Unsere Debatten sind irrational

Julian Nida-Rümelin27.12.2018Wirtschaft

Das Ausmaß an Irrationalität in öffentlichen Debatten ist atemberaubend. Aktuelles Beispiel: Es geht um den Kohlendioxid-Ausstoß von KFZ, der nun zum massiven Ausbau der Elektromobilität führen soll.

Aber das Klima wird nur dann geschützt, wenn der Anstieg von CO2 und anderer klima-schädlicher Gase begrenzt wird, also ist nicht der Ausstoß von CO2, sondern die Gesamtbilanz ist ausschlaggebend!

Diese Gesamtbilanz ist aber für Elektro-KFZ ernüchternd: Allein die Herstellung der Batterien setzt immense Mengen an CO2 frei, die bei größeren KFZ erst nach sieben Jahren Betrieb wieder durch Einssparungen ausgeglichen werden.

Bei heutigem Energiemix ist die CO2-Bilanz von mittelgroßen Elektro-KFZ besser als beim Benziner, aber schlechter als beim Diesel. Die aktuelle Debatte grenzt insofern an eine gezielte Irreführung der Öffentlichkeit. Elektromobilität rettet nach Lage der Dinge das Klima nicht, der KFZ-Verkehr trägt in Deutschland ohnehin nur etwas mehr als ein Zehntel zur CO2-Belastung bei.

Es sind weit massivere Maßnahmen erforderlich und ohne Verteuerung fossiler Energiequellen hat z B die Power to Fuel Technologie keine Chance, obwohl mit dieser eine rasche, disruptive, weltweite Umstellung auf klima-neutrale Industrieproduktion und Mobilität möglich wäre.

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