Masturbierende Föten

Julia Korbik22.06.2013Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Oder: Dinge, die wir von amerikanischen Politikern über Schwangerschaft, Vergewaltigung und Abtreibung lernen können.

Amerika hat nicht nur Obama, Disneyworld und Coca Cola, sondern auch jede Menge schlauer Politiker. Die wissen Sachen, die wusste man gar nicht! Eine kleine Auswahl – die aber keinesfalls ein Ranking darstellt. Denn jedes Zitat hätte den ersten Platz verdient.

Föten masturbieren im Mutterleib

Vor wenigen Tagen, am 19. Juni, verabschiedete das amerikanische Repräsentantenhaus ein Gesetz, welches alle Abtreibungen 20 Wochen oder mehr nach der Befruchtung verbietet. Das sind zwei Wochen früher als die vom Supreme Court festgelegte Frist (die sich danach richtet, wann der Fötus außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre). Basis dafür ist die von vielen Republikanern vertretene Annahme, Föten könnten bereits im zweiten Schwangerschaftstrimester Schmerz empfinden. Große medizinische Institute in den USA und Großbritannien hingegen weisen darauf hin, dass dies nicht vor dem dritten Trimester der Fall ist. Dem texanischen Kongressabgeordneten Michael Burgess reicht die restriktive Regel allerdings nicht, er fordert, Abtreibungen noch früher zu verbieten. “Seine Gründe sind von bestechender Logik”:http://rhrealitycheck.org/article/2013/06/17/texas-congressman-masturbating-fetuses-prove-need-for-abortion-ban/:

bq. Schauen Sie sich ein Ultraschallbild eines 15 Wochen alten Babys an, und da gibt es zielgerichtete Bewegungen. Sie streicheln ihr Gesicht. Wenn sie ein männliches Baby sind, haben sie vielleicht ihre Hand zwischen den Beinen. Wenn sie Genuss empfinden, warum ist es dann so schwer zu glauben, dass sie Schmerz empfinden könnten?

Schrecklich, diese perversen Ungeborenen. Interessant aber, dass Masturbation für Republikaner ein Grund _gegen_ Abtreibung ist – wo man doch genau das Gegenteil erwarten würde.

Verhütung bringt das Schlechteste im Menschen hervor

Verhütung findet Rick Santorum, ehemaliger republikanischer Senator aus Pennsylvania und Präsidentschaftskandidat, überhaupt nicht gut. Und im Gegensatz zu anderen traut er sich, die Wahrheit auszusprechen:

bq. Eines der Dinge, über die ich sprechen werde, über die noch kein Präsident zuvor gesprochen hat, sind meiner Meinung nach die Gefahren von Verhütung in diesem Land … Viele Anhänger des christlichen Glaubens haben gesagt, gut, das ist okay, Empfängnisverhütung ist okay. Sie ist nicht okay. Sie ist eine Lizenz, um auf einem sexuellen Gebiet Dinge zu tun, die im Gegensatz zu dem stehen, wie Dinge sein sollten.

Verhütung = dreckiger Sex. Völlig logisch. Oder gar homosexueller Sex! Vielleicht bedeutet es auch nur, dass verheiratete Menschen (die, die ohne Verhütung Sex haben dürfen) ganz langweiligen Sex haben. Ob das ein gutes Argument gegen Verhütung ist?

Gott hat einen Plan

Auch wenn es um Vergewaltigungen und daraus resultierende Schwangerschaften geht, ist Santorum ganz Gottes Mann. Im Prinzip muss man das Ganze ja nur aus einem positiven Blickwinkel betrachten:

bq. Die richtige Herangehensweise ist, dieses grausam Erschaffene zu akzeptieren – im Sinne von Vergewaltigung – aber dennoch ist es ein Geschenk, auf eine sehr kaputte Art, das Geschenk des menschlichen Lebens. Akzeptiere, was Gott dir gegeben hat.

Allerdings kommen nur wenige Frauen in den Genuss eines solchen „Geschenks“, wie andere Politiker herausgefunden haben.

(„Echte“) Vergewaltigungen führen nicht zur Schwangerschaft

Im Sommer vorigen Jahres hatte der Republikaner Todd Akin gute Nachrichten für alle Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden waren: “„Echte“ Vergewaltigungen, so Mister Akin, würden nicht zu einer Schwangerschaft führen”:http://www.theeuropean.de/julia-korbik/12155-todd-akin-ueber-vergewaltigungen-und-abtreibung. Der weibliche Körper verfüge schließlich über Mechanismen, dies zu verhindern. Im unwahrscheinlichen Fall, dass doch eine Schwangerschaft zustande käme (eigentlich per se ja unmöglich), müsse der Vergewaltiger bestraft werden und nicht das Kind. Mit „Bestrafung“ ist natürlich eine Abtreibung gemeint. Im Nachhinein versuchte Akin, Schadensbegrenzung zu betreiben – was nicht so ganz überzeugend gelang: Er habe nicht von „echter“ Vergewaltigung sprechen wollen, sondern von „gewaltsamer“ … Wenn eine Vergewaltigung nicht ein Akt der Gewalt ist, was dann?

Die Überzeugung, Vergewaltigungen würden in der Regel nicht zu Schwangerschaften führen, scheint unter Republikanern dennoch weit verbreitet zu sein. So verkündete Henry Aldridge:

bq. Die Fakten zeigen, dass Menschen, die vergewaltigt werden – die wirklich vergewaltigt werden – die Säfte fließen nicht, die Körperfunktionen arbeiten nicht und sie werden nicht schwanger. Medizinische Behörden sind sich darin einig, dass dies _[die Schwangerschaft, Anm.]_ eine Seltenheit ist, wenn es überhaupt passiert.

Und Steve King gab an, in seinem Umfeld noch nie von Schwangerschaften gehört zu haben, die aus einer Vergewaltigung resultierten – zeigte sich aber großzügig dazu bereit, über das Thema zu diskutieren.

Zurücklehnen, entspannen

Clayton Williams, der sich in Texas mal als Gouverneur bewarb, hat einen wertvollen Tipp in Sachen Vergewaltigung:

bq. Solange es unvermeidlich ist, kannst du dich genauso gut zurücklehnen und es genießen.

Gemäß dem Motto: Schließ die Augen und denk an England. Und gemäß Tina Fey, amerikanische Moderatorin, Autorin und Schauspielerin:

bq. Wenn ich noch einem weiteren graugesichtigen Mann mit einem Zwei-Dollar-Haarschnitt zuhören muss, der mir erklärt, was Vergewaltigung ist, werde ich verrückt.

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