Wir brauchen mehr Arbeitsplätze, nicht mehr Druckmittel gegen Arbeitslose. Heinrich Franke

Romney punktet wieder

Der republikanische Herausforderer Mitt Romney geht als Punktsieger aus dem ersten Fernsehduell mit Präsident Obama hervor. Doch der Weg ins Weiße Haus ist lang.

„Romney wins the night“ (huffingtonpost.com), „Combative Romney wins first debate“ (thetimes.co.uk) oder „Romney punktet im Fernsehduell“ (faz.net). Das Medienecho am Morgen nach dem ersten direkten Schlagabtausch zwischen Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney ist eindeutig. Und auch bei den Wählern liegt Romney in der Bewertung des ersten Fernsehduells vorne. Laut einer Blitzumfrage des US-Senders sehen 67 Prozent der 430 befragten Bürger Mitt Romney als Gewinner der Debatte, während nur 25 Prozent Barack Obama als Sieger der Debatte sehen.

Während Wirtschaft und Arbeitsmarkt in den USA weiterhin schwächeln, überzeugt Romney als Mann der Wirtschaft. Auf der anderen Seite hat Obama Probleme seine wenigen innenpolitischen Erfolge wie die Gesundheitsreform erfolgreich zu verkaufen. Darüber hinaus lässt der Amtsinhaber eine gewisse Aggressivität vermissen und kann Romneys Argumente aus der Defensive heraus nicht überzeugend kontern. Die traditionelle Zurückhaltung des Amtsinhabers, durch die Obama eine präsidiale Aura erzeugen will, verträgt sich offensichtlich nicht mit der emotionalen und charismatischen Art des US-Präsidenten.

Nur die erste Etappe von vielen

Nach dem ersten Fernsehduell stellt sich jetzt die Frage, wie der Schlagabtausch in den Verlauf des Wahlkampfes einzuordnen ist. Vor dem Rededuell lag Obama in den Umfragen vorne und konnte insbesondere auf einen Vorsprung in den wahlentscheidenden Swing States bauen. Während Barack Obama mit dem Bonus des Amtsinhabers ins Rennen geht, hat der republikanische Herausforderer Mitt Romney bereits im Vorwahlkampf an Glanz verloren.

Das Attribut „Flip-Flop Mitt“, das Romneys Sprunghaftigkeit bei politischen Inhalten beschreibt, oder die Darstellung als kaltherziger Unternehmenslenker bei Bain Capital, der die Wähler darüber hinaus über sein eigenes Vermögen im Unklaren lässt, beeinträchtigen immer wieder den Wahlkampf von Mitt Romney. Auch die vor kurzem öffentlich gewordene „47 Prozent“-Bemerkung stellt für Mitt Romney einen besonderen Ballast im Kampf um die Wechselwähler in der Mitte dar. Trotz alledem konnte der defensiv auftretende Barack Obama keinen dieser Punkte im Rededuell für sich nutzen. Aus seiner Position als Außenseiter heraus, konnte Mitt Romney damit in der ersten Debatte überzeugen.

Im Wettkampf um das Weiße Haus ist das erste Fernsehduell jedoch nur eine Etappe unter vielen. Bis zu den Wahlen am 6. November folgen am 16. und 22. Oktober noch zwei weitere Duelle der beiden Kandidaten. Während das zweite Fernsehduell im Town-meeting-Format stattfindet und damit dem charismatischen Menschenfänger Obama entgegenkommen dürfte, befasst sich das abschließende Duell mit der Außenpolitik, der natürlichen Domäne jedes US-Präsidenten. Hier wird der Friedensnobelpreisträger Barack Obama mit dem Truppenabzug aus dem Irak und der Tötung von Osama bin Laden wichtige Punkte machen können. Der frühere Governor of Massachusetts, Mitt Romney, verfügt dagegen über keine besonderen Erfahrungen in der Außenpolitik und musste für seine Äußerungen nach dem Angriff auf die amerikanische Botschaft in Libyen erst vor kurzem Kritik einstecken.

Vor den beiden abschließenden Duellen werden auch noch die beiden Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Paul Ryan am 11. Oktober um die Gunst der Wähler werben. Dabei verspricht das Duell des Vizepräsidenten und Politikveteranen Joe Biden und des jungen Paul Ryan, der als ideologischer Anführer der Tea-Party-Bewegung gilt und zum Beispiel bei der Haushaltssanierung als republikanischer Hardliner auftritt, einiges an Spannung.

Noch keine Vorentscheidung

Wie ist das erste Fernsehduell des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2012 abschließend einzuordnen? Mitt Romney geht gegen einen defensiven und nicht überzeugenden Barack Obama als Punktsieger hervor. Er profitiert dabei mit Sicherheit auch von seiner Position als jemand der nichts zu verlieren hatte und die eigene Partei hinter sich versammeln musste. Während Mitt Romney fast alles richtig macht, verfügt Präsident Barack Obama noch über Potential und die Möglichkeit die nächsten Fernsehduelle besser zu prägen.

Das erste direkte Aufeinandertreffen der Kandidaten dürfte republikanische Wähler mobilisiert und Wechselwähler nachdenklich gestimmt haben. Eine Vorentscheidung im Präsidentschaftswahlkampf ist aber mit Sicherheit nicht gefallen. Entscheidend werden die weiteren Fernsehduelle, aber auch der Wahlkampf im Fernsehen, im Internet und auf der Straße sein. Der enge Obama-Vertraute David Axelrod urteilt dann auch einmütig wie der Republikanische Senator Marco Rubio, dass das Rededuell kein „Game Changer“ gewesen sei und Mitt Romney sich weiterhin in der Rolle des Außenseiters befindet. Vielleicht fasst das politische Online-Magazin politico.com die Lage nach dem ersten Fernsehduell ja am besten zusammen, wenn es urteilt: „Mitt Romney wins a reprive“ – „Mitt Romney verschafft sich eine Atempause“.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ansgar Graw, Kerstin Plehwe, Jan Philipp Burgard.

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