Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit. Willy Brandt

"Just Add German"

Die hochkarätig besetzte Sprachkonferenz des Goethe-Instituts in New York ist zu Ende. Eine Bilanz.

Praktisch denken, pragmatisch vernetzen, regional kooperieren und selbstbewusst werben: Auf diese Ziele haben sich die Teilnehmer der New Yorker Spachkonferenz verständigt, zu der das Goethe-Institut am 17. September in seine Räume im hippen New Yorker Künstler- und Designerviertel SoHo eingeladen hatte.

35 Spitzenvertreter von amerikanischen Bildungsbehörden, Hochschulen, Fachverbänden und Medien sowie die Deutsche Botschaft in Washington und deutsche Mittlerorganisationen diskutierten im Plenum und in verschiedenen Arbeitsgruppen über „Strategien zur nachhaltigen Förderung von Deutsch in den USA“.

Sam Dillon, Bildungskorrespondent der New York Times, informierte die Teilnehmer über die Fremdsprachenpolitik der USA – auf der nationalen, bundesstaatlichen und lokalen Ebene. Sein Fazit: „Leider gibt es in den Vereinigten Staaten keine konsistente und kohärente Fremdsprachenpolitik.“ Deutsch sei – vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges und den Terroranschlägen von 9/11 – nicht mehr auf der Prioritätenliste für sogenannte „kritische Sprachen“ der amerikanischen Regierungsbehörden.

Dillon, der im Juli einen Sprachkurs beim Goethe-Institut in Berlin besucht hatte, nannte folgende Trends bei der aktuellen Entwicklung der Fremdsprachenprogramme in den USA:

- Der rasante Aufstieg von China als Wirtschaftsmacht: Dieser führe zur steigenden Nachfrage von Mandarin in den USA. Die chinesische Regierung habe das erkannt und subventioniere systematisch chinesische Sprachlehrer in den USA.

- Die Globalisiering, die, so Dillon – „ein zweischneidiges Schwert“ sei: Auf der einen Seite habe die US-Regierung zwar die Notwendigkeit einer multilingualen Erziehung und Ausbildung erkannt. Auf der anderen Seite diagnostiziert Dillon seinen Landsleuten einen „selbstgefälligen Pragmatismus“: Wenn Englisch ohnehin die Weltsprache sei, warum dann Zeit verschwenden, noch andere Sprachen zu lernen?

- Schließlich: Geld. Beim Budget-Showdown im April zwischen US-Präsident Barack Obama und dem republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner wurde das Budget für das größte nationale Fremdsprachenprogramm kurzehand um die Hälfte gekappt.

Trotz dieser eher düsteren Gesamtaussichten steht Deutsch als Fremdsprache in den Vereinigten Staaten jedoch immer noch auf Platz drei nach Spanisch und Französisch. Die Zahl der Neueinschreibungen für Deutsch an Schulen und Hochschulen liege bei sechs Prozent, die Tendenz sei sogar leicht ansteigend, wie Helene Zimmer-Loew berichtete. Zimmer-Loew ist Geschäftsführerin des amerikanischen Deutschlehrerverbandes „American Association of Teachers of German“ (AATG) und bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „eifrige Statistiken-Sammlerin“.

Von den politischen Prioritätenlisten abgesehen, sei vielen Amerikanern in ihrem Alltag oft gar nicht bewusst, „wie stark ihr Leben von der deutschen Sprache geprägt ist“, sagte Dr. Bertram von Molkte, Leiter der Kulturabteilung bei der deutschen Botschaft in Washington, DC.

Die Teilnehmer des New Yorker Workshops waren sich deshalb einig: Der praktische Mehrwert von Deutsch in der Ausbildung und im Beruf, vor allem in naturwissenschaftlichen, technischen und betriebswirtschaftlichen Feldern müsse deutlicher und lauter vermittelt werden. Eine koordinierte Werbeaktion für Deutsch solle im Idealfall deutsche Sprachförderer und deutsche Sprachmittler, die deutschen diplomatischen Vertretungen, die deutsch-amerikanischen Handelskammern ebenso wie deutsche Unternehmen in den USA zusammenbringen. Der Arbeitstitel für den neuen Slogan lautet: „Just Add German“.

Deutschlehrer und Deutschförderer beschlossen, künftig an Schulen und Universitäten einen engeren Schulterschluss mit Kooperationspartnern aus den Bereichen Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und Wirtschaftswissenschaften zu suchen. Vertreter von verschiedenen Deutschprogrammen in den USA wiesen außerdem darauf hin, dass die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Colleges und Highschools vor allem auf regionaler Ebene ausgebaut werden müsse.

„Der Workshop hat uns allen deutlich gemacht, dass wir neue Zielgruppen ansprechen müssen“, sagte Dr. Eva Marquardt, Leiterin der Spracharbeit Nordamerika beim Goethe-Institut New York. Junge Menschen seien heute sehr viel pragmatischer als noch vor zehn Jahren. Da reiche es nicht mehr alleine, Deutsch als „cool“ oder „übercool“ zu vermarkten. „Wir müssen stärker mit dem Mehrwert von Deutsch im Berufsleben werben, wir müssen eine Antwort auf die Frage von Schülern oder Studenten geben: ,Was habe ich davon?‘ – Wir müssen ganz einfach die Botschaft vermitteln: Deutschlernen hat einen sehr praktischen Nutzen.“

Das Auswärtige Amt in Berlin erwägt derzeit, der Förderung der deutschen Sprache in den USA künftig wieder größeres Gewicht zu verleihen. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte Deutschland den Schwerpunkt seiner Bildungs- und Sprachenpolitik stärker nach Osteuropa verlagert.

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