Übermächtig

Lars Mensel30.12.2013Politik

2013 war das Jahr der Spionage. Das Verblüffende daran: Jenseits des Meeres ist scheinbar alles erlaubt.

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Mein Wort des Jahres ist Übersee. Ein heimtückisches Wort. Sieben Buchstaben, die an Palmen und Sandstrand erinnern, an Ferien und Sonne. Aber das vergangene Jahr hat gezeigt: Übersee, das sind wir.

Der Duden definiert Übersee als „Gebiete, die jenseits des Meeres, des Ozeans liegen“ und liefert den schönen Beispielsatz „Freunde, Verwandte in Übersee haben“ gleich mit. Im Englischen ist „overseas“ ein wenig vager definiert, das New Oxford American Dictionary umschreibt den Begriff als „from, to, or relating to a foreign country“. Oder auch lapidar: „from abroad“.

Ein Wort, dass Ihnen nicht aufgefallen ist

Haben Sie es bemerkt? Übersee ist immer da, wo man selbst gerade nicht ist. Auf Deutsch wird zumindest noch ein Ozean herbeigeträumt, im Englischen ist der Begriff mittlerweile ein relativ sinnentleertes Akronym für’s Ausland. Für U.S.-Amerikaner liegt selbst Kanada in Übersee. Genau diese Eigenschaft macht Übersee zum meistgebrauchten Wort, das Ihnen 2013 nicht aufgefallen ist.

Die Redewendung wurde in den USA stets dann bemüht, wenn es um das weltumspannende Spionage-Netzwerk der NSA ging – und ob dieses rechtens sei. Sie erinnern sich: Die erste Enthüllung von Edward Snowden drehte sich um den U.S.-amerikanischen Mobilfunkbetreiber Verizon, welcher einem geheimen Gerichtsbeschluss zufolge alle Telefondaten seiner amerikanischen Kunden an den Geheimdienst liefern musste. In atemberaubendem Tempo folgten daraufhin weitere Enthüllungen, bis wir mit dem Handy der Kanzlerin den vorläufigen Höhepunkt erreichten. Darüber, ob die Aufregung gerechtfertigt war, wurde an anderer Stelle ausreichend gestritten. Fakt ist, dass die Causa Verizon hierzulande in Vergessenheit geriet. Es sei einem verziehen.

Übersee ist überall

Doch genau an dieser Stelle hat Übersee eiskalt zugeschlagen. Andere Enthüllungen mögen viel spektakulärer geklungen haben, sie sorgen in den USA aber für deutlich weniger Furore. Der deutsche Protest über die Speicherung von Telefon- und Internetverbindungen, über die unerhörte Spionage „unter Freunden“ (Merkel) fand im U.S.-amerikanischen Diskurs kaum Gehör. Verständlicherweise sorgte man sich dort zunächst um das eigene Wohl und die Speicherung von Telefon-Metadaten entzündete zurecht die Gemüter. Zur Beschwichtigung traten NSA-Chef Alexander oder Obama-Sprecher Carney mit schöner Regelmäßigkeit vor die Presse und betonten, dass Spionageprogramme in den USA lediglich sporadisch eingesetzt würden. Hauptsächliche bräuchte man diese, um Verdächtige in Übersee zu beschatten.

Was für amerikanische Ohren gut klingen mag, bedeutet das Gegenteil für alle, die nicht auf U.S.-Staatsgebiet verweilen. In den USA mag die Spionage umstritten, sie mag „almost Orwellian“ sein. Doch nach der Logik der U.S.-Regierung gelten im Ausland oder gar jenseits des Meeres ganz andere Regeln. Der schöne Begriff unterstreicht diese Tatsache immer aufs Neue. Bis die Spionage nicht nur in den USA sondern auch im Rest der Welt untersucht und eingeschränkt wird, ist Übersee überall.

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