Warum Trump der richtige Mann ist

Julian Tumasewitsch Baranyan11.11.2016Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Trump sieht klar, wo im Syrienkrieg die wirklichen Verbecher sitzen. Er möchte die Beziehungen zu Russland normalisieren und er hat Serbien Reparationen für die Angriffe auf Belgrad von 1999 versprochen. Trump ist auf dem richtigen Weg. Deshalb würde uns hierzulande mehr emotionale Distanz bei der Bewertung des Ausgangs der US-Wahl in den Vereinigten Staaten gut zu Gesicht stehen.

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Womit niemand gerechnet hatte, ist eingetreten. Der Republikaner Donald Trump hat sich in der Wahl zum 45. Präsidenten der USA gegen die Demokratin Hillary Clinton durchgesetzt. Von Trump gibt es eine Reihe von Zitaten, die sich diskriminierend gegenüber Frauen, einigen Ethnien und sexuellen Orientierungen lesen. Das kann niemand mit gesundem Menschenverstand gutheißen.

Für mich aber wiegt keine dieser Äußerugen so schwer – im negativen Sinne – wie Clintons Agieren in ihrer Zeit als US-Außenministerin. Damals trat sie für ein militärisches Eingreifen der USA in Syrien auf der Seite von dschihadistischen Milizen wie Jabhat Al Nusra, Ahrar ash Sham und Liwa Sultan Murat ein. Welche Katastrophe das für die Alawiten sowie Christen in Syrien,die Syrisch-Orthodoxen, die Maroniten, die Melkiten, die Armenier, die Aramäer und auch die mit Rom unierten orientalischen Kirchen bedeutet hätte, muss ich wohl niemandem mit ein wenig Vorbildung zum Nahen und Mittleren Osten erklären. Zum Glück konnte sich Clinton nicht gegen das Pentagon durchsetzen. Ich befürchte, als Präsidentin wäre sie dazu in der Lage gewesen!

Folglich wunderte es mich auch nicht, dass ich heute morgen bei zwei Freunden mit kurdisch-alevitischen Wurzeln, einer sieht sich als Atheist, der Andere verortet sich im schiitischen Islam, eine gewisse Freude über den Sieg Trumps feststellte. Ein aramäischer Freund mit direkten Kontakten nach Aleppo gab sich ebenfalls erleichtert. Einige armenische Freunde äußerten sich nicht direkt zur Wahl, bekundeten aber Unverständnis über ihre Rezeption in deutschen Medien und Spitzenpolitik.

Bei meinen jüdischen Freunden stelle ich ebenfalls große Unterschiede in der Bewertung des Wahlergebnissess fest. Einige sehen es sehr negativ, da Trump viel Applaus aus bekennend rassistischen Kreisen bekommt. Andere wiederum zeichnen ein positives Bild und sehen in Trump eine Chance für die, unter Obama stark in Mitleidenschaft gezogenen, Beziehungen zwischen Israel und den USA.

Deutsche Doppelmoral

Gespaltener und krasser fielen die Reaktionen bei deutschen Freunden aus. Hier habe ich, was mein Umfeld angeht, den Eindruck einer extremen 50:50-Polarisierung. Die Weltuntergangsszenarien jedenfalls, die deutsche Medien gerade malen, befremden mich. Was mich aber nicht nur befremdet, sondern regelrecht etwas wütend macht, sind die Reaktionen aus den Reihen der deutschen Bundesregierung.

Da hätten wir zum Beipsiel einen Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich weigert, Saudi-Arabien als Diktatur zu klassifizieren, dem AKP-Regime zum gelungenen Schmierentheater der Niederschlagung eines vermeintlichen Militärputschs gratuliert, und für den die Zerstörung kurdischer Städte wie Cizre durch das türkische Militär unter ein “Recht sich zu verteidigen” fällt. Ausgerechnet er prescht als Moralisteninquisitor Nr.1 vor, und gratuliert dem “Hassprediger” Trump nicht, weil er “nichts schönreden” wolle. Viel dummdreister als Herr Steinmeier kann man arrogante und unverhältnismäßige Doppelmoral nicht öffentlich zelebrieren!

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel das devote Verhalten, das sie gegenüber, um es mit Gerhard Schröder zu sagen, den “lupenreinen Demokraten” aus Doha oder Ankara an den Tag zu legen pflegt, plötzlich vermissen lässt, und gegenüber dem nächsten Bewohner des Weißen Hauses sofort den moralischen Zeigefinger hebt, sei geschenkt. Es passt genauso ins Bild wie Sigmar Gabriels undifferenzierte und mit politischen Kampfbegriffen gespickte Phantasien vom Sieg einer “chauvinistischen Internationalen”. Hätte sich jemand aus dem gegenüberliegenden politischen Lager wie Gabriel geäußert, er bekäme augenblicklich den Stempel eines astreinen Verschwörungstheoretikers.

Drei Argumente für den Außenpolitiker Trump

1.) Trump hat wortwörtlich gesagt, „Fan der Kurden” zu sein. Das ist ein gutes Statement, wenn man bedenkt, wer derzeit am effektivsten gegen den IS kämpft.

2.) Trump möchte die Beziehungen zu Russland normalisieren. Das finde ich richtig, denn, da halte ich es ganz mit dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz, Frieden in Europa kann es nur mit und nicht gegen Russland geben!

3.) Trump hat Serbien Reparationen für die Angriffe auf Belgrad von 1999 versprochen. Egal, ob man die Unabhängigkeit des Kosovo befürwortet oder nicht, die Bombadierung der vier Autostunden entfernten serbischen Hauptstadt durch US-amerikanische, deutsche, niederländische und italienische NATO-Truppen war unnötig, diente nicht dem Schutz der kosovarischen Bevölkerung und forderte unnötige zivile Todesopfer. Wenn Trump das erkannt hat, sollte man ihm das positiv anrechnen!

Steinmeiers fatales Signal

Dies sind nur drei Details, die man kennt, wenn man internationale Presse aus Osteuropa und der verhältnismäßig freien orientalischen Welt liest. Sie machen andere, verurteilenswerte Statements nicht besser, sind aber für eine Gesamtbeurteilung der Person Donald Trump wichtig! Was passiert, wenn man ohne abzuwägen immer nur drauf los poltert, zeigt das obengenannte Beispiel des deutschen Außenministers.

Was letztendlich von Trump zu ist halten, und was er vom positiv genannten politisch umsetzen wird, ist natürlich eine andere Sache. Das Beispiel vieler, nicht gehaltener Versprechungen Barack Obamas zeigt die enorme Relevanz der Administration eines US-Präsidenten und ihren Einfluß. Auch und gerade deshalb würde uns mehr emotionale Distanz bei der Bewertung des Ausgangs der gestrigen Wahl in den Vereinigten Staaten gut zu Gesicht stehen.

Nein, die Welt wird nicht untergehen! Nein, wir sind dem Dritten Weltkrieg nicht näher gekommen! Im Gegensatz zu einigen anderen Partnern, denen die Bundesregierung unkritischer gegenüber steht, ist durch Donald J. Trump noch niemand gestorben!

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