Blumen stecken lassen

von Julia Korbik7.03.2014Gesellschaft & Kultur

Wann ist der Weltfrauentag eigentlich zu einer Art zweitem Valentinstag geworden?

In meinem Italienisch-Kurs lernen wir gerade die Feiertage und kurz vor dem Weltfrauentag am 8. MĂ€rz stellte sich heraus, dass nur die meisten Kursteilnehmer – MĂ€nner und Frauen – keine Ahnung hatten, wann dieser Tag denn nun ist.

WĂŒrden Sie in Berlin-Mitte arbeiten, hĂ€tten Sie Ihre Antwort natĂŒrlich lĂ€ngst bekommen. Dort wirbt ein Kosmetikladen in der NĂ€he des Hackeschen Marktes mit dem Weltfrauentag. Die Idee dahinter geht ungefĂ€hr so: Da der Weltfrauentag der Tag der Frauen ist, sollen diese doch einfach in den Laden kommen, viel Geld fĂŒr Kosmetikprodukte ausgeben in dem Wissen, dass sie als Frauen diese Belohnung verdient haben und sich ruhig mal was gönnen können. Ich meine, auf dem Plakat stand sogar etwas von „sich verwöhnen lassen“.

FĂŒr dich soll’s rote Rosen regnen

Dagegen ist nichts einzuwenden. Verwöhnen lassen klingt gut. Wenn frau GlĂŒck hat, bekommt sie an diesem, ihrem Tag vielleicht sogar ein paar Blumen geschickt – als Anerkennung ihrer Weiblichkeit quasi. Eine schnelle Google-Suche ergibt zudem eine Auswahl von passenden Grußkarten Ă  la „Alles Liebe zum Frauentag“, besonders beliebt scheinen dabei Blumenmotive (genauer: Rosen) zu sein. War Valentinstag nicht schon im Februar?

Mal ehrlich: Vanillig duftende Körperlotionen, Blumen und Grußkarten helfen uns hier nicht weiter. Die immer noch bestehenden Benachteiligungen von Frauen lassen sich schlecht wegcremen (oder durch Rosenduft ĂŒberdecken). Gerade hat die EuropĂ€ische Agentur fĂŒr Grundrechte eine internationale Erhebung prĂ€sentiert, laut der ein Drittel der Frauen zwischen 15 und 74 Jahren in der EU körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben. “Die „SĂŒddeutsche“ rechnet sehr schön vor”:http://www.sueddeutsche.de/panorama/eu-studie-jede-dritte-frau-ist-opfer-von-gewalt-1.1904508, dass dies 62 Millionen Frauen sind: „WĂŒrden sie eine Nation bilden, wĂ€ren sie hinter den Schwergewichten Deutschland und Frankreich die drittgrĂ¶ĂŸte Nation der EuropĂ€ischen Union.“ Traurig.

Wir leben also mitnichten in einer gleichberechtigten Gesellschaft – nicht, solange sexuelle und körperliche Gewalt sich in so großer Zahl gegen Frauen richtet. Und es gĂ€be noch mehr Beispiele: Gehaltsunterschiede, die niedrige MĂŒtter-ErwerbstĂ€tigkeit, der allgegenwĂ€rtige Sexismus.

Auf MissstÀnde aufmerksam machen

Deshalb: Blumen stecken lassen, Grußkarte in den MĂŒll und das Geld fĂŒr teure Kosmetik gespart. Am „Tag der Vereinten Nationen fĂŒr die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ (so der Geburtsname des Weltfrauentags) geht es nĂ€mlich eben nicht um das Feiern der Frau und ihrer Weiblichkeit an sich. Sondern darum, auf MissstĂ€nde, die Frauen weltweit betreffen, aufmerksam zu machen. In einigen LĂ€ndern ist der 8. MĂ€rz sogar ein gesetzlicher Feiertag, so z.B. im EU-Mitgliedstaat Zypern.

So vermessen, einen gesetzlichen Feiertag zu fordern, bin ich nicht (außerdem wohne ich in Berlin und da ist man mit Feiertagen allgemein ja extrem knauserig). Der Weltfrauentag ist nĂ€mlich kein Tag, an dem etwas gefeiert werden soll. Keine Blumen, keine GlĂŒckwĂŒnsche. Er ist ein Tag, an dem es sich anbietet, den Stand der Dinge zu analysieren. Und die Herausforderungen anzugehen. Womit ich nicht die Wahl der passenden, cremig-duftigen Lotion fĂŒr raue Winterhaut meine.

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