Meine Daten gehören mir

von Julia Klöckner19.04.2010Innenpolitik, Medien

Nicht jede technische Neuerung erfreut die Politik. Nachdem Ilse Aigner gegen Google Street View gewettert hat, legt ihre Staatssekretärin Julia Klöckner nach. Die Kameras des Suchmaschinengiganten blicken ungefragt in die Gärten ihrer rheinland-pfälzischen Heimat. Damit soll Schluss sein!

Ich halte es für einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre, wenn Unternehmen flächendeckend Aufnahmen von Häusern und Gärten machen, um diese Fotos und Adressen anschließend weltweit zu vernetzen und zu vermarkten. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da: Viele Menschen in Deutschland haben mittlerweile Widerspruch gegen die Veröffentlichung von Ansichten des von ihnen bewohnten Hauses eingelegt, was formlos per E-Mail an mailto:streetview-deutschland@google.com oder per Briefpost an Google Germany GmbH, Betr. Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg möglich ist. Ein Musterwiderspruch findet sich im Internet unter www.verbraucherministerium.de. Selbstverständlich gibt es viele Bürger, die gern einen virtuellen Stadtrundgang unternehmen und Google Street View nutzen möchten. Die Betroffenen müssen aber die Wahl haben. Daher erwarte ich von Google und vergleichbaren Anbietern, dass die Widersprüche von Betroffenen ernst genommen und umgesetzt werden. Dies gilt auch für die Widersprüche von Personen, die kein Internet haben und daher ihr Haus nicht selbst identifizieren können, wie Google es vor Freischaltung des Dienstes über das Internet ermöglichen will. Auch Personen und Kraftfahrzeuge müssen effektiv unkenntlich gemacht werden. Dies ist derzeit bei den bereits in Google Street View eingestellten Straßenansichten nicht immer der Fall.

Personenprofile in Sekundenschnelle

Wir stehen am Anfang einer völlig neuen Entwicklung. Künftig wird es jedem möglich sein, über das Internet in Sekundenschnelle komplette Personenprofile zu erstellen. Es ist ein großer Unterschied, ob die Bürger, die selbst an einem Haus vorbeigehen, die Außenansicht sehen können oder ob die Ansichten von Privathäusern weltweit recherchierbar werden. Wir brauchen eine neue Kultur im Internet, eine Kultur des Respekts vor den persönlichen Daten anderer anstelle des Prinzips “Versuch und Irrtum”. Beim Start des sozialen Netzwerks Google Buzz wurde sogar gegen die Vertraulichkeit persönlicher E-Mail-Kontakte verstoßen, indem andere einsehen konnten, mit wem man besonders häufig Mails austauschte. So etwas darf sich nicht wiederholen.

Ein Traum für Schwärmer und Stalker

Derzeit ist bei Google Street View völlig unklar, zu welchen weiteren Zwecken die Daten genutzt werden sollen, mit welchen anderen Daten sie verknüpft werden können und welche neuen Erkenntnisse sich hieraus ergeben können. Äußerst bedenklich wäre eine Verknüpfung mit Gesichtserkennungsdiensten, wie sie gegenwärtig entwickelt werden. Auch Adressdaten oder Namen aus anderen Quellen sollten nicht mit den dazugehörigen Gebäuden verknüpfbar sein, es sei denn, jemand wünscht dies ausdrücklich, etwa um für sein Hotel zu werben. Werden all diese Daten verknüpft, ist es nicht nur vorbei mit der Anonymität im Internet, sondern auch mit der Anonymität auf der Straße: Ein schnelles Foto mit dem Handy von dem sympathischen Unbekannten, und ich weiß, wie er heißt, wo er wohnt, wie sein Haus aussieht und was er in sozialen Netzwerken schreibt. Nicht nur ein Traum für Schwärmer, sondern auch für Stalker. Die Welt, in der ich leben möchte, sieht anders aus.

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