"I'm gonna make a supersonic man outta you"

von Louisa Löwenstein3.02.2011Gesellschaft & Kultur

Man kann über Queen sagen, was man will, aber niemand kann die Füße stillhalten, wenn ein Lied von ihnen läuft. Denn: There is no escape from reality, we will rock you!

Am Wochenende war ich Skifahren. Ich würde mich hier jetzt zu gerne über Mitte vierzigjährige geschiedene Wasserstoffblondinen auslassen, die sich in meinem persönlichen Albtraum, der Après-Ski-Hütte, zu DJ-Ötzi-Klängen mit 25-jährigen Skilehrern suhlen; gestylt wie kein Mensch frisch von der Piste ausschauen kann, aber dennoch mit Skischuhen an den Füßen. Doch über Après-Ski-Musik werde ich erst schreiben müssen, wenn mir lang nach Heintje und Uschi Glas sonst nichts mehr einfällt.

Heute will ich über ein anderes Phänomen sprechen

Am Samstagabend, wenn alle Après-Skiler schon betrunken im Bett liegen, haben wir die, angeblich legendäre, Almbar in Hinterthal, Österreich, aufgesucht. Um drei Uhr nachts waren alle „I Love Rock’n’Rolls“ und „Hotel Californias“ bereits runtergespielt, die seltsame Mischung aus Einheimischen und Großstadtsnobs fraternisierte langsam und die anwesenden Deutschen begannen peinlicher- und üblicherweise in einer eigenen Interpretation des Österreichischen Dialekts zu sprechen. Das bedeutet für gewöhnlich, dass es nur wenige Jägermeister mehr braucht, bis alle ihren heutigen Flirt für erfolglos erklären und nach Hause stapfen. Nicht aber, wenn dann plötzlich und unverhofft Queen Don’t Stop Me Now aufgelegt wird. Dann fasst sich jeder ein Herz und seine Supersonic Woman und macht ihr den Freddie. Ich selbst habe mich schon lange nicht mehr mit solcher Hingabe der Kunst des Ausdruckstanzes gewidmet. Meine großhornbrilligen (ja, das ist ein Wort) Freunde werden finden, dass Queen kein Umgang für einen Musiasten (auch das ist ein Wort) ist. Viel zu bekannt, viel zu kommerziell, viel zu wenig depressiv.

„I’m having such a good time“

Ich stolpere tatsächlich immer wieder über Menschen, die vorgeben, mit Queen nichts anfangen zu können. Doch auch die fangen unter den Almbartischen heimlich an, mit den Füßen zu wippen, rutschen nervös auf der Bank hin und her, und eh man sich’s versieht, grölen sie „I’m having such a good time“, rutschen auf den Knien durch Zigarettenstummel und „floatin’ around in ecstasy“. Es lohnt sich außerdem, sich jetzt mal wieder mit Queen zu beschäftigen, da seit vergangenem Jahr in Hollywood an einem Biopic über Freddie Mercury geschustert wird. Die Rolle des bisexuellen britischen Inders wird Sasha Baron Cohen übernehmen und mit einem entsprechenden Zahnaufsatz kann man sich Borat gar nicht so schlecht als Queen-Frontmann vorstellen. Zumal sich Mercurys Geburtsname Farrokh Bulsara wie Cohens neuester Film anhört. Man kann über Queen sagen, was man will, und aus unerfindlichen Gründen scheiden sich an ihnen die Geister, aber Tatsache ist, sie haben nicht nur in den Achtzigern Hallen gefüllt, sie füllen auch heute noch jede Tanzfläche. Zugegeben, tut Erstes heute auch Justin Bieber und Zweites kann auch „YMCA“. Wenn man aber Musikverständige fragt, und ich meine bei Weitem nicht mich, sondern Menschen, die tatsächlich wissen, wovon sie sprechen, deren Gehör über das Bedienen einer Triangel hinausgeht. Dann bestätigen diese einem, Queen war überdurchschnittlich musikalisch talentiert und vielfältig – Queen ist der musikalische goldene Schnitt – das ist Wissenschaft! Solche verlässliche Musiker sind beispielsweise Ben Folds (der bald in Deutschland auf Tour geht), The Flaming Lips und Franz Ferdinand , die alle Queen als Inspirationsquelle nannten (Leider auch Lady Gaga aber das ignorieren wir). Bei aller Liebe zu großartiger, depressiver, weitgehend unbekannter Musik wie Bon Iver und Jonathan Boulet (dies ist eine verbindliche Musikempfehlung), ab und zu braucht’s dann aber auch ein wenig was Queen-isches.

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