SUV sind nicht grundsätzlich gefährlicher als ein Smart

Jürgen Fritz10.09.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Am Freitagabend um 19.08 Uhr ereignete sich an der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße in Berlin-Mitte ein schrecklicher Verkehrsunfall, der zum Tod von vier Menschen führte. Ein Porsche SUV raste mit ungeheurer Geschwindigkeit geradewegs auf den Gehweg zu, erfasste dort dann vier Fußgänger und schleuderte durch einen Zaun auf ein Baugrundstück. Noch immer wird gerätselt, wie es dazu kommen konnte. War ein epileptischer Anfall des Fahrers im Spiel?

Vier Fußgänger ins Grab gefahren

Der Porsche Macan überholte die an einer Ampel stehenden Fahrzeuge auf der Gegenfahrspur, raste förmlich auf den Gehweg links direkt in eine Menschengruppe hinein. Mehrere Personen, die ob der enormen Geschwindigkeit keine Ausweichmöglichkeit mehr hatten, wurden erfasst. Dabei knickte der SUV einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam schließlich auf einem Baugrundstück zum Stehen.

Bei dem schrecklichen Unfall, zur Stunde wird jeweils davon ausgegangen, dass es sich um einen solchen handelt, wurden vier Menschen getötet, drei weitere verletzt. Auf dem Gehweg wurden ein Spanier (28) und ein Brite (29), vermutlich Touristen, außerdem eine 64-Jährige Frau und ihr dreijähriger Enkel so schwer erfasst, dass sie verstarben. Die 38-jährige Mutter des Dreijährigen und ihr weiterer neunjähriger Sohn blieben körperlich unverletzt. In dem Porsche SUV saßen außer dem 42-jährigen Fahrer auch seine sechsjährige Tochter und seine 67-jährige Mutter. Der 42 Jahre alte SUV-Fahrer erlitt Kopfverletzungen und liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Führte ein epileptischer Anfall zum Verlust der Kontrolle über den SUV?

Die Unfallursache ist noch immer unklar. Die Polizei hält allerdings gesundheitliche Probleme des Fahrers für immer wahrscheinlicher. Möglicherweise hatte der 42-Jährige einen epileptischen Anfall. Warum die Tochter und die Mutter des Fahrers keine genauen Angaben machen können, was in dem Fahrzeug passierte, dazu wurde bislang nichts öffentlich. Ein Vorsatz wird derzeit auf jeden Fall ausgeschlossen. Wie bei tödlichen Unfällen üblich, wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Polizei sucht nach Zeugen des Unfalls.

Mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers und einer Blutuntersuchung soll geklärt werden,  ob der 42-Jährige Gesundheitsprobleme hat. Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Krankenakte in die Wege leiten. Ob das inzwischen geschehen ist, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führt, teilte lediglich mit: „Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls aufklären. Es werden Zeugen vernommen, die Daten des Unfallfahrzeugs ausgelesen sowie ein Video vom Unfallhergang ausgewertet. Weiteres kann derzeit nicht veröffentlicht werden.“

Falls wir davon ausgehen, dass tatsächlich ein epileptischer Anfall die Ursache für den tödlichen Unfall gewesen ist, stellen sich einige Fragen: Handelte es sich um eine langwierige Erkrankung oder um einen unvorhersehbaren Anfall? Nach Angaben der Charité darf ein Fahrverbot nach einem ersten epileptischen Anfall frühestens nach drei Monaten ohne Rückfälle aufgehoben werden, bei chronischer Epilepsie sogar frühestens nach einem Jahr Medikation. Laut Morgenpost taucht das Kennzeichen des SUV bislang in keinerlei Raser- oder vergleichbaren Strafverfahren auf.

SUV sind nicht grundsätzlich gefährlicher als ein Smart

Indessen wird von geneigter Seite sofort Kritik an PS-starken Autos und SUVs in der Innenstadt laut, vor allem von Grünen-Politikern und von Verkehrsverbänden. Der Unfallforscher der Versicherungswirtschaft, Siegfried Brockmann, meinte dazu gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart“. Mehr Einfluss als die Masse des Fahrzeugs habe die Geschwindigkeit und die Art des Zusammenstoßes. „Alles was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug.“ In diesem konkreten Fall hätte jedoch der Ampelmast einen Kleinwagen, wie einen Polo, wahrscheinlich eher stoppen können.

Mit welch ungeheurer, ja kaum vorstellbarer Geschwindigkeit der SUV in die Menschen hineinraste, kann man hier in etwa sehen. In dieser Aufnahme wurde die Geschwindigkeit des Films in etwa auf die tatsächliche Geschwindigkeit angepasst. Bei der Aufnahme handelt es sich um eine solche, die eine Dashcam (eine Videokamera an der Frontscheibe eines Autos, die die Fahrt aufzeichnet) eines Taxis aufgenommen hat. Der Sender ntv veröffentlichte diese. Das Erfassen der Menschen selbst ist nicht zu sehen, das Video bricht vorher ab. Die Aufnahme, vor allem in Echtzeit, macht aber deutlich, was sich hier tatsächlich ereignet hat.

Echtzeit- und ntv-Zeitlupenaufnahme

So in etwa dürfte sich das Ganze in Echtzeit abgespielt haben. Hier erkennt man erst, mit was für einer unfassbaren Geschwindigkeit das Fahrzeug in die Menschen hineinraste.

Hier die von n-tv veröffentlichte Zeitlupenaufnahme:

*Quelle: Jürgen Fritz

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