„Malvina, Diaa und die Liebe“

von Julian Tumasewitsch Baranyan28.02.2018Gesellschaft & Kultur, Medien

Die Ausstrahlung der, vom Hessischen Rundfunk produzierten, Dokumentation „Malvina, Diaa und die Liebe“ sorgt seit Wochen für heftige Aufregung im Netz.

Abbildung von Realität in den Medien

Sicher sollte man den Beitrag auf keinen Fall überdramatisieren.

Es wird eine Liebesbeziehung zwischen einer Teenagerin und einem Geradeso-Twen thematisiert, deren Weltbilder sich noch ändern können, und in die jede Einmischung von außen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, den exakt gegenteiligen Effekt auslösen würde.

Der Ruf nach dem Verbot durch die Eltern des Mädchens ist zulässig, aber keinesfalls ein Mittel, das die gewünschte Änderung herbeiführen kann.
Teenager sind hormonbedingt meist trotzig. Jeder Widerstand Dritter macht solche Beziehungen stärker.

Des Weiteren sind sie Realität und, aufgrund der Einvernehmlichkeit und des geringen Altersunterschieds, auch nicht illegal.

Daher ist die Thematisierung zunächst einmal absolut legitim und notwendig, denn Medien sollen Realitäten abbilden und reflektieren.

Ein zu heißes Eisen für den Kinderkanal

An der Art und Weise gibt es jedoch zu recht einiges auszusetzen.

Denn das Frauenbild, das in der Doku vermittelt wird, ist in einer aufgeklärten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts hochproblematisch.

Gegen einen selbstbewussten und sympathischen Macho an ihrer Seite haben viele moderne Frauen nichts einzuwenden.

Der männliche Protagonist sprengt dieses Bild deutlich, indem er gegenüber seiner Partnerin Kleidungsvorschriften und pauschale Umgangsverbote zu anderen männlichen Homo Sapiens verhängt.

Seine Einstellungen erinnern an folgendes Zitat der iranischstämmigen, kanadischen Wissenschaftlerin Haideh Moghissi, die in Nordamerika eine anerkannte Expertin zu u.a. Nahostfragen oder dem Themenkomplex “Islam und Gender” sowie Vertraute von Präsident Justin Trudeau ist.

“Der Ausdruck der Wünsche der Frau und die Verfolgung ihrer Interessen widerspricht den Interessen des Mannes, und stellt die gottgegebenen Rechte des Mannes gegenüber der Frau in Frage. Den sexuellen und moralischen Überzeugungen und Praktiken in islamischen Gesellschaften liegt die Auffassung zugrunde, dass die Frau in moralischer Hinsicht schwach ist, und keine kognitiven Fähigkeiten besitzt, aber sexuell kraftvoll und unwiderstehlich verführerisch ist.”

Kindgerecht und für eine Zielgruppe im Alter von 10 bis 13 Jahren, wie sie der KiKa nach eigenen Angaben mit der Sendung ansprechen möchte, ist „Malvina, Diaa und die Liebe“ auf gar keinen Fall.

Man kann und soll diesen oder ähnliche Beiträge gerne ausstrahlen und sich ansehen.

Aber bitte auf einem anderen Sender und mit z.B. dem dänischen Film “Fightgirl Ayşe” oder Feo Aladağs “Die Fremde”, in denen junge muslimische Frauen versuchen, genau jene Gesellschaftsmodelle zu durchbrechen, welche Malvina aus Zuneigung zu ihrem Partner freiwillig wählt, oder auch dem Klassiker „Nicht ohne meine Tochter“ als eine Art Gegenentwurf bzw. Ausgleich.

ÖR sollte sich und Zuschauern Fehler eingestehen

Die Aufregung und Empörung mögen bisweilen über das Ziel hinaus schießen, sind aber dennoch allemal verständlich.

Zum Einen befeuern die Falschangabe des Alters und Namens der männlichen Hauptfigur seitens des Hessischen Rundfunks und des KiKa, sowie die Enthüllung über seine Sympathie für den salafistischen Prediger Pierre Vogel die aufkommende Ablehnung gegenüber dem Sendeformat.

Außerdem ist das Thema nach den, sich stark ähnelnden, Verbrechen von Kandel und Darmstadt verständlicherweise extrem sensibel.

Nun sämtliche Kritik und berechtigte Sorge als „Schwall von Hasskommentaren“ abzutun, ist an kindisch-trotziger Unsachlichkeit kaum zu überbieten.

So geschehen ist dies im Januar auf der offiziellen Facebookseite des Ersten Deutschen Fernsehens ARD.

Die an Produktion und Ausstrahlung Beteiligten, alle samt Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, haben ein, unbedingt kontrovers zu betrachtendes, brandaktuelles, gesellschaftliches Konfliktfeld einseitig romantisiert, und zu allem Überfluss einer Zielgruppe präsentiert, bei der altersbedingt die Gefahr der unreflektierten Adaption stark gegeben ist.

Die Verantwortlichen täten gut daran, sich selbst und den Zuschauern gegenüber ihre Fehler einzugestehen, statt nun ihrerseits unsachlich gegenüber den Kritikern zu polemisieren.

Quelle: “Fisch und Fleisch”:https://www.fischundfleisch.com/julian-tumasewitsch-baranyan/nicht-ohne-meine-tochter-fightgirl-ayse-und-die-fremde-zwischenruf-zur-debatte-um-die-dokumentation-42876

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