Biopiraten auf Patentjagd

Jutta Sundermann18.10.2010Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Eine stetig steigende Zahl von Patenten auf genmanipuliertes Saatgut gefährdet unsere biologische Vielfalt. Große Unternehmen wie Monsanto haben genügend Kapital, um durch den Aufkauf der Konkurrenz einen Monopolmarkt zu errichten. Erweisen sich die patentierten Sorten als anfällig für Ungeziefer, werden Erinnerungen an die großen Hungersnöte der Vergangenheit wach.

Patente sind Monopolrechte – sie sichern theoretisch den Erfindern, praktisch ihren wenigen großen Arbeitgebern, Monopole auf Zeit. Menschenrechtler trommeln deswegen gegen “Biopiraterie” – und prangern damit einen im Wesentlichen legalen Skandal an: Patente können inzwischen auch auf lebendige Organismen, auf Gene oder auf Zucht- und Verarbeitungsverfahren erteilt werden. Religiöse und ethische Gegenargumente liegen auf der Hand, wenn eine Maus durch eine gentechnische Manipulation mit “Krebsgarantie” geboren wird. Die Kritik an Patenten auf Leben im weitesten Sinne geht jedoch noch deutlich weiter. Saatgut beispielsweise ist Gegenstand zahlreicher Verschärfungen geistiger Eigentumsrechte und zunehmend auch der Patentierung. Diese Patente gefährden die biologische Vielfalt, verschärfen den Hunger in der Welt und könnten der bäuerlichen Landwirtschaft den Garaus machen.

Leben erfunden?

Unsere Nutzpflanzen haben eine lange Geschichte. Über Jahrtausende haben Menschen Pflanzen weiterentwickelt, zumeist auf der Grundlage des Tausches. Es ist schwer begreifbar, warum einem Unternehmen, das einem Mais eine neue Eigenschaft zufügt, so weitreichende Monopolrechte zugesprochen werden sollten. Denn: Das Durchgriffsrecht des Patentinhabers erstreckt sich auch auf die nachfolgenden Generationen und ein Bauer darf aus seiner eigenen Ernte kein Saatgut behalten und erneut ausbringen. Ein Verfahrenspatent kann nicht nur eine Nutzung, sondern eine Vielzahl davon verhindern. Die Patentierung verschärft das Tempo der Konzentration in der Landwirtschaft: Große Unternehmen können Patente problemlos finanzieren, viele beschäftigen eigene Rechtsexperten und blockieren immer mehr “Zwischenprodukte” durch Patente für die Schublade. So etwas können sich Mittelständler nicht leisten. Millionen von Kleinbauern haben überhaupt keine Möglichkeit, bei diesem Monopoly mitzuspielen. Seit Jahren tobt ein Verdrängungskampf im Saatgutsektor, nur wenige transnationale Konzerne bleiben übrig. Sie nehmen massiven Einfluss auf den Anbau der Zukunft und auf die Politik. Eine Konzern-Allianz aus Pfizer (Pharma), Dupont (Chemie, Saatgut) und IBM (Computer) erreichte mit massiver Lobbyarbeit Ende der 80er-Jahre, dass Patente Eingang fanden in das Vertragswerk der Welthandelsorganisation und heute kaum noch ein Land Patenterteilungen verweigern oder die Gültigkeit von Patenten infrage stellen kann.

Gefahr für die Vielfalt, für die Ernährung der Zukunft

Betriebswirtschaftlich ist es sinnvoll, ein Patent voll auszunutzen und das entsprechende Saatgut mit dem Monopolrecht massiv zu vertreiben. Das ist längst eine Gefahr für die landwirtschaftliche Vielfalt. Monsanto hat in Indien in einigen Regionen sämtliche Anbieter von Baumwollsaatgut aufgekauft. Wer dort Baumwolle anbauen will, kommt am patentierten, gentechnisch veränderten Saatgut nicht vorbei. Seit einiger Zeit melden immer mehr indische Anbauer einen Schadpilz in den teuren Gentechnikkulturen, der zu empfindlichen Ernteverlusten führt. Die große Hungersnot in Irland, der 1845–49 über eine Million Menschen zum Opfer fielen, wird auf die Kartoffelfäule in diesem Jahr zurückgeführt, die so verheerend wirken konnte, weil es keine Vielfalt der Kartoffelsorten gab und so auch nicht ein Teil der Ernte der Pflanzenkrankheit widerstehen konnte. Wenn wir entscheiden, künftig eine Landwirtschaft und eine Medizin haben zu wollen, die Vielfalt schützt und mehrt, traditionelles Wissen anerkennt und auf der Basis von Kooperation weiterentwickelt, ist klar: Patente vernichten diese Entwicklungsperspektive.

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