Hundstage

von Kristin Jankowski21.09.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur

Wenn es knallt, laufen Hunde davon und Journalisten hin. Die Berichterstattung über die Proteste in der arabischen Welt zeigt, dass die Journalisten es besser den Vierbeinern gleichgetan hätten.

Seitdem ich in Ägypten lebe und die Aufstände gegen das Regime im vergangenen Jahr miterlebt habe, und seitdem ich erlebt habe, wie viele Medien über diese Aufstände berichten, frage ich mich, ob Journalisten und Hunde mehr gemeinsam haben, als man denkt. Mit der deutschen Berichterstattung über die Proteste vor den amerikanischen Botschaften ist mir der Unterschied klar geworden: Hunde laufen weg, wenn es knallt. Journalisten kommen gierig angelaufen. Fehler bei der Berichterstattung scheinen legitim zu sein, Informationen dürfen umgedreht und aufgeblasen werden – vor allem, wenn es um die arabische Welt geht. Dann darf scheinbar gehetzt werden.

Arroganz und Unwissen

Wenn vor westlichen Botschaften Fahnen verbrannt werden und wütende Männer in Bärten den Koran zitieren, dann ist es ein gefundenes Fressen für westliche Medien. Das Bild bedient Vorurteile, schürt Hass. So wie am 14. September. Ein Artikel des „Tagesspiegels“ behandeltete die Proteste vor der amerikanischen Botschaft in Kairo. „Es schien so, als hätte es den Arabischen Frühling nie gegeben“, bilanzierte die Autorin. Ich fragte mich, wie viel Arroganz und Unwissenheit es braucht, um einen solchen Satz zu schreiben. Es hat den Arabischen Frühling gegeben. Wer anderes behauptet, lügt oder versteht das Land nicht(Link)

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