Every breath you take

Lars Mensel16.12.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Mit neuen Programmen können auch stets mehr Informationen ins Netz gestellt werden – ein neues Netzwerk macht vor, wo die Grenze dafür liegen könnte.

Früher oder später kommt der Moment, an dem die technische Entwicklung an einem vorbeizieht. Da dies bislang jeder Generation vor uns passierte, gibt es eigentlich keinen Grund, sich selbst als Ausnahme zu sehen. Der Prozess verläuft auf unterschiedliche Art und Weise – entweder verliert man langsam das Interesse an den neuesten Innovationen, oder sie reißen einem den Boden unter den Füßen weg.

Mitten in den Tagesablauf

Als Beobachter der technischen Entwicklung in den vergangenen Jahren habe ich oft erfahren können, wie neue Ideen quasi über Nacht die ganze Branche veränderten. Und so überraschend sie oft waren, ihr Mehrwert war zumeist erkennbar und man konnte sie verstehen. Umso überraschender, dass das Netzwerk Path – wie aus dem Nichts kommend – plötzlich eine echte Verständnisbarriere darstellt. Als neues Netzwerk ringt Path, erdacht von einem Entwicklerteam um den Napster-Erfinder Shawn Fanning, um die Aufmerksamkeit und einen Platz im Handeln der Menschen. Wie der Name andeutet, erlaubt es das Festhalten von Momenten eines jeden Tages in Form einer chronologischen Abfolge – eine Art multimediales Logbuch zu jedem Tag. Das Überraschende an Path ist dabei nicht, wie es zahllose andere Dienste kombiniert, sondern wie sehr es tatsächlich als Teil des Tagesablaufes konzipiert ist: Durch ständige Interaktion teilt der Nutzer Informationen über sich mit der Welt, so beginnt der Tag tatsächlich beim Klick auf einen großen, freundlichen Knopf mit der Aufschrift „Awake“. Spätestens beim Nachdenken über diesen Knopf stellt sich das Gefühl ein, die technische Entwicklung aus den Augen verloren zu haben. Klar wird das auch beim Demovideo, in welchem eine begeisterte Path-Mitarbeiterin über all die Lebensaspekte sinniert, die sie mit dem Netzwerk dokumentieren kann. Verträumt unterschlägt sie jedoch den Nutzen davon, und klingt daher mit jedem neuen Teilaspekt ein wenig seltsamer: bq. Ich nutze Path zum Teilen meiner Fotos und Videos, mit wem ich zusammen bin, wo ich bin, welche Musik ich höre, was ich denke und wann ich aufstehe oder zu Bett gehe.

Weniger ist mehr

Bislang ist noch völlig unklar, ob sich Path überhaupt durchsetzen wird. Alleine das Bestehen der Software zeigt jedoch, mit welcher Intensität der Reflex des andauernden Teilens bedient wird. Welche Menge von Informationen man tatsächlich an die Welt weitergibt, ist eine Frage, die jeder für sich entscheiden muss, und die sich erst durch das gemeinsame Verhalten beantwortet. Man sollte sich dabei allerdings auch an die Wahrheit des Sprichwortes „Weniger ist mehr“ erinnern: Kaum jemand führt ein so spannendes Leben, dass es minütlich dokumentiert ins Internet gespielt werden muss. Und nur weil es die Software dazu gibt, muss sie nicht verwendet werden. So bin ich vorsichtig optimistisch, dass dieses Potenzial für etwas anderes als das Teilen von andauernden Trivialitäten genutzt wird – eine Ansicht, die jedoch auch schon bald durch das Verhalten der Nutzer wenig zeitgemäß erscheinen könnte.

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