Es geht nur ums Plastikgeld

Klaus Rhomberg8.03.2010Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Was ist heiß an Plastik, außer dem Produktionsprozess und der Verbrennung? Plastik hat einiges gemeinsam mit Radioaktivität, Erdöl, Dioxin, Formaldehyd, Asbestfasern, Bioziden und vielem anderen mehr. Es geht ums Geld. Um die richtig großen Summen. Welche Rolle spielen da schon Umweltgefahr, Gesundheitsgefahr?

Seit nunmehr 22 Jahren bin ich Epidemiologe und Umweltmediziner und erlebe bei all diesen Geschäftsbereichen denselben Prozess: Vertuschen, Verleugnen, Zweifeln, Verzögern, offizielle Kenntnisnahme und zum Schluss Grenzwertfestlegung. Die Grenzwerte dürfen dabei die Geschäfte nicht allzu sehr stören. Kritische Experten verlieren ihren Job oder bekommen kein Geld für die Forschung. Beim Plastik gelten die hormonwirksamen Weichmacher, wie die Phthalate oder Bisphenol A, schon länger als Problemstoffe. Bereits 1996 wurde vom Umweltbundesamt in Wien eine Tagung abgehalten, bei der auf die hormonellen Wirkungen von Schadstoffen generell eingegangen wurde.

Zunehmende Infertilität

Es wurden insgesamt 155 verschiedene Stoffe genannt, die für Ökosysteme und die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit problematisch sein könnten. Im Vordergrund wurden die Pflanzenschutzmittel und die Weichmacher im Plastik genannt. Die zusammengetragenen Daten ließen den Schluss zu, dass auch der Kindersegen in den Industrienationen beeinträchtigt werden könnte. Im Jahr 2000 verkündete die österreichische Verwaltung, dass ein Gutteil der Kosten für die In-vitro-Fertilisation von den Krankenkassen übernommen werden soll. Begründung war, dass dies ein kleiner Beitrag gegen die Überalterung der Gesellschaft sein würde. Damals war der Gynäkologe Prof. Dr. Dr. Johannes Huber im Obersten Sanitätsrat in Wien zuständig für diese bevölkerungspolitische Hilfestellung. In einem Telefonat bat ich ihn um seine Einschätzung der Bedeutung von hormonaktiven Inputs in den menschlichen Organismus und den Zusammenhang mit der zunehmenden Infertilität der Paare im fortpflanzungsfähigen Alter.

Erschreckendes Ergebnis

Dies sei ein ganz wichtiger Faktor und ich solle doch ein kurzes Exposé für die nächste Sitzung formulieren. Zwei Wochen später hörte ich bei meiner telefonischen Rückfrage, dass bei der Sitzung nur über die finanziellen Aspekte der IVF geredet worden sei. 2001 bekam ich dann von der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung genug Unterstützung, um eine Dokumentation zur schadstoffbedingten Infertilität zu formulieren (siehe: www.gwf.at, abgeschlossene Projekte). Das Ergebnis: Die Vermeidung von hormonaktiven Substanzen zum Beispiel in Plastik ergäbe eine Halbierung der Fälle von Unfruchtbarkeit.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Boyan Slat ist die bessere Greta Thunberg

Die Schwedin Greta Thunberg gilt als Klimaikone. Aber bei genauer Betrachtung ist die Klimakaiserin nackt! Der smarte Niederländer Boyan Slat hingegen ist weniger bekannt, aber Greta gegenüber mit seinem Klimapragmatismus weit voraus. Aber wer ist der junge Mann aus Delft? Und viel wichtiger: Waru

Kevin Kühnert wird der (über)nächste SPD-Vorsitzende

Ich wette, Kevin Kühnert wird den (noch nicht gewählten) SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und seine Partnerin Saskia Esken ablösen. Sie glauben das nicht? Immerhin hatte ich schon öffentlich eine Wette angeboten, dass die beiden bei der Stichwahl zum SPD-Vorsitz als Sieger hervorgehen,

Was bedeutet der Sieg von Walter-Borjans und Esken?

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sind von der SPD-Basis zum neuen Duo an der Parteispitze gewählt worden. In der Stichwahl setzten sich die beiden Kandidaten klar mit 53,06 Prozent gegen den Vizekanzler Olaf Scholz

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Winfried Kretschmann - Wir müssen die Disruption des öffentlichen Raums verhindern

Wie kann es uns gelingen, die fragmentierte Öffentlichkeit wieder zusammen zu führen? Wie können wir Brücken zwischen der ganzen Fülle unterschiedlichster Gruppen bauen? Müssen wir vielleicht den Ort erst schaffen, an dem ein gemeinsamer Diskurs wieder möglich wird?

Rentner zahlen sechsmal so viel Steuern wie Erben

Rentnerinnen und Rentner, die in diesem Jahr in Rente gehen, zahlen bis zu fünfmal mehr Steuern, als Rentnerinnen und Rentner, die 2010 in Rente gegangen sind. Und das bei gleicher Rentenhöhe, die seitdem real an Kaufkraft verloren hat. Dass die Finanzämter selbst bei einer Bruttorente von 1200 E

Mobile Sliding Menu