Pussy Power

Julia Korbik11.11.2012Gesellschaft & Kultur

James Bond hin oder her: 60 Bond-Girls haben in 25 Filmen mit 007 gekämpft, gearbeitet – und geschlafen. Zeit, über die Frauen an Bonds Seite zu reden.

Einerseits hat James Bond, Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät, verdammtes Glück: Jede Menge wunderschöner Frauen landen in seinen Armen. Mehr als einen coolen Spruch („Geschüttelt, nicht gerührt“ – wer könnte da schon widerstehen?) oder einen lässigen Blick braucht es meist nicht, um frau ins Bett zu kriegen. Vereinfacht wird die Sache dadurch, dass viele der potenziellen Bond’schen „love interests“ mit Bösewichten verbandelt sind – fiese, brutale Kerle, die naturgegeben über wenig Verführungskünste verfügen. Pussy Galore, Pilotin des Schurken „Goldfinger“ im gleichnamigen Film (1964), konnte sich dem Charme des Doppelnull-Agenten ebenso wenig entziehen wie Elektra King („Die Welt ist nicht genug“, 1999) oder Vesper Lynd („Casino Royale“, 2006). Wobei die letzten beiden Damen selbst zur gegnerischen Seite gehörten. Sex mit Bond war also Pflichtprogramm.

Andererseits ist Bond auch wirklich zu bemitleiden: Früher oder später sterben die meisten seiner Liebhaberinnen. Werden mit Gold übergossen, erdrosselt oder erschossen. Das (sexuelle) Glück ist also nie von langer Dauer. Wozu dann die ganze Verführungsarbeit?

Opfer, Agentinnen, Bösewichtinnen

Viele Jahre lang waren Bond-Girls nicht mehr als ein netter Sidekick mit lustigen und teilweise sprechenden Namen: Pussy Galore, Honey Rider, Strawberry Fields. Als Bond-Girl im eigentlichen Sinne, so lehrt es Wikipedia, wird eigentlich nur die weibliche Hauptfigur bezeichnet. Aber wie langweilig wäre es, denn Rest einfach auszuschließen! Da gibt es Opfer, Agentinnen oder Bösewichtinnen. Auf Augenhöhe mit Bond befand sich selbstverständlich kaum eine. Gerade in der Roger-Moore-Ära (Sean Connery darf sich durchaus auch angesprochen fühlen) waren Frauen vor allem eins: Blickfänge. Sie kamen und gingen, war ja egal, solange um die nächste Ecke schon ein weiteres Girl wartete, das es zu betten, äh, retten galt.

Das Frauenbild der Bond-Filme hat sich jedoch zunehmend gewandelt. Elektra King (Sophie Marceau) beispielsweise drehte den Spieß um und verführte 007, der sich tatsächlich in sie verliebte – nur um dann feststellen zu müssen, dass King zu dem Schurken Renard gehört und den liebestollen Agenten lediglich für ihre Zwecke eingespannt hat. Solches Verhalten kannte man sonst ja nur von … ach ja, Bond selbst. Jinx Johnson (Halle Berry) durchbrach diesen positiven Trend der späten 1990er/frühen 2000er-Jahre leider noch einmal. Warum aktiv was zur Handlung beitragen, wenn man auch einfach in einem knappen Bikini aus den Fluten steigen kann?

Die große Liebe, eine Doppelagentin

Glücklicherweise kam dann aber Daniel Craig als neuer James Bond und mit ihm ein dringend benötigtes Update der Serie. Zwar musste auch er in seinem ersten Film („Casino Royale“, 2006) zu Dienstzwecken durch die Betten turnen (der Ärmste), aber das war es dann erst mal. In Vesper Lynd (Eva Green) fand er nämlich seine große Liebe: Eine Frau auf Augenhöhe, mit der er sich Wortgefechte liefern konnte und die erst die Hüllen fallen ließ, nachdem Bond seine allzu schlimmen Macho-Attitüden abgelegt hatte. Dumm nur, dass eben jene Geliebte eine Doppelagentin war und Bond die ganze Zeit hintergangen hatte. Da half es auch wenig, dass sie ihn wirklich liebte – am Ende musste Vesper sterben. Bond hätte sie noch retten können, aber das wollte Vesper nicht, zu groß waren ihre Schuldgefühle. Erst durch dieses tragische Erlebnis, die große Liebe gefunden und gleich wieder verloren zu haben, wird Bond zu Bond. In „Ein Quantum Trost“ (2008) gibt es deshalb auch nur ein bisschen Sex für 007, den Rest des Films ist er auf der grimmigen Jagd nach denen, die die Schuld für Vespers Tod tragen.

So gesehen ist Vesper Lynd das bisher beste Bond-Girl. Smart, klug und eigensinnig bietet sie dem selbstgefälligen 007 Paroli und trifft selbstbestimmt Entscheidungen. Dabei darf sie durchaus Verletzlichkeit zeigen – und Bond lässt den Revolver mal stecken und verhält sich einfach normal: Er tröstet sie (ganz ohne Hintergedanken). Vor allem gibt Vesper den Anstoß zu einer Handlung, die sich tatsächlich mal über mehrere Filme erstreckt und durch die sich ein zerrissener, zynischer und ohne Rücksicht auf Verluste agierender James Bond kämpft. Mit Vesper wollte er ein neues Leben beginnen, aussteigen und den Geheimdienst Geheimdienst sein lassen. Stattdessen bleibt nun nur noch der Beruf, die Pflicht, um sich vom Schmerz abzulenken.

Von der coolen Superheldenwolke auf die dreckige Straße

Vesper Lynd wäre nicht das beste aller Bond-Girls, ohne einen dazu passenden, tollen Bond. Die Filme mit Pierce Brosnan konnte man sich kaum noch anschauen, so lächerlich waren teilweise die Spezialeffekte, Bösewichte und Handlungen. Mit Daniel Craig bekam die Serie wieder mehr Tiefe. Bond stürzte von seiner coolen Superheldenwolke direkt auf die dreckige Straße. Ob der Martini gerührt oder geschüttelt wird, ist nun egal – Bond trinkt sowieso lieber Bier. Bond-Girls, und mögen sie noch so hübsch sein, sind keine wirkliche Ablenkung mehr. Dafür braucht es schon eine Frau vom Kaliber Vesper Lynds.

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