Grundeinkommen statt Arbeit?

von Lars SchÀfers24.05.2018Wirtschaft

Man hört es immer wieder: ArbeitsplĂ€tze seien durch die Digitalisierung in Gefahr. Deshalb werden die Stimmen lauter, die das bedingungslose Grundeinkommen als Musterlösung prĂ€sentieren – was es aus der Perspektive christlicher Arbeitsethik aber nicht ist.

rbeitsplatzverlust durch Digitalisierung“ ist ein medialer Dauerbrenner. Immer wieder neu wird prognostiziert, wie viele ArbeitsplĂ€tze in Zukunft wegdigitalisiert werden könnten. Dies wird inzwischen auch als Anlass fĂŒr die EinfĂŒhrung eines bedingungslosen Grundeinkommens gehandelt. Dabei wurde schon mehrmals das baldige Ende der Arbeitsgesellschaft vorhergesagt. Das PlĂ€doyer fĂŒr ein „arbeitsloses“ Grundeinkommen als Antwort auf die Erosion der Erwerbsarbeit erscheint von daher plausibel.

Allerdings: Neben den Horrorszenarien wie jenem der Studie der US-Forscher Frey und Osborne, wonach jeder zweite Arbeitsplatz gefÀhrdet sei, gibt es auch mildere Prognosen wie etwa die von Holger Bonin und anderen. Deren EinschÀtzung kann auf folgende Kurzformel gebracht werden: Durch die Digitalisierung wird Arbeit nicht zwangslÀufig weniger, sondern anders. Neue Berufe entstehen, alte vergehen. Brauchen wir dann wirklich zwingend ein Grundeinkommen?

Grundeinkommen als Menschenrecht?

„Das Grundeinkommen ist ein Menschenrecht“, findet beispielsweise die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Menschen könnten damit ihr Leben freier, wĂŒrdevoller und ohne materielle ExistenzĂ€ngste gestalten. Sorgearbeit, Eigenarbeit und gemeinnĂŒtzige Arbeit wĂŒrden dann endlich finanziell gewĂŒrdigt und den Menschen mehr Wahlfreiheit innerhalb dieser Arbeitsformen ermöglicht.

Weitere Argumente fĂŒr ein Grundeinkommen sind unter anderem eine deutliche Verschlankung der sozialstaatlichen BĂŒrokratie inklusive einer erheblichen Lichtung des Sozialleistungsdschungels; eine Verringerung der Einkommensungleichheit sowie die Realisierung des demokratietheoretischen Ideals: gleiche MenschenwĂŒrde, gleiches Wahlrecht, gleiches Grundeinkommen.

Arbeit hat Wert, Arbeit ist Pflicht

Speziell aus der christlich-sozialethischen Perspektive gilt aber: Die Arbeit ist moralische Pflicht und hat einen unhintergehbaren Wert. Jesus selbst hat durch handwerkliche Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient; der Apostel Paulus erarbeitete ebenfalls sein Einkommen und forderte von Arbeitsscheuen: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ (2 Thess. 3,10). „Ora et Labora“ ist die jahrhundertealte Maxime der Benediktinermönche; und auch die moderne kirchliche Soziallehre betont die moralische Pflicht zur Arbeit als Teilhabe des Menschen am Schöpfungswerk Gottes und als Mittel der eigenen Vervollkommnung. Wert und WĂŒrde der Arbeit grĂŒnden nach christlicher Vorstellung letztlich darin, dass die Arbeit nicht zu trennen ist von dem Menschen, der sie verrichtet.

Weder ist die Digitalisierung der Arbeitswelt Anlass zu einseitiger Untergangsstimmung noch zur EinfĂŒhrung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ein solches ist ohnehin nicht per se so gerecht, so einfach und so praktikabel wie vielfach behauptet. Noch immer nicht geklĂ€rt ist vor allem die Frage der Finanzierung: Wer soll das wie bezahlen? Denn was wĂ€re, wenn die Mehrheit im Falle der EinfĂŒhrung nur noch das Grundeinkommen wĂ€hlen und nur eine Minderheit noch arbeiten wollen wĂŒrde? Dann gĂ€be es die wenigen Nettozahler, auf deren Kosten die Vielen arbeits- und bedingungslos vom Grundeinkommen leben könnten.

Das funktioniert nicht und wĂ€re Ausbeutung der wenigen, die dann noch arbeiten. Karl Marx, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, wĂŒrde sich im Grabe umdrehen. Selbst erarbeitetes Einkommen entspricht dem christlichen Menschenbild mehr als ein bedingungsloses Grundeinkommen. Letzteres muss sich am christlichen Arbeitsethos messen lassen.

Quelle:”firstlife”:https://www.firstlife.de/grundeinkommen-statt-arbeit/

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Experten sicher: Die Zukunft der Luftfahrt ist elektrisch

Allein in Deutschland fliegen tĂ€glich rund 8.000 Flugzeuge. Weltweit sind es nach grober SchĂ€tzung 80.000 FlĂŒge am Tag, ein gewaltiges Flugaufkommen – und eine enorme Umweltbelastung. Die Experten bei der „Living Legends of Aviation“-Gala im Event-Resort Scalaria am Wolfgangsee sind sich ei

Wie ein PrÀsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und auslĂ€ndischen Freunde der Ukraine ist entsetzt ĂŒber den Ausgang der ukrainischen PrĂ€sidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und GeschĂ€ftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflĂŒchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der EuropĂ€ischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in BrĂŒssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erlĂ€utert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und ParlamentsprĂ€sident, sowie den Hohen Vertreter der EU fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grĂŒnen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der ĂŒber dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu