Eine Türkei, die sich wirklich vorbehaltlos gegenüber der politischen Kultur des Westens öffnet, wäre ein denkbares Mitglied. Heinrich August Winkler

Zum Kern des Problems

Die verstärkte Nutzung von Kernenergie kann uns dabei helfen, den Klimawandel abzumildern. Denn zu stoppen ist er bereits nicht mehr, da sich die Großmächte auch in Durban nicht auf eine Beschränkung ihrer Emissionen einlassen werden.

Bei einer Weltbevölkerung von sieben Milliarden Menschen ist es notwendig, alle Energiequellen zu nutzen, die die Erde bietet: Kohle, Erdgas, Öl, Kernenergie, Wasserkraft, Wind und Sonne. Die großen Länder praktizieren dieses Prinzip des umfassenden Energiemixes, besonders China, Indien und die USA. Sie beziehen einen beträchtlichen Teil ihrer Stromversorgung aus Kernkraftwerken. Die meisten der 440 Reaktoren weltweit arbeiten mit Wasser als Moderator und schwach angereichertem Uran als Brennstoff. Die Zahl der Nutzer der Kernenergie für die Grundlast der Stromversorgung nimmt trotz der Vorbehalte gegen die Betriebssicherheit weltweit zu. In China sind 37 Reaktoren im Bau, 34 weitere sind geplant. Auch in Frankreich, Finnland, Polen und Tschechien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Vietnam werden neue Kraftwerke gebaut.

Keine Karten mehr auf der Hand

Die Gefahr der Proliferation besteht nicht, solange die Länder keine eigenen Anreicherungsanlagen betreiben, sondern die fertigen Brennstäbe mit schwach angereichertem Uran vom Hersteller beziehen und nach dem Abbrand wieder an diesen zurückgeben.

Den größten Anteil der Energieversorgung liefern aber nach wie vor die fossilen Brennstoffe. Das Rückgrat der Stromerzeugung bilden die Kohle- und Gaskraftwerke. China ist jetzt schon der größte Nutzer von Kohle und der größte Emittent des Treibhausgases CO2. In einem Jahr haben sich dort die Emissionen um zehn Prozent erhöht, denn jede Woche geht ein neues Kohlekraftwerk ans Netz.

Die negative Seite dieser rasanten Entwicklung ist die erhöhte Emission des Treibhausgases CO2. Die drei Großmächte emittieren die Hälfte der weltweiten Menge von 33,5 Milliarden Tonnen. Innerhalb eines Jahres stieg sie um sechs Prozent oder 1,6 Milliarden Tonnen an, eine Menge, die doppelt so groß ist wie die gesamten deutschen Emissionen. Das bedeutet: Wenn Deutschland von heute auf morgen alle seine Treibhausgasemissionen stoppen würde und damit seine Wirtschaft in eine tiefe Depression stürzen würde, könnte das den Klimawandel nur um ein halbes Jahr verzögern.

Klimawandel gefährdet das friedliche Zusammenleben

Wenn man dagegen alle Kernreaktoren der Welt durch Kohlekraftwerke ersetzen würde, würden die Emissionen um weitere zwölf Prozent anwachsen. Deshalb ist es sinnvoll, sie weiter zu nutzen.

Auf lange Sicht ist die größere Gefahr für ein friedliches Zusammenleben der Menschheit der durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verursachte Klimawandel und die Trinkwasserversorgung. Die letzten Klimakonferenzen in Kopenhagen und Cancun haben gezeigt: der Anstieg der Emissionen wird von den Großmächten bestimmt, die keine Begrenzungen akzeptieren. Das wird auch bei der gegenwärtigen Konferenz in Durban so sein. Der Klimawandel ist nicht zu verhindern.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Arne Jungjohann, Felix Ekardt, Daniel Klingenfeld.

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