Solar und EE-Methan sind gute Alternativen für CO2-Neutralität

Julian Nida-Rümelin2.07.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Nochmal der Versuch für ein wenig mehr gedankliche Klarheit zu sorgen, allerdings so kompakt wie möglich. Der Klimawandel lässt sich nur durch einen möglichst raschen Umstieg auf eine CO2-neutrale (Energie-) Wirtschaft bewerkstelligen. Die Frage war, ob Elektromobilität ein zentrales Element eines solchen Umstiegs sein kann. Ich habe nichts gegen Hybridfahrzeuge, auch nichts gegen reine Elektroautos, […]

Nochmal der Versuch für ein wenig mehr gedankliche Klarheit zu sorgen, allerdings so kompakt wie möglich.

Der Klimawandel lässt sich nur durch einen möglichst raschen Umstieg auf eine CO2-neutrale (Energie-) Wirtschaft bewerkstelligen. Die Frage war, ob Elektromobilität ein zentrales Element eines solchen Umstiegs sein kann. Ich habe nichts gegen Hybridfahrzeuge, auch nichts gegen reine Elektroautos, aber ich warne vor der Illusion, dass damit der notwendige Umstieg erreicht werden kann.

Warum warne ich davor?

1. Weil die Einordnung von Elektroautos als CO2-neutral eine Irreführung der Öffentlichkeit darstellt und eine ökologisch problematische Lenkungswirkung hat: schicke, teure, PS-starke Fahrzeuge gelten als Klima-Engel, entlasten in den gehobenen Klassen das Gewissen, aber belasten in Wirklichkeit Umwelt und Klima.

Beispiel? Die Produktion allein der Batterie des Tesla 3 belastet die Atmosphäre mit 11 bis 15 Tonnen CO2, das Gewicht der Batterie ist beträchtlich, die Entsorgung ist ebenfalls CO2-neutral nicht zu haben, der Wasserverbrauch in Chile…

2. Da die Debatte derart irrational geführt wird, muss ich hinzufügen, dass der Hinweis darauf, dass Elektroautos nicht klima-neutral sind, natürlich keine Verteidigung traditioneller Verbrennungsmotoren ist. Es gibt zwischen den wissenschaftlichen Gutachten zur CO2-Bilanz Uneinigkeiten, was die angemessenen Vergleichskriterien angeht, manche sehen den Diesel in der CO2-Bilanz vor dem Elektroauto, andere dahinter, manche empfehlen nur kleine Elektroautos zu bauen, damit die Vorteile deutlicher werden, aber allein die Tatsache, dass Wissenschaftler darüber streiten, ob das Elektroauto klima-freundlicher ist, als der Diesel, müsste doch vernunftbegabten Menschen klarmachen, dass die Elektromobilität nicht die Lösung sein kann.

3. Schlaumeier rechnen mir in ihren Antworten auf diesem Facebook-Profil dann gerne Energieeffizienzen vor, obwohl sie doch wissen müssten, dass es nicht um Energiebilanzen, sondern um Klimarettung geht, das heisst CO2-Bilanzen. Solar- und sonstige E-Energie ist idealiter völlig klima-neutral – wie effizient die Umwandlung in Endenergie erfolgt, ist daher für die CO2- Bilanz irrelevant. Das spielt allerdings eine Rolle für die Kosten, aber dann sollten wir darüber reden, wieviel wir für eine Umstellung auf CO2-neutrales Wirtschaften zu zahlen bereit sind.

Solar- und anderes EE-Methan hat das Potential zu einem raschen Umstieg auf eine CO2-neutrale (Energie-) Wirtschaft, da die Infrastruktur im Wesentlichen steht. Ich hoffe wir werden in einigen Jahren nicht bereuen, dass wir dieses Potential nicht genutzt haben, weil die wirtschaftlich maßgeblichen Kräfte, wie vor Jahrzehnten auf Elektrifizierung und Kernenergie nun auf Elektrifizierung und Batterie gesetzt haben.

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