Der Modus des Durchwurstelns funktioniert nicht mehr

Julian Nida-Rümelin16.10.2018Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Die Zustimmung zu den traditionellen Parteien sinkt weltweit, weil sie angesichts von Globalisierung, Digitalisierung und sozialer Erosion keine Lösungskompetenz entwickelt haben. Der Modus des Durchwurstelns funktioniert in dieser Welt nicht mehr, kommentiert Julian Nida-Rümelin.

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Die SPD verliert in Bayern rund die Hälfte ihrer Wähler, die CSU stürzt ab, die AfD zieht mit einem eher mäßigen Ergebnis nun auch in den Bayerischen Landtag ein. Die Grünen feiern einen Triumph mit Zuwächsen von vormaligen CSU und SPD Wählern. Die TV-Analysen dazu bleiben bemerkenswert oberflächlich. Ja, das Verhalten von Seehofer hat eine Rolle gespielt, auch das von Merkel (das wird nur unter vorgehaltener Hand angedeutet), das Luftikus-Image von Söder auch, das ungünstige Erscheinungsbild der GroKo ohnehin… Und die wichtigste Journalisten-Frage: „Muss Seehofer jetzt gehen?“

Wenn das Alter der Beteiligten nicht dagegen spräche würde ich sagen: „Kinder, schaut doch mal genauer hin!“ Wann ist die AfD entstanden? Als sich endgültig herausstellte, dass die Währungsunion nicht zu ökonomischer Konvergenz führt, wie behauptet, und No Bail Out sich als leeres Versprechen entpuppte. Seit wann erodieren die Werte für Merkel und die CDU? Als sie sich ohne jede europäische Abstimmung, ohne Parlamentsentscheid und ohne Migrations-Konzept für die nachhaltige Öffnung der deutschen Grenzen entschied. Die Zustimmung zu den traditionellen Parteien sinkt weltweit, weil sie angesichts von Globalisierung, Digitalisierung und sozialer Erosion keine Lösungskompetenz entwickelt haben. Der Modus des Durchwurstelns funktioniert in dieser Welt nicht mehr und die Protagonisten halten es nun für die wichtigste politische Frage, ob ein Innenminister seinen Hut nehmen muss.

Quelle: “Julian Nida-Rümelin”:https://www.facebook.com/julian.jnr.9

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