Kein Platz für Zwischenhändler

Lars Mensel10.11.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Der Weg zum Ziel muss nicht immer über die Suchmaschine gehen – besonders wenn sich das Gesuchte dort ohnehin nicht befindet.

Google+ ist tot, “tönt es hämisch von Slate.com zu uns herüber”:http://www.slate.com/articles/technology/technology/2011/11/google_had_a_chance_to_compete_with_facebook_not_anymore_.html – das “mit großen Ambitionen gestartete Netzwerk”:http://www.theeuropean.de/lars-mensel/7212-google-plus des Suchgiganten habe eine zu geringe Nutzerbasis und werde in spätestens zwei Jahren “von seinen Qualen befreit” werden. Das sind drastische Worte, aber kann man es dem Autoren verdenken? Bislang erfüllt Google+ kaum eine Funktion, “die nicht auch auf anderen Seiten replizierbar wäre”:http://www.theeuropean.de/lars-mensel/8180-alternativloses-facebook. Sollte das Netzwerk scheitern, so wäre das die bisher wohl spektakulärste Niederlage von Google, doch für die Firma zu verschmerzen, die ihr Geld ohnehin mit der Suche verdient.

Etwas anderes als die Suchmaschine

Umso ironischer, dass Google im Bereich Suche zwar ein Monopol aufweist, doch im sozialen Web die Fehler seiner Konkurrenten zu machen scheint. Diese beißen sich schließlich seit Jahren die Zähne an einer Alternative zur Suchmaschine aus und verbrennen damit Unsummen von Geld: Der Betrieb von Bing kostet Microsoft ca. “1 Milliarde Dollar pro Quartal”:http://money.cnn.com/2011/09/20/technology/microsoft_bing/index.htm. Ein stolzer Preis für ein Alternativprodukt mit nahezu identischen Funktionen. Was wäre, wenn statt einer neuen Suchmaschine aber etwas anderes an ihre Stelle treten würde? In einem “kürzlich von Microsoft veröffentlichen Konzeptvideo”:http://www.youtube.com/watch?v=XpmltWIuu9U sieht unsere Zukunft so aus wie der Film “Minority Report”. Doch zwischen der ungeheuer fortschrittlichen und omnipräsenten Technologie werden wir laut der Vision den Großteil unser Zeit mit dem Organisieren von Terminen verbringen. Selbst mit transparenten Displays ist das auf die Dauer sehr mühselig. Wie wäre es also, statt neuen Displays lieber das Problem der manuellen Kalenderverwaltung zu lösen? Es ist dieser Denkfehler, der tatsächlicher Innovation noch immer im Wege steht und der immer gleiche Produkte hervorbringt.

Suchen im Hintergrund

Ebenso fraglich ist also auch die ewige Dominanz der Suchmaschine zum Finden von Daten jeglicher Art. Nicht nur lassen sich viele Suchanfrage “nicht mehr in Textform”:http://www.theeuropean.de/lars-mensel/7870-suchmaschine-der-zukunft ausdrücken, auch kann die Suchmaschine ein Hindernis auf dem Weg zum Ziel darstellen. Sicher – sie zeigt zahllose Suchergebnisse, doch geklickt werden nur die ersten in der Liste. Apples neue Sprachsteuerung macht bereits vor, was Google langfristig Probleme bereiten könnten – eine Suche verläuft im Hintergrund und statt Präsentation einer Trefferliste wird sogleich ein Ergebnis angezeigt – eine Karte des Suchortes, eine Liste von Restaurants in Yelp. Google bleibt dabei auf der Strecke und wird wenig begeistert sein. Statt mit Produkten wie Google+ eine verzweifelte Kopie zu schaffen, sollte der Konzern (genauso wie andere) lieber für eine natürlichere Art der Interaktion im Netz sorgen. Soziale Netzwerke sind überall – und doch gibt es an ihnen noch viele Stellschrauben, die ihre Benutzung vereinfachen und ihre Reichweite erhöhen könnten. Das bewies unlängst die Aufnahme von Orten als Interaktionskriterium, ein Feature das Google+ bis heute nicht vorzuweisen hat. Nur eine Veränderung des Status quo kann im heutigen Internet noch die Menschen begeistern – ausgerechnet Firmen, die den Markt durch ihre Innovation prägten, sollten so etwas merken.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Rechtsterror: Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft

Jeder Mensch – egal, woher sie kommt, egal, wie er aussieht – muss in unserem Land sicher leben können, so Katrin Göring-Eckardt im Statement.

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu