Wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich stolz. George W. Bush

Erdogans Vorbild: Sultan Mehmet II, Eroberer des christlichen Konstantinopel

Während das Thema Rassismus in der westlichen Kultur großgeschrieben wird, macht sich keiner Gedanken, wenn es um Rassismus gegen die westliche Kultur geht. In der türkischen Community in Deutschland spielt dieser eine große Rolle. Erdogan sieht sich in einer Reihe mit dem großen Führer Sultan Mehmet II, dem Eroberer des christlichen Konstantinopel, meint Klaus-Jürgen Gadamer.

Während die Selbstwahrnehmung des Westens fast obsessiv von einem Schuldgedanken geprägt ist, liegt das anderen Kulturen völlig fern. Weder Mongolen noch den Türken kommt es in den Sinn, sich wegen der grausamen Eroberungen ihrer Vorfahren oder der Versklavung von Millionen Opfer schuldig zu fühlen. Das alles wird mit einem Achselzucken kommentiert. Im Falle der Türken wird die Geschichte so umgebogen, dass der osmanische Imperialismus auch heute mit Stolz erwähnt wird. Selbst der Völkermord an Millionen Armeniern am Anfang des 20. Jahrhunderts wird geleugnet oder den Opfern die Schuld an ihrer Vernichtung gegeben.

Mythen über die Überlegenheit türkischer Kultur

Sultan Mehmet II. ist bei vielen Deutschtürken ein populärer Held und das ist weithin nicht bekannt. In einer türkischen Kneipe erklärte mir ein Gast: Sultan Mehmet hätte Konstantinopel 3 Tage lang mit Brot und Gold beschossen. Solange, bis die christlichen Bewohner von der Großzügigkeit ihrer Eroberer überwältigt, die Stadt übergaben. Nun könnte man dies als Meinung eines verwirrten Gastes abtun. Aber, er sagte nicht nur seine persönliche Meinung. Wie sich bald zeigte, dachten viele Türken in der Kneipe so.

Sultan Mehmed II, eroberte Konstantinopel von den Christen. Er islamisierte die Stadt und dehnte das türkische Reich weiter nach Westen aus. Seine Heere wurden erst 1456 von den Ungarn gestoppt. (Übereinstimmungen mit heute sind rein zufällig.) Trotz dieser Niederlage konnte der muslimische Sultan Mehmed Serbien und Bosnien im türkischen Reich halten. Aus diesen historischen Erfahrungen heraus sind heute die Muslime in den Visegrad-Staaten als Einwanderer weniger beliebt.

In Deutschland ist den wenigsten bewusst, welche Mythen die Türken und Deutschtürken über sich pflegen. Welcher Unsinn über die Überlegenheit der türkisch-islamischen Kultur verbreitet und geglaubt wird. Selbstkritik, wie sie in Deutschland oft in maßloser Form betrieben wird, ist hier völlig unbekannt.

Türkische Verschwörungstheorien

In der türkischen Gesellschaft wird verbreitet, in der Türkei wären alle wichtigen Erfindungen der Welt entwickelt worden. Aber aufgrund der christlich-jüdischen Unterdrückung seien diese Erfindungen nie zum Zug gekommen. Diese Vorstellungen treffen in den geschlossenen Parallelgesellschaften auf große Resonanz. Und sie ergänzen sich ideal mit den Ideen eines deutschen Rassismus der Linken.

Wer Muslimen mit islamischen Selbstmordattentaten konfrontiert, erntet keine Nachdenklichkeit. Vielmehr bekommt er oft reflexhaft vorgehalten:

1. Das hat nichts mit dem Islam zu tun.

2. Das eigentlich Schlimme sind ja die Kreuzzüge der Christen.

Die Wahrheit über die Kreuzzüge

Nun könnte man reflexhaft erwidern: Auch die Kreuzzüge haben mit dem Christentum nichts zu tun. Aber das wäre ähnlich unsinnig, wie zu behaupten, Gewalt stünde in keinem Zusammenhang mit dem Islam. Es ist der alleinige Wahrheitsanspruch des Monotheismus, der den Keim für Intoleranz bildet und damit eine Ursache für Gewalt ist. Das gilt für den Islam und das Christentum, auch wenn Jesus im Gegensatz zu Mohammed selbst keine Gewalt ausgeübt hat.

Fällt das Wort Kreuzzüge, zieht der Deutsche sofort schuldbewusst den Kopf ein, und leistet Abbitte bei den stolzen Muslimen, die vorwurfsvoll gucken. Aber wie war das denn mit den Kreuzzügen? Ab dem 7. Jahrhundert eroberten aggressive muslimische Heere christliche Gebiete im Nahen Osten, in Italien und in Spanien. Das byzantinische Reich umfasste ursprünglich den ganzen Nahen Osten, inklusive Jerusalem. Durch die muslimischen Eroberungen wurden immer mehr Gebiete des christlichen oströmischen Reichs von Muslimen besetzt. Da rief der byzantinische Kaiser Alexios Papst Urban I. um Hilfe und bat ihn, die heiligen christlichen Städte rückzuerobern. Es ging also nichtum Eroberung, wie es im politisch korrekten Falschsprech der Medien verbreitet wird, sondern sie sollten zurückgewonnen werden.

Am Ende eroberte im Jahre 1453 besagter Mehmet II. Konstantinopel und benannte es in Istanbul um. Damit war das christliche Kleinasien Geschichte, Europa hatte es mit einem sich aggressiv ausbreitenden türkisch-muslimischen Großreich zu tun.

