Nichtwähler sind die eigentlich Staatsfrommen. Bodo Hombach

Macht und Essen

Über eine unwiderstehliche Kombination.

Am letzten Tag seiner Präsidentschaft, kurz vor seinem Rücktritt, ließ sich US-Präsident Richard Nixon folgendes Mittagessen kommen: Zwei Scheiben Dosenananas, garniert mit einem Löffel Hüttenkäse, dazu ein Glas Milch. Im Internet kursiert ein Foto des Essens, zu sehen ist das obligatorische Silbertablett, der Teller mit Siegel des Amtes und eine akkurat gefaltete, schneeweiße Serviette. In der Küche des Präsidenten hätte man es vermocht, selbst einer Currywurst die nötige Gravitas zu verleihen.

Man ist, was man isst, sagt der Volksmund. Und das nicht etwa mit ernährungsphysiologischen Hintergedanken, sondern weil die Wahl des Essens vermeintlich etwas über den Menschen verrät.

Da steht Nixon vor den Scherben seines Lebens und trinkt ein Glas Milch. Da lässt sich Bundespräsident Wulff täglich Brötchen aus Hannover ins Schloss Bellevue liefern. Da lässt sich Yanis Varoufakis dabei ablichten, wie er mit Blick auf die Akropolis Weißwein trinkt.

Macht und Essen: das ist eine unwiderstehliche Kombination. Nie glauben wir, sie besser zu verstehen. Und nie wissen wir weniger über die eigentlichen Hintergründe. Wenn Barack Obama unter Blitzlichtgewitter Burger essen geht, ist er mitnichten volksnah – denn außerhalb des Restaurants hat der Secret Service den ganzen Bezirk abgesperrt. Wulff und seine Brötchen passten dagegen so gut zum spießbürgerlichen Image des Präsidenten, dass kaum auffiel, dass schon Horst Köhler diese Lieferung bekam. Und Marie Antoinettes berühmter Ausruf „…dann sollen sie doch Kuchen essen“ wird von Historikern für eine Erfindung gehalten – ein allzu köstliches Cliché für eine allzu abgehobene Königin.

Macht und Essen: das verträgt sich weniger gut als Ananas und Hüttenkäse.

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