Ich bin nur ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn. Joseph Ratzinger

Relax (Don't Do It)

Gestresste Schüler, überforderte Lehrer, Amokläufe. Die Situation an deutschen Schulen spitzt sich zu. Dass etwas passieren muss, liegt auf der Hand. Doch was?

Mein Vorschlag: Yoga als (Wahl-)Pflichtfach an die Schulen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Yoga gegen Stress wirkt, Konzentration und Gesundheit fördert und Ausgeglichenheit bringt. Doch noch mehr: Regelmäßiges Üben kann Aggressionspotenzial reduzieren. Das Yoga nicht in die Ecke “esoterischer Quatsch” gehört, hat inzwischen Gott sei Dank (fast) jeder begriffen. Diese Erkenntnis wird inzwischen auch für nicht spirituelle Kritiker wissenschaftlich untermauert:

Entspannung, Ruhe, Gelassenheit, Wachheit

Seit vielen Jahren befassen sich Wissenschaftler mit dem Thema, das endlich mehr Gehör erlangt. Auszüge aus Forschungsergebnissen:

- psychische Auswirkung von Yoga: Entspannung, Ruhe, Gelassenheit, Wachheit, harmonische Stimmung, Stressresistenz, Angstverminderung (EBERT 1988)

- höherer Grad an Zufriedenheit, niedriger Grad an Erregbarkeit, Aggressivität und Emotionalität (SCHELL 1995 in WAHSNER 2002)

- Verringerung von Ängsten, Psychoneurosen, Verbesserung des allgemeinen Selbstwertgefühls, Gefühl von Getragensein und Geborgenheit (ENGEL 1995 in FUCHS 2000)

- Marcus Stück legte 1997 die Dissertation “Entspannungstraining mit Yogaelementen in der Schule” vor. Er untersuchte 110 12- und 13-Jährige, die er einer selbst entwickelten Übungsreihe zweimal wöchentlich für 60 Minuten unterzog. Die Ergebnisse sprechen für sich (STÜCK 1998)

Einen Schritt weiter gehen angesehene Hirnforscher und Neurologen, die belegen können, dass regelmäßiges Üben von Yoga und Meditation das Gehirn “umprogrammieren” kann:

- Korrelation zwischen Stressverarbeitung im Gehirn (Amygdala) und Übungen zur Achtsamkeit: Britta HOLZEL, Harvard University

- Prof. Dr. Gerald Hüther erforscht unter anderem die Auswirkung von gewalttätigen Computerspielen, spricht sich gegen die vorschnelle Behandlung von Kindern
 mit ADHD mit Ritalin aus und stellt mit seinem Projekt www.win-future.de viele Informationen zum Thema

Die Kosten sind überschaubar

Oft gehörte Argumente in der Diskussion sind “aber das kostet doch” oder “ein gewöhnlicher Lehrer kann das nicht leisten”. Die Kosten für Yogamatten sind sehr überschaubar, sicher ist es sogar machbar, hier mit Sponsoring zu arbeiten, und auch um die Ausbildung von Lehrern wird sich bereits mancherorts gekümmert:

- Dr. Nils Altner unterrichtet zukünftige Lehrer im Hinblick auf Selbstfürsorge, Achtsamkeit und Gesundheitsförderung: Forschungsprojekt “Achtsamkeit macht Schule”

- Vera Kaltwasser bildet Lehrer aus, im Unterricht Achtsamkeitsübungen und Übungen zur Selbstregulation durchzuführen

Dies sind nur wenige Beispiele dessen, was schon passiert. Angesichts von immer mehr Vorfällen wie den jüngsten Amokläufen und der negativen Entwicklung zu vieler Jugendlicher sollte klar sein, dass es an der Zeit ist, einem solch einfachen und offensichtlich wirkungsvollen Instrument die Chance zu geben und Yoga an alle Schulen zu bringen. Seitens des Sekretariats der Kultusministerkonferenz besteht zumindest Offenheit: “So wie es in den Ländern viele gut angenommene Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen gibt, sind auch Kooperationen mit Institutionen, die Yoga anbieten, möglich.”

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft Geld also in Yogamatten und nicht in Polizeieinsätze an Schulen gesteckt wird.

(Danke unter anderem Sabine Martin, C. V. Ravindranath und allen Obengenannten für ihre Arbeit.)

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Andreas T. Sturm, Andreas Törgel, Peter Langman.

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