Durch den Bruch ist eine totale Leere entstanden. Christian Mackrodt

Raus aus der Opferrolle

Es geht um Respekt gegenüber den Frauen. Und den kann auch ein Aktionstag wie der Internationale Weltfrauentag stärken. Doch Gleichheit darf kein Kuriosum, sondern muss Alltag sein.

Die Wirkung von Symboltagen ist immer eine zweischneidige: Ein eingeführter „Weltfrauentag“ mag das Thema Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein Stück weit ins öffentliche Interesse rücken. Direkt erreicht wird dadurch nichts. Ist er also so etwas wie eine „politische Talkshow“? Er kehrt immer wieder, er bekommt Beachtung. Aber so wie eine politische Talkshow noch nie irgendein Problem gelöst hat, bleiben Aktionstage diese Erfolgsbilanz auch schuldig? Mitnichten. Der Sinn oder Unsinn von Symboltagen wie dem „Weltfrauentag“ oder Aktionstagen wie einem „Girl’s Day“ lassen sich natürlich nicht direkt in der prozentualen Gehaltszunahme der weiblichen Arbeiterschaft ablesen. Eine Korrelation zwischen der Anzahl von Weltfrauentagen und dem Anteil weiblicher Vorstände in deutschen Daxunternehmen zu messen, mag keinen großen Erkenntnisgewinn bringen.

Trotzdem sind diese Symboltage, die aufhorchen lassen, sinnvoll. Denn es geht hier vor allem um eines: Den Respekt vor der Leistung von Frauen im beruflichen und privaten Alltag. Den Respekt auch vor den Herausforderungen, die das Leben als Frau bietet. Respekt ist das Zauberwort. Hier beginnt jede Gleichberechtigung, auch die bei den Karrieremöglichkeiten am Arbeitsplatz – derzeit das Hauptthema, wenn es um den Ausgleich zwischen Mann und Frau geht.

Wir wollen keine Opfer sein

Ganz wichtig ist für mich, dass ein Weltfrauentag Frauen nicht primär in der Opferrolle sieht. Dadurch, dass eine Gruppe besonders beschützt, besonders gefördert, besonders verteidigt werden müsse, suggeriert man die Schwäche dieser Gruppe. Das ist eine Kehrseite, die der modernen Frau nicht gerecht wird. Mit einer Zwangsförderung, bei der es nicht mehr um individuelle Leistung geht – wie etwa bei einer Frauenquote in der Politik – werden die Durchsetzungsfähigkeit, die Stärke, die Kraft, die Frauen entwickeln können, für unnötig erklärt – nach dem Motto: „Anstrengen brauchst Du Dich nicht mehr, denn es gibt ja die Quote.“ Dies widerstrebt dem Leistungsprinzip und damit der Lebenseinstellung vieler junger Frauen. Von Respekt brauchen wir in diesem Zusammenhang überhaupt nicht mehr zu reden. Wer respektiert eine Quotenfrau?

Seine beste Rolle spielt der Weltfrauentag für mich als Erinnerungstag an den entbehrungsreichen Kampf der Frauenrechtlerinnen der Vergangenheit. Das waren mutige Nonkonformistinnen. Frauen, die sich mit der Rolle des abhängigen Opfers nicht abfinden wollten. Und auch hier geht es wieder um Respekt. Respekt für die Errungenschaften, die für uns selbstverständlich geworden sind, dies aber nicht immer waren: Die gleichberechtigte Stellung der Frau in der Ehe oder das Frauenwahlrecht sind die wichtigsten Beispiele. Sich vor Augen zu führen, dass dies einst keine Selbstverständlichkeiten waren, kann nicht verkehrt sein. Dass dies das Ergebnis eines politischen Kampfes war, den zwangsläufig in erster Linie Frauen kämpften, kann auch heute noch Frauen inspirieren, etwas Mutiges zu starten oder motivieren, ihre Projekte auch durchzusetzen.

Die ganz normale Chancengerechtigkeit

Die Crux aller Symboltage, die ein bestimmtes Ziel haben, ist, dass sie sich dann überlebt haben werden, wenn ihr Ziel erfüllt ist. In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass sich der Weltfrauentag eines Tages überlebt haben wird. So hoffe ich, einen Alltag erleben zu können, in der ein Weltfrauentag nur noch ein Kuriosum sein wird. Dann nämlich, wenn die Chancengerechtigkeit zwischen Mann und Frau so umgesetzt ist, dass sie nicht mehr der Rede wert sein wird.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sabine Kleindiek , Heike Heim, Bündnis 90 Die Grünen.

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