Obama hat bei Weitem nicht so viel erreichen können, wir er es sich gewünscht hatte. Stephen Wayne

Kein Platz für Zwischenhändler

Der Weg zum Ziel muss nicht immer über die Suchmaschine gehen – besonders wenn sich das Gesuchte dort ohnehin nicht befindet.

Google+ ist tot, tönt es hämisch von Slate.com zu uns herüber das mit großen Ambitionen gestartete Netzwerk des Suchgiganten habe eine zu geringe Nutzerbasis und werde in spätestens zwei Jahren “von seinen Qualen befreit” werden. Das sind drastische Worte, aber kann man es dem Autoren verdenken? Bislang erfüllt Google+ kaum eine Funktion, die nicht auch auf anderen Seiten replizierbar wäre. Sollte das Netzwerk scheitern, so wäre das die bisher wohl spektakulärste Niederlage von Google, doch für die Firma zu verschmerzen, die ihr Geld ohnehin mit der Suche verdient.

Etwas anderes als die Suchmaschine

Umso ironischer, dass Google im Bereich Suche zwar ein Monopol aufweist, doch im sozialen Web die Fehler seiner Konkurrenten zu machen scheint. Diese beißen sich schließlich seit Jahren die Zähne an einer Alternative zur Suchmaschine aus und verbrennen damit Unsummen von Geld: Der Betrieb von Bing kostet Microsoft ca. 1 Milliarde Dollar pro Quartal. Ein stolzer Preis für ein Alternativprodukt mit nahezu identischen Funktionen. Was wäre, wenn statt einer neuen Suchmaschine aber etwas anderes an ihre Stelle treten würde?

In einem kürzlich von Microsoft veröffentlichen Konzeptvideo sieht unsere Zukunft so aus wie der Film “Minority Report”. Doch zwischen der ungeheuer fortschrittlichen und omnipräsenten Technologie werden wir laut der Vision den Großteil unser Zeit mit dem Organisieren von Terminen verbringen. Selbst mit transparenten Displays ist das auf die Dauer sehr mühselig. Wie wäre es also, statt neuen Displays lieber das Problem der manuellen Kalenderverwaltung zu lösen? Es ist dieser Denkfehler, der tatsächlicher Innovation noch immer im Wege steht und der immer gleiche Produkte hervorbringt.

Suchen im Hintergrund

Ebenso fraglich ist also auch die ewige Dominanz der Suchmaschine zum Finden von Daten jeglicher Art. Nicht nur lassen sich viele Suchanfrage nicht mehr in Textform ausdrücken, auch kann die Suchmaschine ein Hindernis auf dem Weg zum Ziel darstellen. Sicher – sie zeigt zahllose Suchergebnisse, doch geklickt werden nur die ersten in der Liste. Apples neue Sprachsteuerung macht bereits vor, was Google langfristig Probleme bereiten könnten – eine Suche verläuft im Hintergrund und statt Präsentation einer Trefferliste wird sogleich ein Ergebnis angezeigt – eine Karte des Suchortes, eine Liste von Restaurants in Yelp. Google bleibt dabei auf der Strecke und wird wenig begeistert sein.

Statt mit Produkten wie Google+ eine verzweifelte Kopie zu schaffen, sollte der Konzern (genauso wie andere) lieber für eine natürlichere Art der Interaktion im Netz sorgen. Soziale Netzwerke sind überall – und doch gibt es an ihnen noch viele Stellschrauben, die ihre Benutzung vereinfachen und ihre Reichweite erhöhen könnten. Das bewies unlängst die Aufnahme von Orten als Interaktionskriterium, ein Feature das Google+ bis heute nicht vorzuweisen hat. Nur eine Veränderung des Status quo kann im heutigen Internet noch die Menschen begeistern – ausgerechnet Firmen, die den Markt durch ihre Innovation prägten, sollten so etwas merken.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Lars Mensel: Schuldige Opfer

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