Arabischer und westlicher Kolonialismus

Fakt ist, dass es besonders im Namen des Islam aber auch im Namen des Christentums lang andauernde Eroberungskriege gab. Durch Unterwerfung sollte den Heiden das Gute gebracht werden. (Die Übersetzung des arabischen Wortes Islam lautet nicht Frieden, sondern „Unterwerfung".) Idealerweise ergänzte sich das meist mit dem finanziellen Vorteil der missionierenden Reiche. Das ist im Westen über das missionierende Christentum endlos durchgekaut worden. „Postkolonialismus“ ist bis heute ein beliebtes Thema der Antirassismus-Kämpfer. Gegenseitige Versklavung afrikanischer Stämme, islamische Eroberungszüge bis nach Indien samt Versklavung zig Millionen Einheimischer ist seltsamerweise ein Tabuthema. Wahrscheinlich ist es islamophob, sich auch darüber Gedanken zu machen.

Sultan Mehmet II und Sultan Erdogan

Warum ist Erdogan für Özil und Gündogan ein väterlicher Freund? Warum ist Mehmet II. ein Held und Erdogan ein Präsident, den die Deutschtürken zu 2/3 wählen? Warum wird Erdogan als Sultan bezeichnet?

Autoritäre Gesellschaften halten an autoritären Führerfiguren fest. Sie stiften Identifikation, hinter der sich das Volk sammeln, und sie sind Führer, die das Volk groß machen können. Von ihm versprechen sie sich Macht und Stolz. So sieht sich Erdogan in der Tradition des Eroberers Sultan Mehmet II. Seine Anhänger sehen in Erdogan eine Art Reinkarnation des Sultans.

Autoritäre Gesellschaften sind auf Führerfiguren zugeschnitten

Wie ich in meinem Buch: So fremd, so vertraut – die Reise durch Indien immer wieder beschreibe, ist die positive Faszination von Führerfiguren groß: In Asien gilt die Solidarität gegenüber Eltern, Familien, der Nation ungebrochen. Ungebrochen ist auch der Stolz auf die Wurzeln, die Vorfahren. Diese zu verurteilen, ist genauso undenkbar wie die Vorstellung, die eigenen Eltern abzulehnen, egal was diese auch getan haben mögen.

Die Verurteilung der Vorfahren bedeutet auch Selbstverurteilung, Selbsthass, da die Ahnen ja in einem selbst weiterleben. Dies ist in der 3. Welt undenkbar. Und in islamischen Gesellschaften sowieso.

Heiratsverbot zwischen Muslima und ungläubigen Männern

Man kann nur hoffen, dass die Millionen türkischen Muslime in Deutschland und die vielen von Merkel eingeladenen muslimischen arabischen Neudeutschen bald Gott einen guten Mann sein lassen. Leider trifft das heute nur für einen Teil der Muslime zu, der andere Teil radikalisiert sich und bildet unintegrierbare Parallelgesellschaften. Da es im Koran ein Heiratsverbot zwischen muslimischen Frauen und ungläubigen Männern gibt, wird das voraussichtlich auch so bleiben. Insbesondere bei der jungen Generation ist dies einen großen Grund zur Sorge.

Die Heirat einer türkischen Frau mit einem Christen, oder noch schlimmer, einem Atheisten, ist quasi nicht möglich. Der ganze Clan wird dagegen aufstehen. Die Eltern werden der jungen Muslima mit Verstoßung oder noch Schlimmerem drohen. Zusätzlich gibt es natürlich noch Ehrenmorde. Für die es auch weder Selbstkritik noch Reue gibt.

Muslimische Migranten pflegen eine enge Eltern-Kind Beziehungen. Die Kinder tragen im Alter die Verantwortung für ihre Eltern und sind es gewohnt, ihnen Respekt zu erweisen und ihre Autorität zu akzeptieren. Es ist ihnen eminent wichtig, dem Ruf der Familie nicht zu schaden. Es fällt den Deutschen inzwischen schwer, sich dies vorzustellen, aber dies war vor 100 Jahren hier nicht anders.

In einem türkischen Cafe komme ich mit verschiedenen Deutschtürken ins Gespräch. Der Trend ist eindeutig: Es ist wahr, dass der Islam einem Muslim erlaubt, eine Nichtmuslimin zu heiraten, aber er verbietet dasselbe einer Muslima. Natürlich gibt es hier keine Gleichberechtigung. Das heißt, eine gläubige Muslima wird keinen Nichtmuslim heiraten. Denn der Nichtmuslim glaubt nicht, dass der Prophet Mohammed von Gott gesandt wurde und respektiert den Islam nicht. Er neigt dazu, den Lügen, die über den Islam und seinen Propheten verbreitet werden, zu glauben. Er wird seine Frau also negativ beeinflussen.

Neue Aufgaben für die antirassistische Linke

Damit sollte sich die antirassistische Linke einmal auseinandersetzen. Hier hätte sie ein weites Betätigungsfeld. Hier könnte sie flächendeckend ihre moralisierenden Belehrungsfeldzüge starten:

Wie wäre es? Hunderttausende demonstrieren gegen muslimischen Sexismus, türkischem Nationalismus, Antisemitismus und Homophobie. Claudia Roth führt den Zug an, Arm in Arm mit ihren türkischen und arabischen Freunden. Selbstverständlich darf Aiman Mazyek mit seinem Zentralrat der Muslime zusammen mit den Kirchen und Gewerkschaften nicht fehlen.

Wenn dies nicht passiert, und die politisch korrekte Klasse auf diesem Auge blind, und vor dem deutschen Auge ein Vergrößerungsglas hat, also eine Rassismus-Mücke zu einem Nazi-Elefanten aufgeblasen wird, könnte dies auch nach hinten losgehen. Insbesondere, wenn türkische Ressentiments gegen Deutsche als Tabu behandelt und nicht thematisiert werden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ingo Friedrich, Clemens Fuest, The European Redaktion.

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