Rebellion der Anti-Körper

von Linda Bacon8.10.2013Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Dicke Menschen werden für vieles verantwortlich gemacht: Schwache Wirtschaft, hohe Kosten im Gesundheitssystem, teure Flüge. In Amerika hat sich nun zu recht der Widerstand formiert.

Eine beliebte Plattitüde von Politikern, Medizinern und Medien lautet, dass unser kollektives Körperfett die Manifestation einer Krise sei: Unansehnlich, ungesund und ein Hemmschuh für die Wirtschaft. Wir machen Fettleibigkeit für viele Krankheiten, einen frühen Tod, teurere medizinische Versorgung, verlorene Produktivität und sogar die Treibstoffkosten von Flugzeugen verantwortlich. Aus soziologischer Sicht werden fülligere Menschen als faul und ohne Willenskraft beschrieben. Fettleibigkeit sei außerdem ein Hindernis für Romantik, Freundschaft und Arbeit.

Diäten sind schädlich

Der geeignete Weg, diese Krankheiten zu bekämpfen, sei der Gewichtsverlust, wird uns erzählt. Das U.S. National Heart Lung and Blood Institute empfiehlt Maßnahmen wie „Low-Calorie-“ und „Lower-Fat-Diäten“, Veränderungen bei der körperlichen Aktivität, verhaltenstherapeutische Techniken, Pharmakotherapie und Chirurgie.“ Dass diese Optionen existieren, ist unbestritten. Das Problem ist: Sie funktionieren nicht. Alle Versuche, Fettleibigkeit zu beenden, helfen nicht weder dem Einzelnen noch der Gesellschaft. Sie sind sogar schädlich.

Selbst wenn man akzeptieren würde, dass Fettleibigkeit Krankheiten fördert – und sowohl ich als auch viele andere Wissenschaftler halten das für übertrieben – ist es an der Zeit, sich einzugestehen, dass es weder bekannte Methoden gegen Fettleibigkeit gibt. Regierungen werfen folglich nur gutes Geld sinnlos aus dem Fenster und richten dabei sogar Schaden an.

Keine Diät bewirkt anhaltenden Gewichtsverlust für mehr als eine kleine Minderheit und viele Eingriffe führen letztlich zu Gewichtszunahme. Sport, der natürlich gut für Menschen ist, stellt aber auch keinen sicheren Weg zum Gewichtsverlust dar. Operationen oder Pharmazeutika tragen zu neuen Langzeitrisiken wie Alkoholismus, kardiovaskuläre Krankheiten und sogar Suizid bei – und führen am Ende auch oft genug zu Gewichtszunahme.

Zunehmen ist einfach, Abnehmen sehr schwer

Die Philosophie „Health at Every Size“ (HAES) vertritt die These, dass wir den Fokus weg von Fettleibigkeit hin zu Gesundheit und Wohlbefinden verschieben müssen. HAES beginnt damit, uns selbst und die Körper, in denen wir stecken, zu akzeptieren. Wie es auch kleine und große Menschen gibt – und wir nichts dagegen tun können – variiert eben auch unser Gewicht und unsere Stoffwechsel. Manche Menschen nehmen einfach zu, andere Körper sträuben sich gegen Gewichtsverlust.

HAES-Anhänger glauben, dass wir die intuitive Fähigkeit, aus Essen Befriedigung zu ziehen, wieder stärken müssen. Wir müssen Essensregeln und Beschränkungen aufgeben und einen natürlichen Umgang mit Nahrung neu lernen. Studien belegen, dass wir so wieder zu guter Ernährung zurückfinden. HAES lädt ebenfalls dazu ein, wieder Spaß an der Bewegung zu finden. Sportliche Betätigung, die nur um des Abnehmens willen unternommen wird, kann sich wie eine Bestrafung anfühlen und wird oft bei den ersten Anzeichen von Misserfolg abgebrochen. Bewegung um seiner selbst willen kann hingegen zur Gewohnheit werden. Die gesellschaftliche Akzeptanz unterschiedlicher Körper hat vielen Menschen, die früher das Schwimmbad gemieden haben, den Weg zurück ins Wasser geebnet. Und damit den Weg zurück in ein glückliches Leben.

_Übersetzung aus dem Englischen_

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