meist auch entsprechend miese Musik produzieren. Oder darf man von Nickelback wirklich mehr erwarten können?

Als ich in der fünften Klasse war, habe ich mit meinen Schwestern und einer Freundin eine Band gegründet. Keine von uns hatte auch nur einen musikalischen Knochen in sich, aber das sollte uns nicht aufhalten. Wer braucht Instrumente, wenn man Tennisschläger und Mülleimer hat?

Und warum sollte man seine ersten lyrischen Schritte in seiner Muttersprache wagen, wenn man doch seit fast zwei Monaten Englisch in der Schule hat? (Für die Grammatiknazis sei gesagt, dass das früher so hieß: Man hatte Englisch, wie man auch Geschi, Reli und Geo hatte.)
Wir hatten also Englisch und damit einen Wortschatz von ungefähr zwanzig Wörtern. Genug, um groteske Liedtexte daraus zu schustern und uns den verruchten Namen „The Dead Body“ zu geben, benannt nach unserem Soon-to-be-Kassenschlager und einzigem Lied.

Wie die meisten Passionen in diesem Alter hatte auch das Bandprojekt eine Halbwertszeit von nicht ganz einem Nachmittag und es wurde schnell begraben. Samt einer Metallbox, deren Inhalt, unser erstes und einziges Lied, für spätere Generationen bewahrt werden sollte.
Im Garten ruht noch immer, wir haben alle „vergessen“ wo, unser peinliches Mahnmal.
Wir waren damals ungefähr elf oder zwölf Jahre alt, wir hatten eine Entschuldigung dafür, uns mit diesem unrühmlichen Namen zu bekleiden.

Nickelback, die Pussycat Dolls und Caught in the Act hatten/haben es nicht.

The Who?

Man darf ahnen, es geht mir heute mit dieser emotionalen, gleichsam edukativen Einleitung um Bandnamen, schöne, coole, gute, schlimme, schreckliche und unerträgliche.

Um abwechslungshalber schon zu Beginn etwas Nettes zu sagen, starte ich mit einem meiner Lieblingsbandnamen (und Band) The Who. All jenen, die seit fünfzig Jahren in einer schalldichten Käseglocke leben oder im Rahmen eines geheimen Nasa-Austauschprojektes auf Melmak lebten, sei verziehen, wenn sie dies nicht wissen: The Who war neben Bands wie The Rolling Stones und The Beatles eine der erfolgreichsten und aus persönlicher Sicht besten Rockbands der 60er- und 70er-Jahre.

Die Band, die neben ihrer Musik für das chronische Zerstören ihrer Instrumente im Anschluss ihrer Konzerte bekannt war, musizierte teilweise unter dem Namen The High Numbers, blieb dann aber doch bei The Who hängen. Dieser Name entstand, heißt es, aus der Unfähigkeit ihrer Elterngeneration, sich all die The … Bands zu merken, die damals aus dem Boden schossen. Wenn Namen wie The Velvet Underground (übrigens ein großartiger Name) oder The Doors fielen, fragte die verwirrte Mamá stets: „The Who?“

Noch konsequenter in ihrer defensiven Namenswahl und mit die besten Musiker dieser Zeit waren http://www.youtube.com/watch?v=Ore6K3ESTLc

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die B...

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminis...

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann...

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Bus...

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s...

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deut...

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu