Es ist gar nicht wahr, dass die Jugend vor allem an Konsum und an Genuss denkt. Joseph Ratzinger

Das A-Wort

A wie Abschied: unsere Kolumnistin geht. Vorher aber zieht sie Bilanz aus drei Jahren „Das F-Wort“.

Nach fast drei Jahren und insgesamt 47 Texten ist der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen: Dies wird der letzte „Das F-Wort“-Beitrag sein. Statt aber virtuell Tränen zu verdrücken, ziehe ich lieber eine kleine Bilanz meiner Zeit als Kolumnistin.

Die meisten Texte würde ich heute noch ungefähr so schreiben („ungefähr“, weil ich Journalistin bin und Angehörige meines Berufsstandes generell immer unzufrieden sind, wenn sie eigene, ältere Texte noch einmal lesen). Ausnahme: Mein allererster Text „Der Feminismus-Zauberstab“, in dem ich ziemlich ungnädig Anne-Marie Slaughter kritisiere. Die ehemalige Mitarbeiterin von Hillary Clinton hatte einen vielbeachteten Essay darüber geschrieben, dass Frauen heute eben nicht alles gleichzeitig – Kinder und Karriere – haben können, ohne Abstriche zu machen. Rückblickend verstehe ich gar nicht mehr, warum dieser kluge und nachdenkliche Text mich damals so wütend machte. Vielleicht, weil er eine unbequeme Wahrheit aussprach? 2013 hatte ich die Gelegenheit, Slaughter zum Interview in Berlin zu treffen – und bin seitdem großer Fan von ihr. Gut, dass sie meine Kolumne nicht gelesen hatte (ein bisschen Deutsch kann Slaughter nämlich).

Anspruch und Realität

Zwei Texte, die mir immer noch ein bisschen besser gefallen als andere Texte, die ich geschrieben habe, sind „Das Märchen von der guten Feministin“ und „Alles Feminismus … oder was?“. Ersterer, weil mir das Thema wirklich am Herzen liegt: Der Anspruch, auch als Feministin perfekt zu sein und wohin das führt. Zweiterer, weil er a) kurz und schnell ist und b) gut mein eigenes Dilemma widerspiegelt: Dass Feminismus weiter in den Mainstream gerückt ist, finde ich grundsätzlich gut; aber verwässert das nicht auch irgendwie seine Botschaft?

Weil Klicks im Internet nicht unwichtig sind, zählt eben nicht nur der Text, sondern auch die dazugehörige Bebilderung. Hier hat The-European-Fotochef Lars Mensel stets alles gegeben und mit dem Bild zum Text „Kleid des Anstoßes“ Grandioses geleistet. Den Text selbst fand ich immerhin auch Monate nach seiner Veröffentlichung so gut, dass er es in Teilen in mein 2014 erschienenes Buch „Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ geschafft hat. Apropos „Stand Up“: Das Buch hätte es ohne diese Kolumne nicht gegeben.

Den Streit wert

Ich bin froh und dankbar, dass meine männlichen Kollegen bei The European nicht mal mit der Wimper zuckten, als ich verkündete, eine feministische Kolumne schreiben zu wollen – im Gegenteil, sie waren sofort dabei, hatten oft gute Themen-Vorschläge und genauso viel Spaß wie ich an abstrusen Leser-Kommentaren zu meiner Kolumne (einige so abstrus, dass wir sie leider nicht freischalten konnten). An dieser Stelle möchte ich insbesondere dem immer kommentierfreudigen Alexander Wallasch danken, mit dem ich selten einer Meinung war und wunderbar streiten konnte" – verstanden haben wir uns aber trotzdem ziemlich gut. Außerdem sehen unsere Köpfe in verschiedenen Farben und übereinandergelegt super aus.

Danke auch an alle Leser und Leserinnen dieser Kolumne. Es war mir ein (feministisches) Fest! Um es mit Douglas Adams zu sagen: „Macht’s gut und danke für den Fisch!“

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Julia Korbik: Dress for success

Leserbriefe

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