Die besten Bücher des Jahrzehnts

Elmar Krekeler23.12.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Elmar Krekeler leitet “Die literarische Welt“, das literarische Wochenendmagazin der Welt. Er hat für uns gesiebt und seine persönliche Auswahl getroffen: Es war doch ein großartiges Jahrzehnt.

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1) W. G. Sebald: “Austerlitz” (2001) Jacques Austerlitz findet sich wieder, nachdem er alles verloren hat, die Eltern, sich selbst. Im Holocaust. Die Melodie einer Erinnerung, einer Erinnerungssuche ist selten so musikalisch, so eindrücklich Literatur geworden wie hier. W. G. Sebald: Austerlitz. Hanser, München. 416 S., 23,50 €. 2) Philip Roth: “Der menschliche Makel” (2002) Das Meisterwerk des Meisterwerkers. Eine weitere Kamerafahrt in die moderne Seele. Eine aristotelische Tragödie verpackt in die Campus-Roman-Tragödie von Coleman Silk, der farbig ist, es aber nicht sein darf. Philip Roth: Der menschliche Makel. A. d. Engl. v. Werner Schmitz. Hanser, München. 398 S., 24,90 €. 3) Jonathan Franzen: “Die Korrekturen” (2002) Mit diesem Roman endet die Epoche der literarischen Postmoderne. Franzen entstaubt den europäischen Familienroman und macht ihn wieder zum großen Instrument zur Untersuchung und Illustration unserer Gegenwartsgesellschaft. Jonathan Franzen: Die Korrekturen. A. d. Engl. v. Bettina Abarbanell. Rowohlt, Reinbek. 780 S., 12,90 €. 4) Marjane Satrapi: “Persepolis” (2003) Ein junges Mädchen wächst auf in Iran. Die Panzer rollen, der Islam regiert. Ein Kopftuchmädchen erzählt den ganzen Horror in Satrapis scheinbar naiven Schwarz-Weiß-Bildern. Früher Triumph des Graphic Novel. Marjane Satrapi: Persepolis. Edition Moderne, Zürich. 160 S., 22 €. 5) Terezia Mora: “Alle Tage” ( 2004) Die Geschichte vom osteuropäischen Migranten Abel Nema, der 20 Sprachen spricht, aber sich nicht mitteilen kann, ist das großartigste Buch über Fremdheit in der Welt. Hier ist die Fremdheit in alle Poren gewuchert. In ein Sprachkunstwerk. Komplex, schön, für die Ewigkeit. Terezia Mora: Alle Tage. Luchterhand, München. 429 S., 22,50 €. 6) Daniel Kehlmann: “Die Vermessung der Welt” (2005) Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß, Göttingen und der Chimborazo erobern die Bestsellerlisten. Lehrreich, lustig, tief. Das alles kann die deutsche Literatur. Die literarische Sensation der Nuller-Jahre. Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Rowohlt, Reinbek. 301 S., 19,90 €. 7) Ingo Schulze: “Neue Leben” (2005) Wie schwarzromantisch doch die Wendejahre waren. Wenn irgendwann mal der Wenderoman gesucht wird: Das ist er. Und er ist auch gleich Weltliteratur. Wiedervereinigungsroman. In Briefen. Ingo Schulze: Neue Leben. Berlin Verlag, Berlin. 789 S., 24 €. 8) Cormac McCarthy: “Die Straße” (2007) Wunderland ist abgebrannt. Vater und Sohn schieben einen Einkaufswagen durch die Reste unserer Zivilisation. Brandgeruch hängt in der Luft. Menschen- fresser gehen um. Der finsterste der finsteren McCarthy-Romane. Bewegende Parabel auf eine heillose Welt. Cormac McCarthy: Die Straße. A. d. Engl. v. Nikolaus Stingl. Rowohlt, Reinbek. 252 S., 19,90 €. 9) Uwe Tellkamp: “Der Turm” (2008) Der große Gesang vom Untergang der DDR. Erzählt aus der Druse des Dresdner Bildungsbürgertums. “Der Turm” ist einer der Romane, die von diesem Jahrhundert bleiben werden. Uwe Tellkamp: Der Turm. Suhrkamp, Frankfurt/M. 972 S., 24,80 €. 10) David Foster Wallace: “Unendlicher Spaß” (2009) Amerika auf der Jagd nach der tödlichen Unterhaltung. Wer immer schreiben will im 21. Jahrhundert muss das gelesen haben. Ein genialer Zettelkasten mehr als ein genialer Roman. Der Musterkoffer für zukünftiges Erzählen. David Foster Wallace: Unendlicher Spaß. A. d. Engl. v. Ulrich Blumenbach. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 1547 S., 39,95 €.

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