Der Ursprung des Humors liegt im Banalen. Helge Schneider

Gegen den Strom stimmen

Der Hamburger als solcher ist erstaunlich unberechenbar. Ob Schwarz-Grün, Schill-Partei oder die Abwesenheit der FDP: Der Hanseate stimmt gegen den Strom. Auch an diesem Sonntag ist damit alles offen.

Hamburgs Wählerinnen und Wähler stimmten schon oft gegen den Bundestrend – ein Markenzeichen der Hansestadt? Vergleicht man Hamburg mit dem Rest der Republik, zeigen die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre, wie individuell die Wählerinnen und Wähler hier im Norden ticken. Ein Blick zurück: die STATT-Partei in den 1990ern, das kurze Erstarken der Schill-Partei zu Beginn der letzten Dekade, die Abwesenheit der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft seit zwei Legislaturperioden oder die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene sind nur einige Beispiele für das „etwas andere“ Wahlverhalten der Hamburger.

Der Hamburger hat das Wohl seiner Stadt im Blick

In Hamburg stimmten die Menschen in den letzten Jahren für Koalitionen, die nicht dem jeweiligen Bundestrend entsprachen. Das zeigt auch der aktuelle Vergleich von Bundes- und Landesebene: Während die schwarz-gelbe Koalition in Berlin sich in den vergangenen Monaten in den Umfragen verbesserte, gibt der Hamburger in Meinungsumfragen derzeit ein anderes Bild zu Protokoll.

Sicherlich spielen für die persönliche Wahlentscheidung immer auch kurzfristige Mechanismen eine Rolle. Der Hamburger verliert dabei jedoch nicht das Wohl seiner Stadt und der dort lebenden Menschen aus den Augen. Gegen den Willen der gesamten Bürgerschaft stoppte das Volk im Herbst 2010 die geplante Schulreform und kippte damit die Einführung der Primarschule. Die Hanseaten bewiesen, dass sie auch in weitreichende Entscheidungen direkt eingebunden werden wollen.

Erstens kommt es anders …

Derzeit wird in der Stadt das neue Wahlrecht kontrovers diskutiert. Im Rahmen ihrer Stimmabgabe können die Wähler viermal fünf Stimmen auf die Kandidaten verteilen. Eine Änderung, die auf den Willen des Bürgers zurückzuführen ist. Vielerorts bekommt man zu hören, dass das neue Abstimmungsverfahren zu kompliziert sei und die Menschen von der Stimmabgabe abschrecke. Bereits einige Tage vor der Wahl wurde verkündet, dass die Zahl der Briefwähler (aus diesem Grund) stark zugenommen habe.

Entgegnet man den Menschen im Gespräch mit dem richtigen Argument, dass das neue Wahlrecht aufgrund ihres Votums eingeführt wurde, führt das zu ungläubigem Staunen – auch ein Beweis für die „Wahlliberalität“ der Hanseaten. Und wer weiß, vielleicht verhält man sich am Sonntag auch ganz anders, als die Voraussagen es verheißen …

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hugo Müller-Vogg, Niels Annen, Manfred Güllner.

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