Ich bin überzeugter Europäer. Thilo Sarrazin

Schwer wie Blei

Beim Apnoetauchen geht es mehr als 100 Meter in die Tiefe. Eine eindrucksvolle Leistung, die es verdient, olympisch zu werden –schließlich hat sie den Menschen früher mal beim Überleben geholfen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Apnoetauchen schon einmal olympisch. Damals wurde es noch als Unterwasserschwimmen der Männer bezeichnet. Momentan wird es vom IOC jedoch nicht anerkannt. Dabei sprechen drei Gründe dafür, es wieder ins olympische Programm aufzunehmen.

Erstens reichen Geschichte und Tradition des Apnoetauchens in die Zeit der Olympischen Spiele der Antike im alten Griechenland zurück. Zweitens verkörpert der Sport das olympische Motto „höher, schneller, weiter” sehr gut, da er enorme körperliche und geistige Fähigkeiten erfordert. Und drittens gibt es weltweit Millionen von begeisterten Apnoetauchern und Fans, die den Sport gern bei Olympia sehen würden.

Wurzeln bis ins antike Griechenland

Wie bei vielen anderen olympischen Sportarten liegen die Ursprünge des Apnoetauchens, auch als Freitauchen bekannt, über zweitausend Jahre zurück. Und wie für viele andere olympische Sportarten gilt auch hier das olympische Motto „schneller, höher, weiter“, wobei in diesem Fall wohl höher durch tiefer zu ersetzen wäre. AIDA International, der internationale Verband für Apnoetauchen, glaubt, dass es eine wertvolle Ergänzung für die Olympischen Sommerspiele wäre.

Beim Apnoetauchen versuchen die Athleten mit einem einzigen Atemzug und ohne die Hilfe eines Atemgerätes zu tauchen und unter Wasser zu schwimmen. Sowohl als Freizeitsport, in Form von Schnorcheln und Speerfischen, als auch im Wettbewerb genießt das Apnoetauchen weltweit wachsende Popularität. Es benötigt wenig Ausrüstung und kann von gesunden Menschen in allen Altersgruppen betrieben werden.

Apnoetauchen entstand aus der Notwendigkeit des Menschen, die Luft anzuhalten, während er zur Nahrungssuche oder zum Lösen des Ankers unter Wasser tauchte. Es wird bis heute für kommerzielle Aktivitäten wie Perlen- oder Schwammtauchen genutzt.

Die Geschichte des Sports reicht bis in das antike Griechenland zurück. „Apnoe“ selbst leitet sich vom griechischen Wort „apnoia“ ab, das sich mit „ohne zu atmen“ übersetzen lässt. Der Ursprung des Wortes hat dabei noch keinerlei Verbindung zum Wasser. Erst in der modernen Sportterminologie wurde „apnoe“ zum Synonym für Freitauchen. Außer den Griechen, die Apnoetauchen zum Schwammtauchen bis ins 20. Jahrhundert kommerziell praktizierten, tauchen auch die Ama-Taucher aus Japan und die Perlentaucher im Persischen Golf seit über 2.000 Jahren frei.

Tiefer als 100 Meter

Das moderne Apnoetauchen begann 1949 als der italienische Flugzeugpilot und begeisterte Speerfischer Raimondo Bucher zur Wette 30 Meter in die Tiefe tauchte, um einen Zylinder mit einem Pergament zu bergen und zurück an die Oberfläche zu bringen. Dieser erste Rekord wurde zwei Jahre später gebrochen. Italien wurde zur Wiege des frühen sportlichen Wettbewerbs im Apnoetauchen. Italiener waren es auch, die für die folgenden 25 Jahre die Rekorde hielten und erstmals eine Tiefe von 100 Metern erreichten.

Die Wettkämpfe werden momentan von zwei Weltverbänden verwaltet: AIDA International (International Association for Development of Apnea) und CMAS (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques). AIDA International wurde 1992 gegründet und ist heute die größte und bekannteste Organisation in der Welt des Apnoetauchens. AIDA International bietet Kurse an, organisiert Wettbewerbe und ratifiziert Weltrekorde. Sie trägt sowohl Einzel- als auch Teambewerbe aus. Momentan sind das acht Disziplinen in zwei Kategorien für Männer und Frauen.

Beim Zeittauchen geht es um die Dauer des Luftanhaltens und es wird üblicherweise im Pool ausgetragen. Beim Streckentauchen geht es um die Distanz beim Schwimmen unter Wasser. Diese Disziplin wird in zwei Kategorien, mit oder ohne Flossen, ausgetragen.

Neben denen im Pool gibt es noch die Tieftauchdisziplinen. Bei den Wettbewerben der AIDA wird die Tiefe, die der Athlet zu tauchen versucht, vor dem Tauchgang bekannt gegeben. Diese Modalität gilt auch für Rekordversuche.

Mit Gewichten in die Tiefe

In der Disziplin „Tauchen mit konstantem Gewicht“ tauchen die Athleten entlang einer Orientierungsseils in die Tiefe, welches während des Tauchgangs allerdings nicht verwendet darf. „Konstantes Gewicht“ bezieht sich auf die Tatsache, dass die Teilnehmer während des Tauchens keine Tauchgewichte abnehmen dürfen. Dafür können wahlweise zwei Fußflossen oder eine Monoflosse verwendet werden. Das „Tieftauchen mit konstantem Gewicht ohne Flossen", funktioniert bis auf die Sache mit den Flossen nach den selben Regeln wie ersteres. Es ist die jüngste Disziplin und erst seit 2003 von AIDA International anerkannt.

Beim „Free Immersion” verwenden die Teilnehmer ein Seil, um sich in die Tiefe beziehungsweise zurück an die Oberfläche ziehen zu lassen. Verglichen zu den Wettbewerben mit konstantem Gewicht besticht es durch Einfachheit.

„Tieftauchen mit variablem Gewicht” ist ebenfalls eine beliebte Disziplin. Zum Absinken wird ein mit Gewichten beschwerter Schlitten benutzt. Um zurück an die Oberfläche zu gelangen, ziehen sich die Athleten an einer Leine hoch oder schwimmen mit Hilfe ihrer Flossen.

Schließlich gibt es noch „No Limit.“ Hierbei sind den Teilnehmern alle Mittel erlaubt, um in die Tiefe und zurück an die Oberfläche zu kommen, solange eine Schnur zur Distanzmessung verwendet wird. Die meisten Taucher verwenden einen beschwerten Schlitten zum Abtauchen und einen aufblasbaren Ballon, um zurück an die Oberfläche zu kommen.

Sie sehen also, dass einige gute Gründe dafür sprechen, Apnoetauchen wieder zum olympischen Sport zu machen. Es wird vielleicht noch eine Weile dauern, aber wir bleiben hoffnungsvoll.

Übersetzung aus dem Englischen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Rüdiger Hüls, Andreas Ketelhut, Ibrahim Mazari.

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