Hinter uns liegen 2000 Jahre, die von der Frage nach Gott geprägt sind. Martin Walser

Es geht nur ums Plastikgeld

Was ist heiß an Plastik, außer dem Produktionsprozess und der Verbrennung? Plastik hat einiges gemeinsam mit Radioaktivität, Erdöl, Dioxin, Formaldehyd, Asbestfasern, Bioziden und vielem anderen mehr. Es geht ums Geld. Um die richtig großen Summen. Welche Rolle spielen da schon Umweltgefahr, Gesundheitsgefahr?

Seit nunmehr 22 Jahren bin ich Epidemiologe und Umweltmediziner und erlebe bei all diesen Geschäftsbereichen denselben Prozess: Vertuschen, Verleugnen, Zweifeln, Verzögern, offizielle Kenntnisnahme und zum Schluss Grenzwertfestlegung. Die Grenzwerte dürfen dabei die Geschäfte nicht allzu sehr stören. Kritische Experten verlieren ihren Job oder bekommen kein Geld für die Forschung.

Beim Plastik gelten die hormonwirksamen Weichmacher, wie die Phthalate oder Bisphenol A, schon länger als Problemstoffe. Bereits 1996 wurde vom Umweltbundesamt in Wien eine Tagung abgehalten, bei der auf die hormonellen Wirkungen von Schadstoffen generell eingegangen wurde.

Zunehmende Infertilität

Es wurden insgesamt 155 verschiedene Stoffe genannt, die für Ökosysteme und die menschliche Fortpflanzungsfähigkeit problematisch sein könnten. Im Vordergrund wurden die Pflanzenschutzmittel und die Weichmacher im Plastik genannt. Die zusammengetragenen Daten ließen den Schluss zu, dass auch der Kindersegen in den Industrienationen beeinträchtigt werden könnte.

Im Jahr 2000 verkündete die österreichische Verwaltung, dass ein Gutteil der Kosten für die In-vitro-Fertilisation von den Krankenkassen übernommen werden soll. Begründung war, dass dies ein kleiner Beitrag gegen die Überalterung der Gesellschaft sein würde. Damals war der Gynäkologe Prof. Dr. Dr. Johannes Huber im Obersten Sanitätsrat in Wien zuständig für diese bevölkerungspolitische Hilfestellung. In einem Telefonat bat ich ihn um seine Einschätzung der Bedeutung von hormonaktiven Inputs in den menschlichen Organismus und den Zusammenhang mit der zunehmenden Infertilität der Paare im fortpflanzungsfähigen Alter.

Erschreckendes Ergebnis

Dies sei ein ganz wichtiger Faktor und ich solle doch ein kurzes Exposé für die nächste Sitzung formulieren. Zwei Wochen später hörte ich bei meiner telefonischen Rückfrage, dass bei der Sitzung nur über die finanziellen Aspekte der IVF geredet worden sei.

2001 bekam ich dann von der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung genug Unterstützung, um eine Dokumentation zur schadstoffbedingten Infertilität zu formulieren (siehe: www.gwf.at, abgeschlossene Projekte). Das Ergebnis: Die Vermeidung von hormonaktiven Substanzen zum Beispiel in Plastik ergäbe eine Halbierung der Fälle von Unfruchtbarkeit.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Bündnis 90 Die Grünen, Angelika Niebler, Silvia Ricci.

Leserbriefe

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Mehr zum Thema: Umweltschutz, Gesundheitspolitik, Risiko

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